Christoph Burger

Stufen der Ich-Entwicklung

Illustration von Ulrich Deppe unter Verwendung von © serezniy / Chris Elwell / 123rf.com©iStock.com / windujedi / Besedin / ajt

Christoph Burger

Nicht immer hält die Persönlichkeit mit Intelligenz und Bildung Schritt

Das inzwischen über 50-jährige Forschungsprogramm zur Ich-Entwicklung beschreibt, wie wir unser Wissen und unsere Eindrücke organisieren. Diese Kompetenz entwickelt sich unabhängig von Intelligenz und Bildung.
Vom Egoisten zum „Ich-Wir
Die große Aufgabe des neugeborenen Menschen ist es, die auf ihn einströmenden Eindrücke zu „verwalten. Nach und nach bildet sich das heraus, was sämtliche Erlebnisse, Gedanken und Gefühle organisiert und strukturiert: das Ich. Zunächst erlangt es die sogenannten Stufen E1 und E2 - letztere durch impulsiv einschießende Wünsche gekennzeichnet.
In der späteren Kindheit oder in der Jugend erreichen wir dann in der Regel ein Ego, das die landläufige Bezeichnung „Egoist ganz gut beschreibt (E3). Jugendlichen auf dieser Stufe ist die Welt um sie herum egal, solange nicht ihre eigenen Interessen berührt sind. Dahinter steht ein Ich, das sich selbst schützen will und das Vertrauen als Basis für Beziehungen zu anderen Menschen noch nicht kennt. Auch falls jemand herumschimpft oder andere körperlich traktiert, möchte er sich selbst schützen. Das fehlende Vertrauen bedingt eine ständige Wachsamkeit. Man kann sich auf niemanden verlassen schon gar nicht auf Eltern und Lehrkräfte. Wenn die Entwicklung weiterführt, ist dieses Stadium nach einiger Zeit überwunden (s. Tab. ).
Im Jugendalter werden viele bereits den Schritt zur nächsten Stufe geschafft haben. Sie sind nun weniger einzelne, auf ihre eigenen Interessen bedachte Menschen, sondern Teile der Gemeinschaft (E4). Sie folgen Regeln nun nicht mehr aus Furcht vor Bestrafung, denn sie verstehen den grundsätzlichen Sinn von Regeln und Gesetzen. Die Normen ihrer Bezugsgruppe werden für sie bestimmend. Angesagte Musik und Kleidung, die beste Haltung zu Lehrern und zur Schule? Da schaue ich mal, was meine Gruppe dazu sagt. Die zentrale Instanz ist nun ein „Ich-Wir. Das Ich geht voll in der Gemeinschaft auf und definiert sich durch diese.
Die meisten Menschen lassen früher oder später auch diese Stufe hinter sich häufig bis spätestens zum Alter von ungefähr 20 Jahren. Auf ihrem Weg dahin setzen sie sich vom Ich-Wir ab (E5). Sie bilden sich zunehmend eine eigene Meinung meist in Abhebung von den Normen, die die Gruppe ihnen vorgab. Dieser Schritt kann dadurch begünstigt werden, dass immer wieder die persönliche Meinung herausgefordert wird. Die Gemeinschaft bleibt durchaus wichtig als konventioneller Taktgeber. Aber man macht sich nicht mehr alles zu eigen und langsam schält sich ein Selbstbild heraus, nach dem man selbst die beste Lösung finden kann. Wenn Lehrkräfte als Fachleute akzeptiert werden, haben sie willige Zuhörer. Im Schulalter werden eher wenige Menschen bereits weiter sein als E5.
Nicht einmal alle Erwachsenen haben auch nur die egoistische, vorkonventionelle Stufe E3 hinter sich gelassen. Fünf Prozent sind hier „hängen geblieben. Wie sich das dann darstellt, sehen wir derzeit mit Blick auf den Präsidenten der USA. Erwachsene auf der „Trump-Stufe sind Menschen, die nur schwer dauerhafte Beziehungen gestalten können. Sie überwerfen sich schnell mit anderen. Ein Freund ist für sie, wer ihnen schmeichelt oder sie beschenkt. Ihr über viele Jahre verfeinertes Machtbewusstsein, ihr Gespür für gute Gelegenheiten und ihre Skrupellosigkeit machen sie leider oft erfolgreich in unserer Gesellschaft obwohl sie nicht einmal über die grundlegenden Kompetenzen des Demokraten verfügen.
Erwachsene auf der Wir-Stufe (E4: 12%) erscheinen demgegenüber eher als überangepasst, da sie sich ständig an anderen orientieren und kaum eine eigene Meinung zustande bekommen. Fragt man sie nach ihrer grundsätzlichen Einstellung, antworten sie typischerweise mit Klischees.
Lernen ist von Entwicklung zu unterscheiden
Grundsätzlich ist jede Stufe tauglich, um sich selbst und die Welt komplett abzubilden! Immer werden alle...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 20 / 2020

Selbstkompetenz – Innere Stärken entfalten

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13