Ressourcenbezug, Wertschätzung und Lösungsorientierung

Elternberatung durch Schulsozialarbeiter

Schulsozialarbeiter und Schulsozialarbeiterinnen leisten Beratung in Erziehungsfragen und tragen so zur allgemeinen Förderung der Erziehung in den Familien bei. Sie unterstützen Eltern und Lehrkräfte, vermitteln bei Konflikten zwischen Eltern und Lehrern oder zwischen Lehrern und Schülern. Die Elternberatung gehört zu den großen Herausforderungen, denn die meisten Beratungsanlässe sind durch Probleme und akute Krisen gekennzeichnet. Dabei ist die Hilfestellung durch den Schulsozialarbeiter ein eher niederschwelliges Angebot für die unterschiedlichen Themen und Fragen der Eltern.

Mutter und Sohn im Gespräch
Elternberatung durch Sozialarbeiter. Foto: © Africa Studio/Shutterstock.com

Konkrete Anlässe für eine Elternberatung

Der erste Impuls geht oft von einer Lehrkraft aus, die Probleme im Leistungs- und/oder Verhaltensbereich eines Schülers oder einer Schülerin feststellt, dies den Eltern mitteilt und ein Gespräch bei der Schulsozialarbeiterin vorschlägt. Es kann jedoch auch vorkommen, dass die Eltern „den Stein ins Rollen bringen“.

Erstkontakt

Im Erstkontakt werden die Problembereiche differenziert herausgearbeitet. Diese können im Großen und Ganzen unterschieden werden in:

  • schulische Probleme im Sinne von Lern- und Leistungsprob­lemen;
  • sozioemotionale Probleme, wie z. B. Konflikte zwischen einzelnen Schülern, Mobbing, Stören des Unterrichts, Selbstwertprobleme, ängstliches Verhalten;
  • familiäre Krisen, z.B. Trennung/Scheidung der Eltern, Arbeitslosigkeit eines oder beider Elternteile, massive Eltern–Kind-Konflikte und Konflikte zwischen Schule/Lehrkräften und Elternhaus;
  • dissoziales Verhalten eines Schülers bzw. einer Schülerin außerhalb der Schule und der Familie wie problematische Peer-Beziehungen oder Konsum von Alkohol und anderen Drogen.

Selbstverständlich stehen diese Themen z. T. auch in einem Wechselwirkungsverhältnis, bedingen sich gegenseitig und müssen in diesen komplexen Abhängigkeiten so auch wahrgenommen werden, um erfolgversprechende Lösungsansätze zu entwickeln.

Als Beispiel sei hier das im Unterricht häufig geistig abwesende, unkonzentrierte Kind genannt, das auch nicht selten seine Hausaufgaben „vergisst“. Im Elterngespräch stellt sich heraus, dass aktuell die Trennung der Eltern zu verarbeiten ist und das Kind zusätzlich in einem heftigen Loyalitätskonflikt steht.

Den familiären Hintergrund zu kennen, ist wesentlich für ein Verständnis des kindlichen Verhaltens und er ist bei der Suche nach Lösungsansätzen entsprechend einzubeziehen.

Zeitschrift
Schule leiten Nr. 9/2017 Eltern und Schule – Beziehungskiste

Eltern und Lehrkräfte haben mit denselben Kindern und Jugendlichen zu tun. Sie sind gehalten, eine „Erziehungspartnerschaft“ zu deren Wohl zu pflegen.

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Weiteres Vorgehen

Deutlich werden sollte, welche ineinander verwobenen Fragestellungen aufgeworfen werden, die nicht in jedem Fall vom Schulsozialarbeiter allein beantwortet werden können. Deshalb ist die Vernetzung und Kooperation mit anderen Fachstellen von elementarer Wichtigkeit. Ich denke dabei an die Empfehlung, das Kind beim Kinder-/Jugendlichenpsychotherapeuten vorzustellen oder das Jugendamt einzubeziehen. Auch die Mithilfe einer Erziehungsberatungsstelle ist oftmals angezeigt.

Der Schulsozialarbeiter die Schulsozialarbeiterin ist meist der/die erste Ansprechpartner/in, der mit den Eltern Lösungsideen kreiert und zusätzliche Helfer mit „ins Boot“ holt. Auch deshalb kommt dieser möglicherweise ersten Beratungserfahrung der Mütter und Väter eine solch große Bedeutung zu, weil es unter Umständen davon abhängt, ob diese weitere erforderliche Unterstützungsangebote in Anspruch nehmen.

Abschließend sei hier zur Orientierung der musterhafte Ablauf eines Beratungsgesprächs vorgestellt (s. Kasten).

Ablauf eines Beratungsgesprächs

1. Warming-up-Phase

Ich halte eine herzliche Begrüßung, in der ich den Eltern vermittle, dass sie willkommen sind, für sehr wichtig. Auch erkundige ich mich, ob sie eine angenehme Fahrt hatten, ob sie sich einen Tag frei genommen haben usw. Damit signalisiere ich mein Inte­resse für sie und ihr Wohlergehen.

2. Problembeschreibung

Nach dieser ersten Kontaktaufnahme, in der einige grundsätzliche Bedingungen, z. B. respektvoller Umgang und zeitlicher Rahmen, skizziert werden, soll das Thema des Gesprächs formuliert werden. Dazu dienen Fragen wie:

  • Wer hat welches Problem?
  • Wie gehen Sie aktuell damit um, welche Lösungsversuche wurden schon ausprobiert?
  • Was war dabei erfolgreich?
  • Wie erklären Sie sich die Entstehung des Problems?

3. Auftragsklärung/Zielbestimmung

Im nächsten Schritt kann geklärt werden, welche Ziele erreicht werden sollen, ob es unterschiedliche Zielvorstellungen gibt, welche Erwartungen mit dem heutigen Gespräch verbunden sind und welche Veränderungen angestrebt werden sollen. Eine möglichst genaue Zieldefinition impliziert mög­licherweise bereits erste Lösungsideen.

4. Vereinbarungen treffen

So können schließlich Vereinbarungen konkretisiert werden, wer bis zum nächsten Treffen welche Aufgaben übernimmt.

5. Ende des Gesprächs/Verabschiedung

Bevor der nächste Termin festgelegt wird, sollte jeder Teilnehmer in einem kurzen Blitzlicht seine Eindrücke und seine Befindlichkeit nochmals kurz reflektieren. Eine positive Abrundung durch den Berater beendet das Gespräch.


Literatur: Rogers, C. R. (1987): Die nicht-direktive Beratung. Frankfurt a. M.


Jahresheft
Friedrich Jahresheft 2017 Eltern

Dieses Heft zeigt, wie spannend die Arbeit mit Eltern sein kann. Es weist auf Fallstricke hin und beschreibt, was zum beiderseitigen Nutzen zu beachten ist.

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