Johanna Gesang

Alles anders oder doch gleich?

Johanna Gesang

Interviewstudie zu Tätigkeiten von Schulleitungen und Lehrkräften in Corona-Zeiten

Die Beschulungssituation hat sich seit Mitte März 2020 in allen Schulen bundesweit massiv verändert. Plötzlich sehen sich Schüler- wie auch Lehrerschaft veränderten Lernsettings gegenüber, in welchem selbstregulierende Kompetenzen der Lernenden mehr denn je erforderlich werden und das bei teils unzureichender digitaler Ausstattung (forsa 2020). Auch sind vor allem digitale Kompetenzen von Lehrkräften, die bereits in den Jahren zuvor an Bedeutung gewonnen hatten, nun unerlässlich. Zudem gilt es, die Lernenden trotz der Tatsache, dass Leistungen im Homeschooling in vielen Fällen wenig oder gar nicht benotet werden (dürfen), zur Mitarbeit zu motivieren eine Aufgabe, die auch durch reduzierte persönliche Kontakte zu den Schülerinnen und Schülern erschwert wird. In diesem Zusammenhang werden auch die Bedenken, dass Covid-19 womöglich die herkunftsbedingte Benachteiligung weiter verschärfen könnte, immer lauter (Huber et al. 2020). Insgesamt zeigt sich also, dass es zahlreiche Herausforderungen zu meistern gilt, die durch die Pandemie entstanden oder zumindest verschärft wurden.
Gleichzeitig konnten erste empirische Ergebnisse der Lage der vergangenen Monate auch Positives abgewinnen. So zeigen die Ergebnisse der forsa-Umfrage (2020), dass mehr als die Hälfte der befragten Lehrkräfte die ungewöhnliche Situation auch durchaus als Katalysator für Digitalisierungsprozesse an der eigenen Schule betrachten und dass die Zusammenarbeit im Kollegium weitgehend gut verläuft, was angesichts der Umstände nicht selbstverständlich ist. Auch fühlen sich rund drei Viertel der Befragten durch die eigene Schulleitung ausreichend unterstützt, so dass die veränderte Schulsituation auch verdeutlicht, was an Schulen bereits gut läuft.
Dass Schulleitungshandeln bedeutsam und vor allem dort wirkungsvoll ist, wo besonders herausfordernde Situationen zu erkennen sind, konnte in verschiedenen Kontexten belegt werden (z.B. bei Schulen in herausfordernder Lage, vgl. Racherbäumer & van Ackeren 2014). Unklar ist auf der Grundlage des aktuellen Forschungsstandes allerdings, welche Änderungen sich im Handeln von Schulleitungen ergeben, welche Aufgaben neu hinzukommen, welche priorisiert werden und welchen Stellenwert Schulleitungen und Lehrkräfte den „regulären Schulentwicklungsaufgaben beimessen, die unter Normalbedingungen bearbeitet worden wären. Eine aktuelle Interviewstudie ist diesen Fragen nachgegangen.1
Das Kerngeschäft bleibt bestehen
Die befragten Schulleitungen und Lehrkräfte berichten, dass die Bewältigung des schulischen Alltags höchste Priorität hat. Das wichtigste Ziel ist es daher, in Zeiten der Pandemie mit den daraus hervorgehenden Restriktionen dennoch dafür Sorge zu tragen, einen bestmöglichen Unterricht zu gewährleisten. Hierzu zählt zum einen, Wege zu finden, um die Beschulung digital umzusetzen, was teilweise mangels digitaler Ausstattung an den Schulen (kein oder nicht flächendeckendes WLAN, keine Plattformen, keine Mailverteiler mit den Adressen der Schülerschaft etc.), aber auch mangels digitaler Kompetenzen sowohl auf Lehrer- wie auf Schülerseite erschwert wird. Teilweise wird eine gemeinsame App zur Ablage der Arbeitsaufträge für die Lernenden zentral genutzt, die auch die Bearbeitung von Aufgaben nicht nur via PC, sondern auch Tablet oder Smartphone ermöglicht. Auch wurde sich z.T. schulweit auf eine zentrale Lernplattform geeinigt und so können schnelle Hilfen dort, wo sie notwendig sind, geleistet werden.
Auch legen die befragten Schulleitungen großen Wert darauf, einen möglichst intensiven Kontakt zum Kollegium aufrechtzuerhalten und diesen zwischen Lehrer- und Schülerschaft zu stärken. Erreicht wurde dies etwa dadurch, dass die Kollegien dazu angehalten waren, mit den Lernenden in telefonischem Kontakt zu bleiben. Das war auch nötig, weil viele Lernende durch die Berufstätigkeit der Eltern...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 21 / 2020

Herausforderungen – Der ganz normale Wahnsinn

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13