Daniela Blickhan

Impulse für die Lebens- und Arbeitszufriedenheit

Illustration: Ulrich Deppe unter Verwendung von © blueximages / 123rf.com

Daniela Blickhan

Positive Psychologie für den Alltag

Unsere Welt hat sich grundlegend verändert. Schulleitungen müssen mit VUCA-Herausforderungen umgehen. Das Akronym steht für unbeständig (volatile), unsicher (uncertain), unübersichtlich (complex) und mehrdeutig (ambiguous) und kennzeichnet unsere Welt seit der Jahrtausendwende. Sie ist geprägt durch schnellen Wandel auf Basis unüberschaubarer Zusammenhänge bei erschwerter Vorhersagbarkeit künftiger Entwicklungen.
Weltweit nehmen psychische Belastungen zu. Die Schulen stehen dabei vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits sehen sich die Lehrpersonen mit zunehmenden psychischen Symptomen der Schülerinnen und Schüler konfrontiert, andererseits müssen sie die eigene hohe, beruflich bedingte Belastung abfedern. Da dies oft nicht mehr gelingt, stehen heute Depressionen an erster Stelle der Krankheiten.. Auch wenn wirksame Methoden der Behandlung bekannt sind, bekommen längst nicht alle Betroffenen angemessene Hilfe. Zudem umfassen seelische Gesundheit und Wohlbefinden mehr als eine Reduktion depressiver Symptome, ebenso wie körperliche Gesundheit mehr als die Abwesenheit von Krankheit ist.
Wie können also mehr Menschen einen Zustand psychischen Wohlbefindens erreichen? Wie können wir Widerstandsfähigkeit angesichts veränderter Lebensumstände fördern? Wie lässt sich erreichen, dass Menschen aufblühen, statt auszubrennen?
Die Wissenschaft des gelingenden Lebens
„Positive Psychologie ist die Wissenschaft des gelingenden Lebens und Arbeitens. So antworte ich auf die häufige Frage, was Positive Psychologie denn eigentlich sei. Meist führt das zu der schmunzelnden Frage, ob es denn auch eine negative Psychologie gebe. Nein, die gibt es nicht. Niemals sollte der Begriff einer Positiven Psychologie die bestehende Psychologie als „negativ abwerten. Positive Psychologie wollte von Anfang an als notwendige und sinnvolle Ergänzung der Psychologie verstanden werden.
Die Positive Psychologie befasst sich in Theorie und Forschung mit der Frage, was das Leben lebenswert macht. Sie geht von der Annahme aus, dass Menschen ein erfülltes Leben führen möchten; dass sie daran interessiert sind, ihre guten Seiten zu entwickeln, und auf diese Weise sich selbst, aber auch die Gesellschaft als Ganzes voranbringen wollen.
Die Positive Psychologie möchte dazu beitragen, dass Menschen ihre Stärken erkennen und einsetzen, positive Gefühle erleben und dies für ein selbstverantwortliches Leben nutzen. Interventionen der Positiven Psychologie haben zum Ziel, Wohlbefinden zu fördern und persönliche Ressourcen zu erweitern. Damit richtet sich die Positive Psychologie ausdrücklich nicht nur an Personen mit psychischen Belastungen, sondern an alle Menschen.
Eine der Kernaussagen der Positiven Psychologie lautet: Es genügt nicht, Menschen von „minus 5 auf „null zu verhelfen. Wir müssen sie vielmehr dabei unterstützen, in den Bereich von „plus 5 oder „plus 10 zu kommen und zwar unabhängig davon, ob sie unterhalb von „null starten (also derzeit eine psychische Diagnose tragen) oder ob sie bei „null oder darüber beginnen.
Positive Psychologie als empirische Wissenschaft wurde durch den namhaften amerikanischen Psychologen Martin Seligman begründet, der 1998 forderte, dass sich die Psychologie wieder mehr mit der Erforschung des Positiven befassen solle, statt auf Defizite und Krankheit zu blicken. Es gelte herauszufinden, was das Leben lebenswert macht, und die Voraussetzungen für ein solches Leben (und Arbeiten) zu schaffen.
Was Positive Psychologie nicht ist
Positive Psychologie ist nicht mit dem sogenannten „positiven Denken im Sinne der amerikanischen Ratgeberliteratur gleichzusetzen. Dieses verfügt über keine wissenschaftliche Basis; die Positive Psychologie nutzt dagegen empirische Methoden, um ihre Modelle und Interventionen zu validieren.
Die Positive Psychologie ist auch keinesfalls nur eine Psychologie des Erfreulichen, Wünschenswerten oder...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 20 / 2020

Selbstkompetenz – Innere Stärken entfalten

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13