Tjark Ommen

Berufsorientierung nach dem „Schwarmstedter Modell“

Tjark Ommen

Im Praktikum „studieren probieren

Seit vielen Jahren wird an der Kooperativen Gesamtschule (KGS) in Neustadt das „Neustädter Modell durchgeführt. Es entstand aus der Situation heraus, dass eine Berufsorientierung für die Hauptschülerinnen und Hauptschüler dringend notwendig wurde. Man wollte damals jungen Menschen ermöglichen zu erleben, wie ein Berufsalltag aussieht und was sie bei einer Ausbildung erwartet. Bis zu dem Zeitpunkt wurden lediglich Praktika durchgeführt. Diese hatten jedoch den Nachteil, dass sie nur ein ganz kurzes Blitzlicht auf einen Beruf werfen. Das Neustädter Modell hingegen vermittelt den Jugendlichen durch die duale Beschulung in Berufsschule und Allgemeinbildende Schule einen wirklichen und nachhaltigen Einblick in die Ausbildung und das Berufsleben. Man erlebt die berufliche Welt. Als Mitinitiator, der inzwischen die Schule gewechselt hat, war mir dieses Übergangsmanagement im Hinterkopf geblieben.
Abitur, doch keinen Schimmer vom Studium
Harter Schnitt. Gespräch mit einer ehemaligen Abiturientin, die in einem amerikanischen Schnellrestaurant jobbt. „Warum arbeitest du hier? Du wolltest doch studieren. Du hast doch ein Abitur mit einer Eins vor dem Komma. Antwort: „Ja, aber irgendwie habe ich keine Ahnung, was ich werden soll, also arbeite ich erstmal hier und verdiene ein bisschen Geld. Es ist halt ein Job.
Noch ein Schnitt. Ehemaligentreffen mit Abiturientinnen und Abiturienten, die vor zwei Jahren ihr Abitur an der KGS Schwarmstedt abgelegt haben. Frage: „Und, was machst du jetzt? Antwort: „Ich weiß es auch nicht, habe mein Studium abgebrochen.Ich wusste nicht, dass man in Psychologie so viel Mathe braucht.
Diese zwei Szenen sind wirklich passiert und sind exemplarisch. Nicht nur die Haupt- und Realschülerinnen und -schüler wissen nicht, was aus ihnen werden soll. Es geht den Jugendlichen nach dem Abitur ganz genauso. Warum ist das so? Diese Frage stellten wir uns in unserer Schulleitungsrunde. Sind wir unserer Aufgabe wirklich nachgekommen, wenn wir top ausgebildete, doch desorientierte Abiturientinnen und Abiturienten in die Lebenswirklichkeit entlassen? Wir beantworteten die Frage für uns mit einem klaren Nein.
Wir als Schulen müssen mehr tun. Es reicht nicht, dass wir Jugendlichen die Reifeprüfung abnehmen. Es reicht nicht, dass wir sie für irgendein Studium bereit machen. Wir müssen sie auch begleiten bei der Entscheidung, welches Studium das richtige sein könnte. Auch die Frage, ob überhaupt ein Studium oder eine Ausbildung angegangen werden sollte, muss geklärt werden. Wenn wir es nicht tun, wer tut es dann? Wenn wir nicht Motivation und Orientierung bieten, wer tut es dann? Nur weil diese jungen Erwachsenen das Abitur haben, sind sie nicht lebenserfahrener. Was passiert, wenn sie aus einem Elternhaus stammen, das keine Verbindung zum Studium hat? Verlieren wir dann potenzielle Studierende, nur weil die Eltern nicht umfassend beraten? Was, wenn es andersherum ist? Wenn Eltern ein Studium erwarten, aber das Kind möchte lieber eine Ausbildung? Wir an der Schule sind diejenigen, die die jungen Menschen neben dem Elternhaus am besten kennen. Wir sollten dafür sorgen, dass eine Orientierung möglich ist umfassend und sowohl Ausbildung als auch Universität einbeziehend.
Übergangsgestaltung als Teil des Bildungsauftrags
Für den Bereich Ausbildung und Beruf gibt es schon viele Initiativen und viele tolle Ideen. Für den Bereich Universität und Studium gab es kaum Ansätze. Es gibt Universitätstage, Hochschulinformationsveranstaltungen, u.v.m. Aber es gibt einen wesentlichen Kritikpunkt an all diesen Maßnahmen: Die Schülerinnen und Schüler erleben die Universität nicht. Sie nehmen Flyer mit, sammeln Kulis ein und hören hier und da, wie ein Studium funktioniert. Sie leben es aber nicht.
Unsere Frage war nun: „Kann man das Neustädter Modell auf die Universität und ein Studium übertragen? Ist es möglich, Universität innerhalb der Schulzeit zu...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 8 / 2017

Übergänge – Mind the gap!

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