Martina Weyrauch

Gesundes Frühstück in Elternregie

Martina Weyrauch

Bereits bei der Schulgründung zum Schuljahr 2014/15 stellte sich in der Gemeinschaftsschule Wenigenjena unter anderem diese Frage: Wie kann dafür gesorgt werden, dass sich alle Kinder in der Gemeinschaftsschule gesund ernähren und so auch die körperlichen Voraussetzungen für das Lernen gegeben sind? Schnell merkten die Pädagogen, dass sie diese Frage ohne die Eltern nicht bearbeiten konnten.
Im Rahmen der gemeinsamen Treffen zur Erarbeitung des Schulkonzepts bereiteten die Lehrerinnen und Lehrer ein leckeres Abendessen für die 30 engagierten Eltern vor. Beim Essen wurde diskutiert, welche Rolle die gesunde Ernährung und das Ritual der gemeinsamen Mahlzeit in einer lernenden Gemeinschaft spielen. Schon an jenem Abend meldeten sich Eltern, die es zu ihrer Sache machen wollten, ein Konzept und die logistischen Voraussetzungen für ein gemeinsames Frühstück der Kinder zu erarbeiten.
Mit Unterstützung des Schulträgers wurde eine geeignete Küche in die Schule eingebaut.
Seit dem ersten Schultag erhalten alle Schülerinnen und Schüler jeden Morgen ein von Eltern der Schule vorbereitetes Frühstück. Mehrere Mütter übernehmen die Verantwortung für die Planung des Einkaufs, den Einkauf selbst und die morgendliche Zubereitung des Frühstücks. Über eine Doodle-Liste werden sowohl die Einkäufer als auch der Einsatz von täglich zwei Eltern zur Herstellung des Frühstücks koordiniert. Die Klassenlehrer sammeln monatlich je Kind einen Euro pro Tag ein und übergeben das Geld an die verantwortlichen Eltern. Diese sorgen für die Logistik bei Einkauf und Abrechnung.
Engagierte Eltern konnten gemeinsam mit dem Förderverein und einer überbetrieblichen Ausbildungsgesellschaft zusätzlich zwei förderfähige Stellen durch eine Wiedereingliederungsmaßnahme für Langzeitareiteslose eine Stelle zur Unterstützung des Frühstücks schaffen. Die zweite kontinuierliche Hilfe erfolgt duch eine Fördermaßnahme für Flüchtlinge. Regelmäßig wird nun das Konzept geprüft und fortgeschrieben. Gemeinsam muss dabei entschieden werden, wie sich das Modell mit der wachsenden Schülerzahl entwickelt.
Waren am Anfang 80 Kinder, so sind heute 230 Kinder zu versorgen. Mittlerweile wird in zwei Küchen täglich von 7.30 Uhr bis 8.30 Uhr gearbeitet, damit pünktlich ab 8.40 Uhr gefrühstückt werden kann. Seit diesem Schuljahr sind auch Schüler beteiligt. Derzeit steht die Entscheidung an, bis zu welcher Klassenstufe das Frühstück angeboten werden kann. Siebtklässler sind momentan die ältesten Schüler an der noch jungen Gemeinschaftsschule. Als Entscheidungshilfe wurde mit Unterstützung der Schülervertretung das Frühstück unter allen Schülern evaluiert. Das Ergebnis war eindeutig: Der großen Mehrheit ist es wichtig, die gesunde Mahlzeit zusammen in der Schule einzunehmen. Die Mädchen und Jungen wertschätzen es sehr, dass die Eltern für sie so aktiv sind.
Derzeit stehen wir vor der wichtigen Phase, wie wir eine Gründungsinitiative in einen tragfähigen dauerhaften Prozess gemeinsamer Verantwortung von Eltern, Schülern und Pädagogen überführen.
Nachgefragt in der Thüringer Gemeinschaftsschule Wenigenjena durch die Mitherausgeberin Martina Weyrauch.

Friedrich+ Schulleitung

Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Jetzt weiterlesen mit Friedrich+ Schulleitung!

  • Digitaler Vollzugriff auf die Inhalte der Zeitschriften Schule leiten oder Lernende Schule
  • Umfassendes Archiv mit über 550 Beiträgen für die Leitung und Weiterentwicklung Ihrer Schule, mit Checklisten, Bildmaterial, Methodenkarten, u. v. m.
  • Jährlich über 100 neue Beiträge, darunter umfassende Materialien für die schulinterne Fortbildung

30 Tage kostenlos testen

Mehr Informationen zu Friedrich+ Schulleitung

Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 9 / 2017

Eltern und Schule – Beziehungskiste

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 5-10