Stefan Kleinod

Vom Amateur zum Profi

Stefan Kleinod

Interview mit Uli Hoeneß zur Begleitung von Fußballern

Übergänge finden nicht nur in der Schule statt. Gerade im Profisport werden Übergänge intensiv begleitet. Schule leiten hat sich mit Uli Hoeneß getroffen, um von ihm zu erfahren, wie sein Verein, der FC Bayern München, für die jungen Fußballer den Übergängen in den Profisport beschreibt.
Schule leiten: In der Schule sind Übergänge zum Teil geregelt, nicht im Sport.Wie funktioniert die Nachwuchsarbeit beim FC Bayern?
Uli Hoeneß: Wir haben beim FC Bayern in jeder Altersstufe eine Mannschaft, die leistungsorientiert ausgesucht wird. Wir versuchen dabei, aus dem Umland die besten Jugendspieler aller Altersklassen nach München zu holen.
Schule leiten: Wie wird der Übergang vom Amateur zum Profi beim FC Bayern gestaltet? Gibt es einen speziellen Trainingsaufbau, um talentierte Amateurfußballer in die Profimannschaft zu führen?
Uli Hoeneß: Die Kinder und Jugendlichen werden in den Nachwuchsmannschaften ihrem Alter, ihrer Entwicklung und ihren Fähigkeiten entsprechend gefördert und trainiert, bis sie etwa 17 Jahre alt sind. Dann wird darüber entschieden, ob sie in die Profiabteilung hochgezogen werden können. Dieses Auswahlverfahren zugrunde gelegt, werden den Spielern Verträge für die zweite Mannschaft (U 23) oder das Profiteam angeboten, es gibt natürlich auch Nachwuchsspieler, die den FC Bayern in dieser Situation verlassen.
Schule leiten: Gibt es mental coaches, um die Fußballer psychisch auf den Übergang vorzubereite?
Uli Hoeneß: Es gibt Psychologen, das ist Standard. Allerdings haben wir vor allem ausgezeichnete Trainer, die größtenteils die Fußball-Lehrer-Lizenz besitzen und auch deshalb in der Lage sein müssen, Aufgaben eines Psychologen an erster Stelle zu übernehmen.
Schule leiten: Werden die Spieler auf den Umgang mit der Öffentlichkeit vorbereitet?
Uli Hoeneß: Da gilt learning by doing. Wir bieten keine speziellen Medienkurse an. Wir sind der Meinung, unsere jungen Spieler sollen zunächst ungefiltert Erfahrungen mit den Medien sammeln. Sie können im Umgang mit Medien auch Fehler machen, aber möglichst nicht zweimal.
Schule leiten: Gibt es Unterstützung für Vertragsabschlüsse und im Umgang mit den für die jungen Sportler möglicherweise hohen Gehältern?
Uli Hoeneß: Die Spieler haben leider Gottes schon in jungen Jahren eigene Berater. Als Verein tut man sich deshalb schwer, den Eltern und Spielern zu empfehlen, den Start der Laufbahn möglichst selbst zu regeln.
Schule leiten: Gestaltet sich der Übergang individuell oder gibt es ein grundsätzliches Vorgehen?
Uli Hoeneß: Das ist von Fall zu Fall verschieden.
Schule leiten: Werden Spieler auch bei Problemen im Umfeld, etwa mit Arbeitgebern oder Eltern, unterstützt?
Uli Hoeneß: Jeder Spieler kann mit den Verantwortlichen des Vereins bzw. seiner Mannschaft, und hier ist der Trainer der direkte Ansprechpartner, selbstverständlich über alle Fragen des Lebens sprechen.
Schule leiten: Falls es Spieler mit geringen Kenntnissen der deutschen Sprache gibt. Werden diese durch spezielle Maßnahmen (z.B. Sprachkurse) integriert?
Uli Hoeneß: Integration, auch über Sprache, findet ja im Team und im Austausch mit allen Betreuern statt. Außerdem steht den Jugendlichen ein Sprachlehrer zur Verfügung.
Schule leiten: Welche Personen arbeiten bei der Gestaltung des Übergangs vom Amateurlager ins Profilager mit?
Uli Hoeneß: Trainer, Betreuer, die Leitung des Nachwuchsteams und auch der Kaderplaner des Klubs.
Schule leiten: Im Bereich der Schule hat die Aufarbeitung von „Schwächen große Bedeutung. Wie stark wird im Profisport an der Beseitigung von Schwächen gearbeitet?
Uli Hoeneß: Jeder Nachwuchstrainer entwickelt individuelle Übungseinheiten, in denen an den Schwächen des Einzelnen gearbeitet wird.
Schule leiten: Die Arbeit mit Stärken kommt in der Schule oft zu kurz. Wie sieht das im Profisport aus?
Uli Hoeneß: Die Stärken werden in jedem Mannschaftstraining...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 8 / 2017

Übergänge – Mind the gap!

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13