Gottfried Jäger

Elternberatung aus Sicht eines Schulsozialarbeiters

Gottfried Jäger

Ressourcenbezug, Wertschätzung und Lösungsorientierung

Grundhaltung gegenüber Eltern
In diesem Beitrag gehe ich der Frage nach, wie Beratungsgespräche mit Eltern im Kontext Schule geführt werden können. Dazu möchte ich einleitend die wesentlichen Grundhaltungen der von mir praktizierten Beratungsarbeit darstellen. Zum besseren Verständnis sei noch hinzugefügt, dass ich stark von Carl R. Rogers nicht-direktiver Gesprächsführung (Rogers 1985) sowie zunehmend vom systemisch-konstruktivistischen Ansatz geprägt bin. Sowohl bei Rogers wie auch in der systemischen Beratung geht man von einem Menschenbild aus, das in erster Linie durch drei Aspekte gekennzeichnet ist:
1. Erstens hat jeder Mensch die Tendenz in sich, zu wachsen, sich zu entwickeln und Teil einer Gemeinschaft zu sein. Jegliches Verhalten eines Menschen ist darauf ausgerichtet, diese Ziele zu erreichen.
2. Zweitens ist jedes Verhalten, auch wenn es von der Gesellschaft als gestört, verrückt oder krank angesehen wird, der Versuch, ein vorhandenes Problem zu lösen.
3. Und schließlich besagt die dritte Maxime, dass jeder Mensch lernen kann, seine positiven und konstruktiven Kräfte zur Entfaltung zu bringen.
Ausgehend von diesem Menschenbild, lässt sich für die Eltern von Schülerinnen und Schülern schlussfolgern, dass sie versuchen, ihren Kindern beizustehen und sie bestmöglich zu unterstützen, auch wenn das nicht immer gelingt.
Jeder Mensch kann lernen, sein (Fehl-)Verhalten zu korrigieren und gleichzeitig seine besten Eigenschaften einzusetzen. Das wiederum bedeutet in seiner Konsequenz, dass jeder Mensch fähig ist, seine Probleme zu lösen. Diese als Ressourcenorientierung bezeichnete Grundhaltung besagt, dass Ratsuchende, in meinem Fall Eltern, die „Experten ihrer Probleme sind. Sie besitzen bereits alle Fähigkeiten, ihre Probleme zu lösen, der Berater muss ihnen „nur dabei helfen, diese Kompetenzen ins Bewusstsein zu bringen und sie somit anwendbar zu machen.
Grundlegend für meine Beraterhaltung ist des Weiteren die Wertschätzung der Elternpersönlichkeit. Wertschätzung für ihre Person und ihre Problemlösungsversuche vermitteln den Eltern, dass ich sie ernst nehme, annehme mit all ihren Schwächen und Defiziten und dass ich sie für fähig halte, ihr Leben selbstständig zu gestalten.
Wertschätzung bringt meinen Respekt zum Ausdruck und schafft Vertrauen.
Ich habe große Achtung davor, mit welcher Beharrlichkeit, mit welcher Kraft und mit welchem Mut Eltern sich für ihre Kinder einsetzen und schützend vor sie stellen. Gerade in problematischen Momenten gilt es, ihnen dies ins Bewusstsein zu bringen, um neue Sichtweisen zu eröffnen und verschüttete Ressourcen zu aktivieren.
Als dritten wichtigen Baustein meiner Beratungspraxis erachte ich das lösungsorientierte Vorgehen. Den Fokus weg vom Problem und hin zur Lösung schafft neue Perspektiven und alternative Lösungswege. Dies bedeutet, nicht in erster Linie nach den Ursachen eines Problems zu suchen, sondern den Blick nach vorn zu richten und nach neuen Handlungsmöglichkeiten Ausschau zu halten.
Mit den drei Grundsätzen Ressourcenorientierung, Wertschätzung und Lösungsorientierung ist der Rahmen meiner beraterischen Haltung und meines Vorgehens abgesteckt. Professionelle Beratung verwendet freilich noch eine Vielzahl verschiedener Methoden mit speziellen Interventionen und Fragetechniken. Sie sind der „Königsweg in die Welt des Anderen. Insbesondere mit systemischen Fragen ist man dazu in der Lage, an den Ressourcen und Stärken des Gegenübers anzudocken. Hypothetische Fragen beispielsweise beschäftigen sich mit der Vorstellung, „was wäre, wenn das Problem plötzlich gelöst wäre. Derartige Gedankenexperimente eröffnen ebenfalls den Blick auf neue Lösungswege und setzen kreative Energie frei.
Zusammenfassend sei gesagt: Eine konsequente Handhabung der beschriebenen Grundhaltungen, gepaart mit der Bereitschaft, sich selbst als Berater stets zu reflektieren, stellen ein solides...

Friedrich+ Schulleitung

Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Jetzt weiterlesen mit Friedrich+ Schulleitung!

  • Digitaler Vollzugriff auf die Inhalte der Zeitschriften Schule leiten oder Lernende Schule
  • Umfassendes Archiv mit über 550 Beiträgen für die Leitung und Weiterentwicklung Ihrer Schule, mit Checklisten, Bildmaterial, Methodenkarten, u. v. m.
  • Jährlich über 100 neue Beiträge, darunter umfassende Materialien für die schulinterne Fortbildung

30 Tage kostenlos testen

Mehr Informationen zu Friedrich+ Schulleitung

Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 9 / 2017

Eltern und Schule – Beziehungskiste

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13