Christiane von Schachtmeyer

Schön elastisch bleiben

Illustration: Ulrich Deppe unter Verwendung von © Bjoern Wylezich / 123rf.com

Christiane von Schachtmeyer

Resilienz im Schulalltag fördern

„Nie ist das menschliche Gemüt heiterer gestimmt, als wenn es seine richtige Arbeit gefunden hat, sagte einst Wilhelm von Humboldt. Heiter zu bleiben, das ist leichter gesagt als getan, wenn das Gefühl vorherrscht, dass der Druck durch unerledigte Aufgaben und immer neue Forderungen und Veränderungen steigt und die Erfordernis ständiger physischer und psychischer Präsenz eine große Herausforderung darstellt. Insofern ist es für Schulleitungen schon eine besondere Anforderung, heiter und gesund zu bleiben, wobei Heiterkeit und Humor sicher förderlich für die Gesundheit sind. Erhöhung der Resilienz das soll das Heilmittel sein, um die psychische und physische Gesundheit der Schulleitungen zu stützen.
Gesundheitliche Risiken für Lehrkräfte und Schulleitungen
Schulleitungen waren einmal Lehrkräfte und übernehmen häufig auch noch klassische Lehreraufgaben, sodass man sicherlich von den besonderen gesundheitlichen Risiken der Lehrkräfte auf die Risiken für Schulleitungen schließen kann. Die grundlegenden Untersuchungen hierzu stammen aus der Potsdamer Studie zur Lehrergesundheit unter der Federführung von Uwe Schaarschmidt aus dem Jahre 2005. Schaarschmidt beschreibt dazu vier Verhaltens- und Lebensmuster, denen er die Untersuchten zuordnet:
  • Muster G: berufliches Engagement, ausgeprägte Widerstandsfähigkeit gegenüber Belastungen, positives Lebensgefühl („Gesundheitsmuster) Nur 17% der Lehrkräfte gehören laut Studie diesem Muster an, in keiner anderen Berufsgruppe ist es derart gering ausgeprägt.
  • Muster S: ausgeprägte Schonungstendenz gegenüber beruflichen Anforderungen (23% der Lehrkräfte)
  • Risikomuster A: überhöhtes Engagement (Selbstüberforderung) bei verminderter Widerstandsfähigkeit und eher eingeschränktem Lebensgefühl (30% der Lehrkräfte)
  • Risikomuster B: Resignation und deutlich verminderte Belastbarkeit, einhergehend mit reduziertem Arbeitsengagement (29% der Lehrkräfte).
Schulleiterinnen und Schulleiter sind insgesamt etwas weniger gefährdet als die Lehrerinnen und Lehrer. So ist die Tendenz zum „gesunden Muster G stärker. Zu den Risikomustern, insbesondere zum problematischsten Muster B, neigen weniger Personen aus der Schulleitung. Aber auch der Anteil am A-Muster ist hier etwas geringer.
Diese vier Muster haben Auswirkungen auf die körperlichen und psychischen Beschwerden im Alltag, grob zusammengefasst kann man sagen, dass Menschen mit den ausgeprägten Mustern A und B in besonderem Maße zu Beschwerden neigen. Lehrkräfte mit dem Muster B melden sich dabei überdurchschnittlich. Lehrkräfte mit dem Muster A sind unterdurchschnittlich häufig krankgeschrieben. Das Verhalten dahinter ist langfristig natürlich auch gesundheitsgefährdend. Doch lassen sich die Verhaltensmuster durch Training aufbrechen.
Untersuchungen, die sich speziell auf Schulleitungen beziehen, sind selten. Eine Schweizer Untersuchung sieht folgende besonderen Belastungen bei Schulleitungen:
  • An erster Stelle steht die zeitliche Belastung von Schulleitungen, die in der Regel hoch ist und das vorgesehene Pensum häufig übersteigt. Neben der zeitlichen ist die qualitative Belastung von Belang. So sehen sich viele Schulleitungen durch unklare Verantwortlichkeiten belastet. Außerdem werden widersprüchliche Erwartungen vonseiten der unterschiedlichen Anspruchsgruppen, mit denen Schulleitungen zu tun haben, als Bürde wahrgenommen. Negative Folgen für Gesundheit, Wohlbefinden und Verhalten, die aus der Belastungssituation resultieren, bestehen insbesondere in einem erlebten Ungleichgewicht zwischen Verausgabung und Belohnung; bei vielen Schulleitungen treten sogenannte Gratifikationskrisen auf, wobei es nicht nur um die monetäre Gratifikation geht.
  • Schulleitungen sind als Führungskraft mit dem Thema Gesundheit also in doppelter Weise verbunden: Gesundheitsmanagement gehört einerseits zu ihren Führungsaufgaben, indem sie die Gesundheit der...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 20 / 2020

Selbstkompetenz – Innere Stärken entfalten

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13