Armin Lohmann

Guter Führung auf der Spur

Armin Lohmann

Ergebnisse einer Studie zu Wirksamkeit von Schulleitungshandeln

Für mich war der Ausspruch eines Meraner Schulleiters denkwürdig. Meine Frage, ob ihm sein Beruf immer noch gefalle, beantwortete er mit einem lächelnden Zwinkern in den Augen, aber entschlossen: „Es ist ein wunderbarer Beruf. Auch wenn Schulen bei uns das Prädikat ‚autonom tragen, sind sie per se weder gut oder noch besser. Die Qualitätsentwicklung gelingt. Nur ist sie ständig auszubalancieren zwischen Gestaltungsfreiräumen und Verbindlichkeiten. Für letzteres fehlt es vielen noch an der Einsicht.
Aber den Prozess der Qualitätsentwicklung muss jede Schule selbst aktiv gestalten. Das kann weder ein Direktor anordnen, noch kann er es allein. Diesen Prozess anzuschieben, ist für mich als anleitender bzw. und führungsverantwortlicher Direktor eine stetige Herausforderung …“ Frei nach Mahatma Gandhi: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.
Dieser Schulleiter sieht sich als Motor. Keine zu hohen Erwartungen an das Kollegium, an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Gefragt sind keine schnellen Antworten, vielmehr Gespräche, Dialoge auf Augenhöhe, um emotional den Boden für die Überwindung der gespürten Unsicherheiten im Kollegium aufzuarbeiten Das Stichwort heißt: Wandlung.
Inzwischen reden viele von notwendigen Veränderungen, von Flexibilität, vom Erproben neuer Lösungsmöglichkeiten, von der Transformation neuer Ideen. Aber was sind ihre Voraussetzungen? Ist die Führung entscheidend?
Gute Schulen haben gute Führungskräfte
Die Erfahrungen und Ergebnisse der wissenschaftlichen Schulforschungen bestätigen die Feststellungen dieses Schulleiters eines Gymnasiums aus Meran:
„Die Qualität einer Schule kann nicht verordnet werden! Sie wird vielmehr von den Rahmenbedingungen und vor allem von den aktiv beteiligten Kolleginnen und Kollegen gestaltet und geformt. Ganz besonders wird sie durch eine verantwortungsbewusste Führung erfolgreich geprägt (vgl. Lohmann 2009, S. 4 ff.).
Insofern ist die Qualitätsentwicklung mit einem großen Kraftaufwand verbunden. Zugleich ist sie Ausdruck einer Kultur der Auseinandersetzung, des Irrens, der Fehlertoleranz, der Reflexion, des Korrigierens, des Wandels und der Verständigung, der Verbindlichkeit, der Reflexion (Woher kommen wir? Wohin wollen wir?). Dem Schulalltag am nächsten handeln die Schulleiterinnen und Schulleiter auftragsgemäß, vor allem, wenn sie die in ihren Bundesländern eingeräumten Gestaltungsfreiräume der „selbst- bzw. eigenverantwortlichen Schulen nutzen (vgl. Abb.1 ). Deshalb vergewissern sie sich immer wieder, indem sie die Ziele und Perspektiven reflektieren und ihr subjektives Urteil, als Ergebnis ihrer Schlussfolgerungen ziehen (vgl. Lohmann 2013, S. 95). In solchen Phasen halten sie inne und bilanzieren; quasi vollziehen sie Rechenschaft (ebd., S. 186). Für diesen internen Qualitätsprozess braucht die Schule allerdings eine Persönlichkeit, die nicht nur steuert und moderiert, sondern auch führt. Vor allem leitet sie Klärungsprozesse herbei. Sie scheut keine Auseinandersetzung über die Verständigung von pädagogischen Werten und Haltungen, die an der eigenen Schule gelten sollen. Mit ihrer eigenen Kraft und Führungsphilosophie sorgt sie für Grundsatzentscheidungen, präferiert Kerngedanken, die das Schul- und Lernklima prägen. Ob diese Zusammenhänge überhaupt eine qualitative Wirkung haben, ist in wenigen Feldstudien in Deutschland und Österreich (Schratz, Hartmann & Schley 2010, Wissinger 2002, Bonsen et al. 2006, Rolff & Feldhoff 2008) und in Nordamerika von Heck & Hallinger (1998) sowie Seashore & Leithwood (2010) nachgewiesen worden. Allerdings fehlte im deutschsprachigen Raum bisher eine breiter angelegte Langzeitstudie, in die mehrere Messpunkte eingezogen sind, um die Daten der Qualitäts- bzw. Inspektionsanalysen zu schulischen Lernerfolgen sowie zu den Schüler-, Lehrer- und Elternzufriedenheitswerten zu erfassen. Gerade als ehemaliger hessischer Schulleiter und Ministerialverantwortlicher in Niedersachsen interessierte mich besonders die Bedeutung dieser Zusammenhänge, ob denn unsere Annahmen zur Schulqualität, zu den Ansprüchen einer Effektivität der Schulleitung überhaupt stimmen. ...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 14 / 2018

Mit KnowHow und Fingerspitzengefühl – Führung

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13