Bewegt besser lernen

Kurze Bewegungspausen im Unterricht erhöhen die Konzentration

Oft stören Kinder den Unterricht durch Unruhe. Doch Ermahnungen helfen meist nicht, denn sie folgen ihrem natürlichen Bewegungsdrang. Den können sich Lehrkräfte zunutze machen und mit Pausen voller Bewegungsspiele und Entspannungsübungen die Konzentrationsfähigkeit wieder steigern. Eine Studie der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe zeigt, dass kurze Bewegungspausen im Fachunterricht die Konzentrationsleistung von Grundschulkindern deutlich verbessern.

Pausen mit Bewegung helfen, besser zu lernen.
Unterrichtsstörungen durch Unruhe? Oft hilft es, dem Bewegungsbedürfnis der Kinder nachzugeben. Pausen mit Bewegungs- und Entspannungsübungen helfen nicht nur der Konzentration, sondern auch dem Gemeinschaftsgefühl in der Klasse. © Dominik Huber / PH Karlsruhe

Kurze Bewegungspausen im Unterricht haben eine positive Wirkung auf die Konzentrationsleistung von Grundschulkindern. Das zeigt eine Studie, die Dr. Anke Hanssen-Doose, Vertretungsprofessorin am Institut für Bewegungserziehung und Sport der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe (PHKA), mit Kindern der Klassen 2 bis 4 durchgeführt hat. „Kurze Bewegungspausen im Fachunterricht zur Steigerung der Konzentration“ ist seit Langem die erste Studie in Deutschland, die sich empirisch mit der Wirksamkeit von kurzen Bewegungspausen bei Grundschulkindern beschäftigt.

Fünfminütige Bewegungspausen im Unterricht

Evaluiert wurden rund 130 Schülerinnen und Schüler, die möglichst in jeder Schulstunde – angeleitet von ihren Lehrkräften – Bewegungspausen von maximal fünf Minuten durchführen sollten. Die Mädchen und Jungen sangen und bewegten sich, klatschten und tanzten. Vor und nach der Intervention mit Bewegungspausen wurde die Konzentrationsleistung der Kinder gemessen und mit Klassen verglichen, in denen keine Bewegungspausen stattgefunden hatten.

„Tausende Male werden Schülerinnen und Schüler ermahnt, aufmerksam zu sein, ruhig zu sein, nicht zu stören. Aber Hilfe, wie sie das machen sollen, bekommen sie selten. Ein konkretes Angebot, wie Kinder ihre zunehmende körperliche Unruhe regulieren können, sind Bewegungspausen“, sagt Hanssen-Doose. Sie empfiehlt eine schülerorientierte Mischung aus

  • Bewegungsspielen,
  • Bewegungspausen mit Musik und lustigen Texten
  • sowie Entspannungspausen.

Sowohl bei den an der Studie beteiligten Lehrkräften als auch bei den Schülerinnen und Schülern seien die Bewegungspausen sehr gut angekommen. „Die Kinder sind begeistert“, sagt Hanssen-Doose.

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Bewegungsbedürfnis für das Lernen nutzen

Insgesamt 68 kurze Bewegungspausen für besseres und konzentriertes Lernen hat die Wissenschaftlerin zusammen mit drei Co-Autorinnen im Praxishandbuch „Kurze Bewegungspausen in der Grundschule“ zusammengestellt. Erprobt und auf ihre Wirksamkeit hin untersucht wurden die Bewegungspausen mit Kindern und Lehrkräften im Rahmen des Seminars „Bewegte Schule“ an der PH Karlsruhe sowie mit Unterstützung von Kooperationsschulen. An einen Theorieteil mit Zusammenfassung des Forschungsstandes sowie allgemeine Tipps zur Durchführung von Bewegungspausen schließen sich Bewegungslieder, Tänze und Rhythmusaufgaben, Bewegungsspiele und -aufgaben sowie Entspannungspausen an. Für den Einstieg und für Fortgeschrittene, mit allen Liedtexten sowie Hinweisen zur Durchführung.

Besseres und konzentrierteres Lernen

„Wir sollten das Bewegungsbedürfnis der Kinder nicht als Störfaktor sehen, sondern als Gelingensfaktor für das Lernen einsetzen!“  Dr. Anke Hanssen-Doose plädiert dafür, mehr kurze Bewegungspausen in den Fachunterricht zu integrieren. Denn sie ermöglichen ein besseres und konzentrierteres Lernen sowie ein besseres Miteinander im Klassenzimmer.

Kleine Spiele für die Bewegungspause

Das Minutenspiel

Die Schülerinnen und Schüler sitzen an ihren Plätzen und nehmen eine entspannte Haltung ein. Am besten ist es, wenn sie ihren Kopf auf den verschränkten Armen auf dem Tisch ablegen und dabei ihre Augen schließen.

Die Kinder haben die Aufgabe, nach einem Zeichen der Lehrkraft eine Minute lang schweigend und still abzuwarten. Wenn ein Kind glaubt, die Minute sei um, soll es sich aufrichten und ruhig nach hinten an den Stuhl lehnen. Die Lehrkraft vermerkt, nach wie vielen Sekunden die Schüler und Schülerinnen diese angenehme Haltung eingenommen haben.

Nach etwa anderthalb Minuten wird die Übung beendet. Die Lehrperson gibt nun die Ergebnisse bekannt, wer am nächsten an der Minute dran war. Ein Wiederholungsdurchgang ist möglich. Dieses Spiel gehört zu denen, die in kleinen Pausen einer Doppelstunde zum Entspannen und Beruhigen genutzt werden können.

Zappelphillip

Wildes Zappeln, das auf das Signal eingefroren wird.

Die Kinder werden aufgefordert aufzustehen. Auf das Signal „Zappel!“ dürfen alle Kinder ganz wild mit dem Körper zappeln. Wenn der Lehrer laut „Phillip!“ ruft, müssen sie in der Position, in der sie sich gerade befinden, verharren und einfrieren. Dieses Spiel sollte mehrmals wiederholt werden.

Das Spiel ist dazu geeignet, am Ende der Stunde zu entsoannen und um die Kinder zu beruhigen: Die „eingefrorenen“ Kinder sollen die Augen schließen, dann ganz langsam das rechte Bein locker lassen und auf den Boden stellen, dann das linke Bein, den rechten Arm und den linken Arm, bis sie normal und entspannt stehen.

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Hanssen-Doose, A., Handtmann, C., Opper, E., Worth, A. (2019): Kurze Bewegungspausen in der Grundschule. Schorndorf.

Fakten zum Artikel
  • Thema: Organisation & Gestaltung
  • Autor/in: Regina Schneider (Pressereferentin Pädagogische Hochschule Karlsruhe)/Redaktion

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