Adolf Bartz

Im Spannungsfeld sicher navigieren

Adolf Bartz

Allparteilichkeit als eine Voraussetzung für Führung

Schulleitung vollzieht sich im Spannungsfeld von drei Voraussetzungen:
1. Normative Vorgaben als Handlungsrahmen
Die Schulleitung ist dafür verantwortlich, dass die normativen Vorgaben durch Gesetze, Verordnungen und Erlasse beachtet und umgesetzt werden. Dafür ist sie mit hierarchischer Macht ausgestattet, um den Rechts- und Verwaltungsvorschriften Geltung verschaffen und dafür das Mittel der dienstlichen Weisung nutzen zu können. Nimmt sie aber nur oder vorrangig diese Verantwortung wahr, wird sie die Schule nur verwalten, nicht aber gestalten. Denn erzwingen lässt sich bestenfalls der Dienst nach Vorschrift, aber kein Handeln, dem es um Sinn und Wirksamkeit geht.
2. Eigene Werte und Überzeugungen
Die Schulleitung hat eigene Werte und Überzeugungen und sie kann Führung nur wirksam wahrnehmen, wenn sie das Kollegium und die Schulgemeinde für Vorhaben und Ziele begeistern kann, weil sie selbst davon begeistert ist. Sie darf aber ihre Positionen nicht mithilfe ihrer Hierarchiemacht für alle im Kollegium und in der Schulgemeinde verbindlich machen das wäre ein Machtmissbrauch. Denn wenn es um eigene Überzeugungen geht, handelt die Schulleitung auf der Ebene der Gleichheit. Sie hat das genau gleiche Recht wie die Lehrkräfte, die Eltern und die Schülerinnen und Schüler, für ihre Überzeugungen zu werben und andere davon durch Argumente zu überzeugen, und ist in dieser Rolle den anderen nicht übergeordnet oder mit mehr Rechten ausgestattet.
3. Allparteilichkeit
Die Schulleitung kann nur dann gerecht, fair und partizipativ führen, wenn sie in der Rolle der Moderation nicht für die eine oder andere Position und damit verbunden nicht für die eine oder andere Person oder Gruppe im Kollegium Partei nimmt. Deshalb ist eine Haltung der Allparteilichkeit zwingend erforderlich. Sie setzt die Bereitschaft voraus, eigene Überzeugungen zurückzustellen, damit das Kollegium, die Eltern und die Lernenden offene Gestaltungsräume haben und Partizipation als relevant und sinnvoll erfahren können.
Führungsvoraussetzungen im Alltag
Diese drei Voraussetzungen von Führung in einer guten Balance zu halten, ist hoch anspruchsvoll, denn sie sind nicht komplementär, sondern können sich widersprechen und gegenseitig ausschließen. Für die Schulleitung stellt sich damit die Frage, wie sie ihre Führung (1) dienst- und schulrechtlich korrekt, (2) mit Standing und Begeisterung für Ziele und Vorhaben und zugleich (3) allparteilich, gerecht, fair und partizipativ so gestalten kann, dass ihre Führung als kohärent und glaubwürdig erlebt wird. Beispiele:
A. Konfliktschlichtung
Wenn die Schulleitung bei Konflikten zwischen Kollegen oder zwischen Lehrkräften und Eltern oder Kindern und Jugendlichen moderiert, setzt das zwingend Allparteilichkeit voraus. Und diese wiederum erfordert, sich selbstreflexiv der eigenen Neigungen bewusst zu sein. Denn wenn die Schulleitung unreflektiert und unbewusst einer der Konfliktparteien zuneigt, hat sie sich als Schlichter disqualifiziert. Anders als für andere Konfliktmoderatoren gilt für sie, dass sie immer auch als Vorgesetzte agiert. Das hat zur Folge, dass sie die Allparteilichkeit nur im Rahmen der Vorschriften und der schulinternen Beschlüsse, Konzepte und Regelungen wahrnehmen und nur Konfliktlösungen herbeiführen und akzeptieren kann, die sich in diesem Handlungsrahmen bewegen. Zudem hat sie als Vorgesetzte die Möglichkeit, den Konflikt durch Machteingriff zu beenden, wenn sich die Konfliktparteien nicht auf eine Lösung verständigen können.
Ein solcher Wechsel von der Rolle der Moderation in die Vorgesetztenrolle setzt voraus, dass eine Konfliktlösung im Interesse der Schule zwingend erforderlich ist und der Machteingriff nicht dazu dient, eine Lösung durchzusetzen, die den Wünschen der Schulleitung entspricht. Für die Akzeptanz und Glaubwürdigkeit der Schlichtung ist es unerlässlich, zu Beginn des Schlichtungsgesprächs...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 14 / 2018

Mit KnowHow und Fingerspitzengefühl – Führung

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13