Tjark Ommen

Schulleiter werden

Tjark Ommen

Von einem Rollenwechsel, der auch mal wehtun kann

Sehr geehrter Herr Ommen,
hiermit teile ich Ihnen mit, dass Sie für die oben angegebene Stelle ausgewählt worden sind. Bitte treten Sie Ihren Dienst nach Rücksprache mit Ihrer Dezernentin an. Ich spreche Ihnen meinen Glückwunsch aus.
Vom Lehrer zum Schulleiter: Für einen selbst ist dieser Schritt riesig, für die Behörde eine alltägliche Sache. Und so ein lapidarer Brief bildet einen sehr merkwürdigen Anfang einer Zeit als Schulleiterin oder eines Schulleiters. Man erhält ein Schreiben und von heute auf morgen ändert sich die eigene Rolle komplett. Man ist Vorgesetzte(r), man muss und darf gestalten, man muss schwierige Gespräche führen, man muss ganz viel entscheiden und man muss sich erst einmal selbst wiederfinden und einrichten in diesem neuen Amt.
„Ja! Endlich haben viele von Ihnen gedacht, als Sie dieses Schreiben in der Hand hielten. Mir ging es auch so. Endlich hatte ich mein Ziel erreicht, Schulleiter zu werden. Ich habe mich so gefreut. „Der Schulleiter trägt die Gesamtverantwortung, heißt es. Ja, das wollte ich auch so, wann geht es endlich los?
Tatendrang und große Pläne
Diesem Tatendrang standen aber auch einige weniger euphorische Gedanken gegenüber, die eher wie das Pfeifen im Walde waren: Es wird schon nicht so schwer sein. Das eine oder andere hat man ja schon gemacht. Hier und da schon Verantwortung übernommen. Ja, da gab es die eine oder andere Klippe, die es zu umschiffen galt, aber hey, das haben wir doch alles geschafft. Viel schlimmer kann es kaum werden.
Diese Gedanken bestimmten die Zeit vor und auch die erste Zeit nach meinem Amtsantritt als Schulleiter. Ja, auch ich hatte davon gehört, dass man einen Rollenwechsel vornehmen und überlegen muss, wie man sich kleidet, welchen Eindruck man machen möchte,  wie man die Schule und deren Kultur prägen will. Dabei gilt es, zwei Perspektiven einzubeziehen: Wie möchte man gestalten und was erwartet die Schule?
Ich hatte für mich festgelegt, dass ich meine Rolle und meine Verantwortung klar wahrnehmen wollte. Diese beiden Dinge sollten für mich über allem stehen. Denn ich hatte die Erfahrung gemacht, dass es wichtig für eine Schule ist, dass es jemanden gibt, der die Richtung vorgibt. Ich war vorher als Lehrer an Schulen mit schwachen und unklaren Schulleitungen gewesen, die in erster Linie Freundin oder Freund des Kollegiums sein wollten. Und ich kannte Schulen mit starken und klaren Schulleitungen. Meine persönliche Erfahrung: Ich habe mich immer wohler gefühlt, wenn es jemanden gab, der die Leitung klar innehatte. Ich wollte als Kollege gar nicht der Freund des Schulleiters sein, ich wollte eine Führungspersönlichkeit, die sagt, wo es langgeht. Entsprechend war mein Leitbild als Schulleiter: klar, distanziert, innovativ, gerecht. Mein Wunsch war es, respektiert zu werden. Anerkannt zu sein, obwohl ich nicht der Freund des Kollegiums sein wollte. Ich hoffte, dass die Kolleginnen und Kollegen, für die ich nun Verantwortung trug, verstehen würden, dass ich meine Rolle nur gut ausfüllen kann, wenn ich Distanz aufbaue.
Unsanfte Landung in der Realität
Es kam aber alles ganz anders. In meiner ersten Funktionsstelle als Stellvertreter kam ich aus dem Kollegium. Es handelte sich um eine mittelgroße Grundschule, in der niemand diesen Posten übernehmen wollte. Also erklärte ich mich bereit, die Stelle des Konrektors kommissarisch zu übernehmen. Ich war zu dem Zeitpunkt knapp zwei Jahre im Amt als Lehrer. Es wollte ja keiner ran, also dachte ich, dass die Kolleginnen und Kollegen sich freuen würden, wenn ich für sie den Stundenplan erstellen und die schwere Aufgabe auf mich nehmen würde. Ich bin damals „blauäugig ins Wasser gesprungen und habe allmählich gelernt zu schwimmen. Ja, es tat weh, als ich die ersten Sprüche aushalten musste. „Der will ja nur Karriere machen! „Früher, als du noch einer von uns warst, warst du so nett. Diese Sprüche waren oft mit bösen...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 8 / 2017

Übergänge – Mind the gap!

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