Rechtliches zur Leistungsbewertung

Faire und transparente Notengebung

Leistungen zu kontrollieren, zu bemessen und zu bewerten gehört zum pädagogischen Alltag. Jede Lehrkraft muss sich dieser Herausforderung stellen. Wie eine Beurteilung, auch kurz Note genannt, zustande kommen soll, ist rechtlich geregelt. Näheres erfahren Sie hier:

Leistungsbewertung muss klaren rechtlichen Regeln folgen © GIBLEHO - stock.adobe.com

Leistungsbewertungen greifen in das Grundrecht der freien Entfaltung der Persönlichkeit der Schülerinnen und Schüler ein (Art.2 Abs1 GG). Auch die freie Wahl von Beruf und Ausbildungsstätte kann dadurch eingeschränkt werden (Art.12 GG). Deshab muss die Leistungsbewertung in jedem Fall nach eindeutigen und transparenten Kriterien erfolgen. Dabei sind die drei wichtigsten Kriterien der Leistungsbewertung zu beachten:

  • Notenwahrheit,
  • Notenklarheit und
  • Notentransparenz.

Unfaire Leistungsbewertung verhindern

Lernkontrollen, die während des Lernprozesses stattfinden und der Überprüfung der Unterrichtsarbeit der Lehrkräfte dienen, eignen sich nicht für eine Leistungsbewertung der Schülerinnen und Schüler. Darum scheiden sie für eine Notengebung aus. Ebenfalls der Benotung entzogen sind Verhaltensweisen von Schülerinnen und Schülern während des Lernprozesses, z.B. Fleiß, Faulheit, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit.

Darüber hinaus enthält der Bildungsauftrag der Schule Lernziele, die wegen fehlender objektiver Maßstäbe nicht zensiert werden können, beispielsweise Verantwortungsbewusstsein für die Umwelt.

Eine Bewertung von Leistungen kann grundsätzlich erst am Ende oder nach Abschluss von Teilzielen einer Unterrichtseinheit erfolgen, wenn die Schülerinnen und Schüler mit den gestellten Anforderungen hinreichend vertraut gemacht worden sind. Lernkontrollen sind grundsätzlich in mündlicher, schriftlicher oder fachspezifischer Form möglich.

Leistungsbewertung liegt in der pädagogischen Verantwortung der Lehrkräfte

Die Zensurengebung liegt in der eigenen pädagogischen Verantwortung der Lehrkräfte; sie

  • muss aber sachlich und objektiv erfolgen,
  • darf nicht gegen allgemein anerkannte pädagogische Grundsätze oder gültige Konferenzbeschlüsse verstoßen,
  • muss allgemeine Vorgaben beachten.

Eine subjektive Leistungsbewertung, die gleichwertige Leistungen von Schülerinnen und Schülern verschieden bewertet, ist grundsätzlich ausgeschlossen. Das bedeutet: Lehrkräfte können keine „pädagogischen“ Zensuren vergeben. Denn damit wäre das Recht der Schülerinnen und Schüler auf „Gleichheit vor der Zensur“ verletzt. Der prüfungsrechtliche Grundsatz der Chancengleichheit ist hingegen verletzt, wenn das Prüfungsverfahren durch Lärm erheblich gestört wird. Dies kann durch eine entsprechende Schreibverlängerung ausgeglichen werden.

Friedrich Plus Schulleitung

Ihr kostenloser 30-Tage-Pass für alle -Artikel + 5 Downloads:

Anmelden

Prinzip der Chancengleichheit bei der Leistungsbewertung

Schülerinnen und Schüler müssen ihre Leistungen unter möglichst gleichen Bedingungen erbringen können und möglichst gleiche Erfolgschancen haben. Das Prinzip der Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit verbietet nicht nur die Benachteiligung, sondern auch die Bevorzugung von Einzelnen.

  • Die Lehrkraft darf daher die Inhalte einer Klausur nicht mit einigen Schülerinnen und Schülern besprechen und andere ausschließen oder gar per Nachhilfe einzelne Schülerinnen und Schüler gezielt auf eine Klausur vorbereiten.
  • Werden während einer Klausur Hinweise zur Bearbeitung gegeben, sind diese allen betroffenen Schülerinnen und Schülern zugänglich zu machen.
  • Erfährt eine Lehrkraft, dass einigen Schülerinnen und Schülern die Aufgabenstellung bekannt ist, darf die Klausur nicht mehr gestellt werden.

Der Grundsatz der Chancengleichheit verbietet es allerdings nicht, auf bereits (möglicherweise auch im Internet) publizierte Klausuren zurückzugreifen. Bei unveränderter Übernahme derartiger Klausuren können die Schülerinnen und Schüler zwar zufällig Glück oder das richtige Gespür gehabt haben, eine derartige Möglichkeit kann aber nie ausgeschlossen werden. Wenn Schülerinnen und Schüler insoweit faktisch einen Vorteil bei der Lösung der Klausur hatten, führt die positive Kenntnis in diesem Fall nicht zur Rechtswidrigkeit der Benotung.

Gerald Nolte ist Ministerialrat im Niedersächsischen Kultusministerium.

Lesen Sie den gesamten Artikel in Schule leiten 19: Was heißt eigentlich gut? Schulqualität

Mehr zum Thema

Lernende Schule 84/2018: Baustelle Leistungsbeurteilung

Fakten zum Artikel

Ihr kostenloser 30-Tage-Pass für alle -Artikel + 5 Downloads:

Anmelden

Fachnewsletter Schulleitung
Jetzt Newsletter bestellen.

  • Methoden für die Praxis
  • Didaktisches Hintergrundwissen
  • Kostenlos - jederzeit kündbar