Neriman Aksoy, Sybille Stöbe-Blossey

Familienzentren an Grundschulen

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) besucht 2018 ein Familienzentrum. Diese Zentren bieten neben Bildung für Kinder auch solche für Eltern und sollen diese mit dem Bildungssystem vertraut machen, sodass sie ihre Kinder unterstützen können.
Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) besucht 2018 ein Familienzentrum. Diese Zentren bieten neben Bildung für Kinder auch solche für Eltern und sollen diese mit dem Bildungssystem vertraut machen, sodass sie ihre Kinder unterstützen können., © picture-alliance / dpa / Boris Roessler

Neriman Aksoy, Sybille Stöbe-Blossey

Abbau von Bildungsbenachteiligung über Elternstärkung

In Nordrhein-Westfalen sollen Familienzentren an Grundschulen Eltern fortbilden und stärken, um letztlich Bildungsbenachteiligung der Kinder verringern. Die Stadt Gelsenkirchen hat seit 2015 ein Modellprojekt, für das bereits eine Evaluation vorliegt.

Familienzentren an Grundschulen wollen Organisationen der sozialen Infrastruktur (z.B. aus der Kinder- und Jugendhilfe) und Partner aus der Zivilgesellschaft (z.B. Initiativen und Vereine im Quartier) unterstützend in die schulische Arbeit integrieren und Kinder und ihre Familien mit Förderangeboten niederschwellig und ohne Stigmatisierung erreichen. Ziel ist es, die Förderung von Kindern mit einer Stärkung von Eltern zu verbinden, um in gemeinsamer Verantwortung von Eltern und Schule den Kindern eine chancengerechte Bildungsbeteiligung zu ermöglichen.
Familienzentren in NRW
Begrifflich und inhaltlich schließen Familienzentren an Grundschulen an das nordrhein-westfälische Programm der Weiterentwicklung von Kindertageseinrichtungen zu Familienzentren an: KiTa-Familienzentren bieten neben der Bildung, Erziehung und Betreuung der Kinder ein sozialraumorientiertes Angebot von Familienbildung und -beratung und sorgen für einen niederschwelligen Zugang zu unterschiedlichen Unterstützungsleistungen. Zentrale Merkmale sind Familien-, Sozialraum- und Kooperationsorientierung. Die Einhaltung bestimmter Standards für Angebot und Organisation wird nach einem Gütesiegel zertifiziert, das gleichzeitig als Orientierungsrahmen für den Aufbau neuer Familienzentren dient.
Als erste Kommune in Nordrhein-Westfalen hat die Stadt Gelsenkirchen seit dem Schuljahr 2014/15 mit Förderung der Wübben Stiftung Familienzentren an Grundschulen eingerichtet, um die Präventionskette nach dem Ende der Kindergartenzeit fortzusetzen und Schulen vor allem in benachteiligten Sozialräumen bei der Förderung und Begleitung von Kindern und Familien zu unterstützen. Jedes schulische Familienzentrum verfügt über eine halbe Fachkraftstelle, wird von einer städtischen Koordinierungsstelle begleitet und entwickelt ein vielfältiges, an die Bedingungen vor Ort angepasstes Leistungsspektrum. Dieses umfasst Information und Beratung, bspw. zur besseren Vorbereitung auf die weiterführenden Schule, und niederschwellige Bildungsangebote wie Näh- oder Kochkurse und gemeinsame Freizeitaktivitäten für Eltern und Kinder. Ergebnisse einer Evaluation (Born et al. 2019) deuten darauf hin, dass dieses Konzept Potenziale für den Abbau herkunftsbedingter Bildungsbenachteiligung bietet vor allem dadurch, dass es sowohl am schulischen als auch am familiären Kontext ansetzt.
Das Gelsenkirchener Modell: Familienzentren in Grundschulen
Das Gelsenkirchener Modell: Familienzentren in Grundschulen
In Nordrhein-Westfalen sollen Familienzentren an Grundschulen Eltern fortbilden und stärken, um letztlich Bildungsbenachteiligung der Kinder aufzuheben. In den folgenden Beiträgen wird über Grundlagen und Evaluationsergebnisse und über ein seit 2015 laufendes Modellprojekt  berichtet.
Wie alles anfing
Familienzentren in den Kindertageseinrichtungen bieten seit 2006 erfolgreich bedarfsgerechte Beratung und Familienbildung vor Ort für Kinder und Eltern an. Die Stadt Gelsenkirchen entschied sich auf der Grundlage des Erfolgsmodells, die Familienzentren in Grundschulen zu erproben.
Zum Schuljahr 2014/2015 richtete Gelsenkirchen als erste Kommune ein Familienzentrum in einer Grundschule in Kooperation mit einem freien Träger mit kommunalen Mitteln ein.
Pilotprojekt 2015 – 2019
Im Rahmen einer Entwicklungspartnerschaft mit der Wübben Stiftung, Düsseldorf, wurde das Pilotprojekt von 2015 bis 2019 gefördert. Sechs Familienzentren in Grundschulen wurden sukzessiv aufgebaut.
Nachhaltige Umsetzung ab 2020
Seit dem 1. Januar 2020 werden die sechs Familienzentren in Grundschulen sowie eine Stelle zur kommunalen...

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Fakten zum Artikel
aus: Lernende Schule Nr. 92 / 2020

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