Kerstin Wohne

Geflüchtete beim Übergang in den Beruf unterstützen

Kerstin Wohne

Antworten aus der SchlaU-Schule München

Schule leiten: Bevor es zur Nachbetreuung kommt, muss es ja erst einmal zum Ausbildungsvertrag kommen. Davor steht die Berufsorientierung. Wie sieht sie bei Ihnen aus?
Antwort: Bereits während der Schulzeit lernen die Schüler verschiedene Berufe und Unternehmen kennen, sowohl im AWT-Unterricht (Arbeit, Wirtschaft, Technik), als auch im Rahmen einer Berufsorientierungswoche und Pflichtpraktika. Lehrkräfte und Sozialpädagogen unterstützen die Schüler beim Verfassen von Lebensläufen und Bewerbungsschreiben und bei der Praktikums- und Ausbildungsplatzsuche. Außerdem vernetzen wir die Schüler mit Ehemaligen, die ihre Erfahrungen im Betrieb und in der Berufsschule weitergeben.
Schule leiten: Warum ist eine (Nach-)Betreuung junger Geflüchteter in der Ausbildung denn notwendig?
Antwort: Im Ausbildungsbetrieb kommen sie meist schnell sehr gut zurecht, insbesondere bei Mittelständlern. Der Besuch der Berufsschule oder weiterführender Schulen stellt dagegen für viele eine echte Herausforderung dar: Oft sind sie in ihrer Klasse (zum ersten Mal) die einzigen Nicht-Muttersprachler, verlangt werden nicht mehr nur allgemeine Deutschkenntnisse, sondern Bildungs- und Fachsprache, die Klassen sind deutlich größer als bei SchlaU, die Lehrer haben weniger Zeit, um auf Nachfragen Einzelner eingehen zu können. Und dann kommt oft noch Bayerisch als die weitere „Fremdsprache dazu
In vielen Fällen bedarf es aber auch Unterstützung, um überhaupt eine Ausbildung machen zu können. Spätestens mit dem 21. Lebensjahr endet die Jugendhilfe, da ist die Unterstützung unserer Sozialpädagogen, z.B. für die Sicherung des Lebensunterhalts, ganz besonders wichtig.
Schule leiten: Wie sieht die Nachbetreuung bei Ihnen konkret aus?
Antwort: Im Rahmen des Programms „SchlaUzubi bieten wir sowohl eine schulisch-fachliche Betreuung als auch psychosoziale Unterstützung. Das Angebot ist bedarfsorientiert, d.h. die Teilnahme ist für die ehemaligen Schülerinnen und Schüler freiwillig. Manche kommen regelmäßig z.B. einmal pro Woche zur Nachhilfe, andere nur punktuell, etwa um ein Referat vorzubereiten oder vor wichtigen Prüfungen. Auch die Lerninhalte geben die Schüler vor, meist bringen sie Materialien aus der Berufsschule mit, die dann gemeinsam, sprachlich vereinfacht, vor- oder nachbereitet werden. Was unsere Lehrenden aufgrund beschränkter zeitlicher oder fachlicher Ressourcen nicht abdecken können, erfolgt mit der Unterstützung zahlreicher Ehrenamtlicher. Das Programm wird sehr rege besucht. Wir würden uns wünschen, dass die Teilnahme für unsere Schüler nicht nur nach einem langen Arbeits- oder Berufsschultag möglich ist. Immer mehr Ausbildungsbetriebe erkennen aber bereits die Notwendigkeit einer zusätzlichen schulisch-fachlichen Betreuung für den erfolgreichen Abschluss der Ausbildung und unterstützen ihre Azubis, indem sie ihnen den Besuch der Nachhilfe im Rahmen der Arbeitszeit ermöglichen.
Schule leiten: Welche Erfahrungen haben Sie mit der Übergangsbegleitung gemacht?
Antwort: An der SchlaU-Schule haben wir eine enorm heterogene Schülerschaft und so auch nach dem Schulabschluss. Die beruflichen und Lebenswege unserer Ehemaligen sind sehr unterschiedlich sowie auch ihre (Unterstützungs-)Bedarfe während der Ausbildung. Die individuelle, bedarfsorientierte Form der Betreuung hat sich daher für uns sehr bewährt.
Schule leiten: Welche personellen und finanziellen Ressourcen gibt es für das Nachbetreuungsprogramm?
Antwort: Derzeit begleitet ÜSB etwa 100 Jugendliche und besteht aus vier vollen Stellen, aufgeteilt auf Lehrende, Schulsozialpädagogen und eine Fachbereichsleitung. Finanziert wird das Programm von der Landeshauptstadt München, von privaten Stiftungen und Spendern. Hinzu kommt die Unterstützung zahlreicher ehrenamtlicher Nachhilfelehrerinnen und -lehrer.
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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 8 / 2017

Übergänge – Mind the gap!

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 10-10