Helmut Lungershausen

„Komplexitätsreduzierung“

Helmut Lungershausen

Was zwei Bücher versprechen und was sie halten

In einer immer komplexer werdenden und komplexer erscheinenden Welt ist der Wunsch nach Überschaubarkeit groß. Auch im Bereich von Bildung und Schule haben wir es immer mehr mit komplexen Sachverhalten und vernetzten Beziehungen zu tun. Deshalb stellt sich auch hier die Frage: Wie kann man komplizierte Sachverhalte entschlüsseln und für sich zugänglich machen? Zwei Bücher versprechen Hilfe auf diesem Weg.
50 Erfolgsmodelle
Auf so ein Buch muss man erst mal kommen! Es hat ein kleines Format, ein unscheinbares Cover mit einer skurrilen Banderole, kommt aus einem relativ unbekannten Verlag in der Schweiz und beschäftigt sich mit grafischen Modellen, die vorwiegend aus den Bereichen Psychologie, Soziologie und Management kommen. Aber das Buch verkauft sich äußerst erfolgreich!
Nun gibt es Menschen, die mit schematischen Darstellungen und grafischen Modellen nichts anfangen können. Die sollten gar nicht erst weiterlesen. Wem aber solche Modelle Spaß machen und zu der einen oder anderen Erkenntnis verhelfen, gehört zu dem Adressatenkreis der Autoren.
Kritiker dieser Modelle führen an, dass solche Modelle die realen Sachverhalte auf sträfliche Weise simplifizieren und somit der Komplexität unserer heutigen Welt nicht gerecht werden. Aber gerade die Reduzierung auf wenige Faktoren kann oft ein Problem fokussieren, dadurch den Blick für Sachverhalte im alltäglichen Umgang schärfen und einen Aha-Effekt auslösen.
Jedes Modell ist grafisch dargestellt und mit einem Begleittext versehen, bei dem die knappen Erläuterungen in einigen Fällen sehr kurz ausfallen. Vermutlich würden die Autoren antworten, dass ja die Grafiken zum größten Teil für sich selbst sprechen (sollen).
Den meisten Lesern werden einige der vorgestellten Modelle bekannt sein, z.B. die Eisenhower-Matrix (auch als „Dringlichkeitsquadrat bekannt), das Johari-Fenster oder das Modell der situativen Führung von Hersey-Blanchard. Aber es sind auch eine ganze Menge weniger bekannter Modelle dabei, die neue Anregungen und Ideen vermitteln können. Gut informierte Leser mögen sogar das eine oder andere Modell vermissen, aber dafür haben die Autoren vorgesorgt: Am Ende finden sich noch ein paar freie Seiten, auf der man seine persönlichen Ergänzungen vornehmen kann.
Reframe it!
Auch ein ungewöhnliches Buch! Ebenso mit Schweizer Touch, denn geschrieben wurde es von einem Brüderpaar aus der Schweiz.Beim ersten Durchblättern fallen die klare Gestaltung und die Menge an grafischen Darstellungen angenehm auf. Das erzeugt Motivation zur weiteren Beschäftigung mit dem Buch.
Die Autoren verstehen „Reframing nicht in der (engeren) Bedeutung der Kommunikationstheorie, sondern meinen damit alle Möglichkeiten, Sachverhalte irgendwie in einen neuen Kontext zu setzen. Dazu gehören z.B. Mindmap, Humor, Metapher und das Wertequadrat von Schulz von Thun. Das alles sind recht unterschiedliche Ansätze, Modelle, Formeln oder Begriffe, die unter dem Begriff „Werkzeuge subsumiert werden. Jedoch nur ein Teil der behandelten „Werkzeuge kann man als Management-Tool verstehen, Humor, Metapher und George Orwells Stilregeln sind es sicher nicht.
In jedem Kapitel wird das mit einer Grafik illustrierte „Werkzeug vorgestellt, anhand eines Beispiels verdeutlicht und mit Anmerkungen zu Herkunft und Kontext versehen. Die Beispiele sind alle in dem Bereich von Management, Marketing und Coaching angesiedelt und in leicht ironischer oder karikativer Absicht überzeichnet.
Fazit
Die Welt wird nicht einfacher durch die Lektüre zweier Bücher. Aber wer mit Personalführung, Gremienarbeit, Seminaren, Coaching und ähnlichen Bereichen befasst ist, kann bei „50 Erfolgsmodelle zu verschiedenen Problemen Hilfe finden, wenn er das zutreffende Modell identifiziert und für sich nutzt. Man kann das nützliche Büchlein als kleinen Ideengeber und mögliche Orientierungshilfe sogar immer dabei haben, denn es passt in...
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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 17 / 2019

Digitalisierung – Nicht nur irgendwas mit Medien

Schuljahr 1-13