Christiane von Schachtmeyer

Man muss auch mal loslassen können!

Christiane von Schachtmeyer

Von der Kunst des Delegierens

Im Folgenden lesen Sie ein Plädoyer für die Kunst des Loslassens. Dieses ist aus drei Überzeugungen entstanden und ist das Ergebnis eines langjährigen „Los-Lass-Trainings als Schulleiterin einer selbstverantworteten Schule.
Die Anzahl der Aufgaben, die schulische Führungskräfte im Blick haben müssen oder lösen sollen, ist so groß geworden, dass man diese allein nicht bewältigen kann.
Der Bildungs- und Erziehungsauftrag: „Unterricht und Erziehung sind auf die Entfaltung der geistigen, körperlichen und sozialen Fähigkeiten sowie auf die Stärkung der Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler auszurichten. Sie sind so zu gestalten, dass sie die Selbstständigkeit, Urteilsfähigkeit, Kooperations-, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit sowie die Fähigkeit, verantwortlich Entscheidungen zu treffen, stärken. So ist in Hamburg der Bildungs- und Erziehungsauftrag beschrieben, in den Schulgesetzen aller anderen Länder finden sich entsprechende Formulierungen. Ohne ein partizipatives Führungsverständnis hat man es sicherlich deutlich schwerer, diesen Bildungs- und Erziehungsauftrag zu erfüllen. Denn wie sollen die Lehrkräfte ihre Schüler und Schülerinnen zur Verantwortungsübernahme und Partizipation erziehen, wenn sie selbst in ihrer eigenen Schule diese nicht erfahren dürfen. Nicht umsonst hat der Bildungsmanager Stephan G. Huber das Bild der pädagogischen Führungskraft gezeichnet, für deren Handeln die Erfüllung der Bildungs- und Erziehungsauftrags der zentrale Wert ist. Huber fordert: „Dabei ist das Hauptprinzip von Führungshandeln das der Kooperation: Aufgrund der komplexen Hierarchie innerhalb der Schule ist Kooperation angemessene Handlungsrationalität, was eine innere Bereitschaft und Motivation zur Mitgestaltung der Einzelschule bei dem Kollegium und den Schülerinnen und Schüler angeht. Kooperation hat in der Organisation Schule nicht nur einen instrumentellen Wert als Mittel für eine günstige Zielerreichung, sondern ist selbst dezidiertes Bildungs- und Erziehungsziel. (Huber 2010)
Die Schule soll Lernende auf das (Berufs-)Leben vorbereiten. In der neuen, digitalisierten Berufswelt verabschieden sich viele Managementtheoretiker (z.B. Baecker 2012, Seeliger 2009) und -praktiker von dem Ideal des Heros in der Führung, der alle Fäden zusammenhält und alles im Blick hat. Sie postulieren ein postheroisches Führungskonzept: Dieses misstraut dem Ideal eines alles steuernden Entscheiders und ersetzt ihn durch das Zusammenspiel vieler Köpfe im Team. Eine Hauptfunktion von Führungskräften besteht demzufolge in der Organisation und Moderation der internen und externen Kommunikation. Es ist sicherlich gut, wenn Schülerinnen und Schüler in einer Schule lernen, die partizipative Strukturen hat und in der das Prinzip der Partizipation für Lehrkräfte, Lernende und Eltern gilt.
Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, und grün des Lebens goldner Baum
Wenn man also aus vielerlei Gründen die Fähigkeit zur Lösung von Problemen nicht mehr an der Spitze der Schulen monopolisieren kann, sondern sie an die schulische Organisation delegieren muss, was bedeutet das in der Praxis?
Es bedeutet, dass man als Schulleitung ein mittleres schulisches Management (in erster Linie bestehend aus Teamleitungen und Fachleitungen) aufbauen und stärken muss.
Es bedeutet, Personalentwicklung zu betreiben, indem man Aufgaben an diejenigen delegiert, die dafür Feldkompetenzen und Erfahrungen besitzen, und diese durch die Verantwortungsübernahme langfristig stärkt.
Es bedeutet auch, Kommunikationsstrukturen aufzubauen, die die Verteilung von Aufgaben auf viele Köpfe ermöglicht und die zur Struktur der Schule passen.
Es bedeutet vor allem, dass man auf viele Fragen und Schwierigkeiten stößt.
Die erste Schwierigkeit ist zu entscheiden, welche Aufgaben man delegiert: Dazu ein Beispiel aus der Praxis: Eine Gymnasium hat nach Jahrgang 6 einen...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 14 / 2018

Mit KnowHow und Fingerspitzengefühl – Führung

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13