Wolfgang Volkmer, Kevin Zech

Eltern eine Brücke bauen

Wolfgang Volkmer, Kevin Zech

Interkulturell sensible Arbeit mit Müttern und Vätern

Im Mittelpunkt einer gelingenden Elternarbeit an Schulen liegt die Gestaltung der sogenannten Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen Familie und Schule. Im Fokus dieser Partnerschaft liegen vor allem das Kindeswohl und die Entwicklung des Kindes. Damit prägt Elternarbeit die Bildungsbiografie aller Kinder in entscheidender Weise mit.
Dem Bildungssystem gelingt es noch immer nicht, Schülerinnen und Schülern mit Migrationsgeschichte eine angemessene Bildungsteilhabe zu ermöglichen (vgl. Dirim & Mecheril 2010, S. 121). Hinter dieser Tatsache verbirgt sich eine Vielzahl von außer- und innerschulischen Gründen. Eines von vielen Problemfeldern stellt die Kooperation von Schule mit Migrantenfamilien dar. In diesem Zusammenhang werden häufig drei Facetten diskutiert, die an sich nicht problematisch für die Schule sein dürfen: der sozioökonomische Status, die Sprache sowie die kulturelle Orientierung von Migrationsfamilien. In diesen drei Bereichen zeigt sich jedoch jeweils, dass die familiär spezifischen Ressourcen von Schulen nur unzureichend anerkannt und im Schulalltag beachtet werden (vgl. Dirim & Mecheril 2010, S. 125).
Insgesamt betrachtet entsteht so ein „Resonanz-Problem zwischen Migrationsfamilien und Schule, mündend in der Unterstellung, dass es Migrationsfamilien gänzlich an bildungsrelevanten Ressourcen mangeln würde. Dabei wird jedoch verkannt, dass die Passung zwischen den schulischen Anforderungen und den familiären Mitteln unzureichend ist. „Erfolgreich sind somit nur die Familien, die auch den Normalitätserwartungen deutscher Schulen entsprechen und das sind in der Mehrheit Familien ohne Migrationshintergrund (ebd.).
Provokant lässt sich formulierten, dass deutsche Familien wissen, wie deutsche Schulen funktionieren und Zuwandererfamilien dieses Kontextwissen nicht haben und deswegen eher ausgeschlossen werden. Aus Teilhabegesichtspunkten ist die institutionelle Diskriminierung von Migrationsfamilien durch Schulen untragbar.
Häufig findet diese Form der Diskriminierung unbewusst und unbeabsichtigt statt (vgl. Dirim & Mecheril 2010, S. 132 f.). Dieser Umstand hat sich auch seit der gemeinsamen Erklärung der Kultusministerkonferenz und den Organisationen von Menschen mit Migrationshintergrund aus dem Jahr 2013 zur Bildungs- und Erziehungspartnerschaft von Schule und Eltern nicht grundlegend geändert (vgl. KMK 2013). Deutlich wird jedoch, dass das Thema Elternarbeit mit Migrationsfamilien ein problematisch empfundenes Thema für viele Schulen ist und Migrationsfamilien schulische Teilhabemöglichkeiten aufgrund von Resonanzproblemen nicht in Anspruch nehmen können. Aus diesem Zusammenhang ergibt sich die Frage, wie interkulturelle Elternarbeit in der Schule gestaltet werden kann, um die vorhandenen Ressourcen von Migrationsfamilien im schulischen Kontext anerkennen und nutzen zu können.
Als pädagogisch relevante Kategorien für Interventionen innerhalb von Schule haben sich die Bereiche Sprache und kulturelle Orientierungen erwiesen.
Sprache
Professionalität im interkulturellen Kontext bedeutet, dass Lehrer und Lehrerinnen als Kommunikationsprofis variabel auf die jeweilige Familienkultur und ihre Kommunikationsmuster eingehen. Sie benötigen dafür nicht nur eine vorurteilsbewusste Haltung, sondern auch interkulturell sensible Kommunikationsstrategien. Darunter zählt Wissen über die kulturellen Anteile von Kommunikation, z.B. direkte und indirekte Kommunikationsstile oder das Verständnis von Nähe und Distanz. Auch die Bedeutung von „gesichtswahrender Kommunikation wird hierzulande häufig unterschätzt, da beispielsweise direkte Kritik nicht überall so positiv besetzt ist wie in Deutschland. Ganz schnell können durch Unkenntnis von kommunikativen Unterschieden die fragilen Brücken zwischen Familien und Lehrkräften bröckeln und zu Ablehnung oder Missverständnissen führen. Letztlich bleiben...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 9 / 2017

Eltern und Schule – Beziehungskiste

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