Helmut Lungershausen

Weshalb Schulen Führung benötigen

Helmut Lungershausen

und welche Führung angemessen ist

Man kann eine Schule nicht nicht führen
„Man kann nicht nicht kommunizieren. Diese Feststellung haben die Autoren des Buches „Menschliche Kommunikation, Paul Watzlawick, Janet Beavin und Don Jackson, bereits 1967 getroffen. Analog zu dieser Aussage lässt sich formulieren: „Man kann ein Schule nicht nicht führen. In einer Schule, bei der die Schulleitung auf Führung verzichtet, füllen sehr schnell andere Personen das Führungsvakuum, denn stets sind Führungsansprüche mehr oder weniger offen vorhanden. So kann ein Stellvertreter oder eine Koordinatorin zur „heimlichen Führungsperson der Schule werden, oder die stets vorhandenen „graue Eminenzen, die nicht der Kontrolle durch die schulischen Gremien unterworfen sind, nehmen verstärkt Einfluss. Beides wirkt sich eher ungünstig oder gar destruktiv auf die Entwicklung der Schule aus.
Organisationen von der Größe und Komplexität einer Schule benötigen Führung, um das System zu sichern und am Laufen zu halten. Die Führung muss für einen Interessenausgleich unter den Beteiligten sorgen, das gemeinsame Vorgehen koordinieren, unterstützen und motivieren, aber auch systemfeindliches Verhalten sanktionieren. Ebenso sind eine Vertretung im Außenverhältnis wie eine Organisationsinstanz im Binnenverhältnis erforderlich.
Deshalb stellt sich nicht die Frage, ob die Schule eine Führung benötigt, sondern welche Art von Führung für die Schule angemessen ist.
Rezepte sind veraltet
Das traditionelle Führungsmodell setzte auf eine hierarchische Stufung und ein Autoritätsgefälle zwischen den Führenden und den Geführten. Als demokratische Alternative wurde das partizipative Führungsmodell entworfen, bei dem Mitbestimmung und Teilhabe praktiziert werden sollen. Als dritte Möglichkeit wurde das Laissez-faire-Modell entworfen, bei dem auf Führung zugunsten der Aktivitäten der Mannschaft oder der Gruppe verzichtet wird.
Die fünf wichtigsten Führungsambivalenzen
Die fünf wichtigsten Führungsambivalenzen
  • Nähe (z.B. „du) oder Distanz („Sie) zu den Geführten;
  • Vertrauen zeigen oder Kontrolle ausüben;
  • Gleichbehandlung oder Einzelfalllösung;
  • auf Regeln pochen oder Mitdenken verlangen;
  • das Bewährte pflegen oder Innovationen fördern.
Vgl. Meifert 2011, S. 36 f.
Da diese eindimensionalen Führungsmodelle geringe Aussagekraft hatten, wurden sehr bald zweidimensionale Führungsmuster entworfen, bei denen beispielsweise Menschen- und Sachorientierung miteinander in Beziehung gesetzt wurden. Die Schwäche all dieser Modelle liegt jedoch darin, dass sie eher zur Beschreibung oder Analyse dienen. Ein konkretes Führungshandeln kann aus ihnen kaum abgeleitet werden.
Schlagworte und Metaphern sind verbreitet
Offensichtlich besteht ein großer Bedarf nach einer praktischen Orientierung, wie Führung angesichts schneller Veränderungen, wachsender Mitarbeiterbeteiligung und neuer Organisationsstrukturen aussehen soll. Diesen Bedarf versuchen seither eine Menge von Autoren zu decken. Es mutet schon fast etwas skurril an, wie Modebegriffe mit Führung kombiniert und als die beste oder angemessenste Führung verkauft werden (s. Kasten).
Modebegriffe der Führung
Modebegriffe der Führung
  • „Wertschätzende Führung (Autoren: Burow, Bach, Tröger-Bumann u.a.)
  • „Transaktionale Führung (Autoren: Furtner, Grunau, Kortmann, Seidel u.a.)
  • „Dialogische Führung (Autoren: Dietz/Kracht, Kleinhenz, Petersen & Olesch u.a.)
  • „Situative Führung (Autoren: Bayer, Trillhaase, Blanchard & Zigarmi, Özdemir u.a.)
  • „Distributed Leadership (Autoren: Spillane, Chatwani, Harris u.a.)„Laterales Führen (Autoren: Kühl, Stöwe & Keromosemito, Zellweger u.a.)
  • „Agil führen (Autoren: Hofert, Greßer & Freisler u.a.)
  • „Emotional führen (Autoren: Schlegel, Gonschorrek & Berg u.a.)
  • „Führen mit Hirn (Autoren: Purps-Pardogol & Hüther)
  • „Beidhändige Führung (Autorin: Duwe)
  • und natürlich wird auch schon „digitale Führung propagiert...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 14 / 2018

Mit KnowHow und Fingerspitzengefühl – Führung

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13