Gabriela Kreter

Auf die Haltung kommt es an!

Gabriela Kreter

Warum schulische Elternarbeit manchmal so schwierig ist

Ende der 1990er Jahre war ich Gründungsmutter der Hammer Elternschule und mein Beweggrund, das Thema Elternarbeit konstruktiv und professionell anzupacken, kam aus verschiedenen Richtungen
Als Lehrerin war ich einige Jahre freigestellt für die Mitarbeit an einer schulischen Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und ratsuchende Eltern berichteten hier vielfach von grässlichen Erlebnissen aus der subjektiv empfundenen „Elternhölle, der Schule ihrer Kinder
Zudem hatte ich ein eigenes Kind in der Schule und konnte somit spektakuläre Erlebnisse mit den Kolleginnen und Kollegen auf der anderen Seite des Tisches ansammeln.
Indem ich zu hinterfragen begann, was die Verständigung zwischen Eltern und Lehrkräften so schwer machte, kam ich mir selber auf die Spur:
  • Hatte ich jemals einen Elternabend in meiner Klasse so akribisch vorbereitet und ausgewertet, wie eine Unterrichtsstunde mit Kindern oder eine Fortbildungsveranstaltung mit Lehrkräften?
  • Hatte ich irgendein Kommunikationsmodell im Kopf, wenn ich an Elternsprechtagen den Anspruch hatte zu „beraten? Hatte ich eigentlich jemals in Ausbildung oder Fortbildung ein Seminar gehabt, das mich fit gemacht hätte für die schulgesetzlich festgelegte Aufgabe „Beratung?
  • Hatte ich als Lehrerin im Kollegenkreis meiner eigenen Schule jemals erfahren, dass man um die Qualität seiner Arbeit fürchten musste, wenn misslingende Elternberatung einen schlechten Eindruck im Außenverhältnis vermittelte?
Dreimal „Nein! ganz klar! Und von hinten nach vorn aufgerollt war es so, dass man aus Sicht der Schule eher blasiert und selbstgerecht miteinander räsonierte, was diesen Eltern eigentlich einfiele „Komplett erziehungsunfähig und wir sollen dafür sorgen, dass das Abitur klappt! „Ich habe Markos Eltern haarklein gesagt, was sie besser machen müssen, die haben mich aber nur verständnislos angeguckt!
Dass „Beratung etwas anderes ist, als subjektiv empfundene Wahrheiten an Mütter und Väter weiterzugeben, versteht man schnell, wenn man sich am Sprechtag selbst in der Elternrolle wiederfindet. Die Schlüsselrolle spielte eine Lehrerin, die meinen Sohn mein geliebtes Herzenskind! schon als „Sorgenkind bezeichnete, bevor sie mich begrüßte, um mir danach aus ihrem Lehrerkalender eine Reihe schlechter Eigenschaften eines 14-Jährigen vorzulesen, der in der Phase war, alles einmal ausprobieren zu müssen, was in seinem Alter „dran ist. Danke sehr, Frau Liebermann, mein Erlebnis mit Ihnen habe ich in unterschiedlichen Kontexten vielfach nachgestellt, dekonstruiert und rekonstruiert: So habe ich schließlich begriffen, dass kein Vater und keine Mutter die Anklagebank zugewiesen haben möchte, wenn die Schule zum Gespräch eingeladen hat.
Unter Lehrkräften und Eltern existiert kein hierarchisches Gefälle. Unsere Begegnungen finden unter Erwachsenen und auf Augenhöhe statt. Dazu passt, dass Elternarbeit, die an der jeweiligen Schule
  • zunächst für notwendig erachtet und in diesem Sinne definiert wird;
  • sodann mit Orientierung am Leitbild gestaltet wird
  • und schließlich nach Diskussion und Beschlussfassung in den demokratischen Gremien mit Darstellung des Begründungszusammenhangs ins Schulprogramm aufgenommen wird.
Was wollen Eltern ?
Eltern wollen nicht alle dasselbe, aber sie akzeptieren die gesetzliche Schulpflicht und erwarten im Gegenzug,
  • dass ihr Kind die bestmögliche Ausbildung erhält, die ihm im Erwachsenenalter vollständige gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht;
  • dass ihr Kind in der Schule „gut aufgehoben ist;
  • dass die angelegten Talente ihres Kindes gefördert werden, um Perspektiven für künftige Berufstätigkeit zu ermöglichen bzw. zu realisieren.
Wie bei ihrem Hausarzt wollen sie der Professionalität ihrer Schulpädagogen vertrauen können, dass der Unterricht fachlich korrekt durchgeführt wird, dass ihr Kind Hilfestellungen erhält, wenn...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 9 / 2017

Eltern und Schule – Beziehungskiste

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13