Tjark Ommen

Gegenwind aushalten

Tjark Ommen

Als Schulleiterin oder Schulleiter sollte man sich Gedanken über den eigenen Führungsstil machen, am besten schon, bevor man Widerstand des Kollegiums erntet. Im vierten Teil unserer kleinen Serie geht es um einen Ausweg aus einer scheinbar festgefahrenen Lage.

Wir haben als Schulleitungen das Problem, dass wir Menschen begeistern müssen, ein Ziel zu erreichen oder eine Veränderung mitzutragen, obwohl wir überhaupt nichts in der Hand haben, um sie damit zu motivieren. Wir können ihnen keine Boni versprechen. Wir können keinen neuen Dienstwagen vor die Tür stellen. Dennoch sollen wir Schule entwickeln, Qualität verbessern, Vorbild sein, Lehrkräfte in ihrer Arbeit unterstützen und zugleich die Arbeit kontrollieren.
Frau Leiter einsam an der Spitze
So ergeht es eben auch Frau Leiter. Die Schulleiterin hat mithilfe der Stimmen der Eltern und Lernenden, gegen den Willen eines deutlichen Teils des Kollegiums den Ganztag an ihrer Schule eingeführt. Als Reaktion hat sie direkt vor den Ferien einen bösen Brief erhalten, unterzeichnet von einem Gros des Kollegiums. Darin wurde ihr Respektlosigkeit dem Kollegium gegenüber, Machthunger, Bestehen auf eigenen Interessen und „Bossing vorgeworfen. Er endete unversöhnlich: „Wer gibt Ihnen die Macht, gegen den Willen des Kollegiums über unsere Arbeitszeit zu entscheiden? Wir bitten die Behörde darum, Frau Leiter abzusetzen!
Wir befinden uns nun in der Situation, in der sie diesen Brief soeben gelesen hat. Sie sollten überlegen, was das mit Ihnen macht und wie Sie reagieren würden. Zunächst einmal gibt es nur einen Trost: Sie sind nicht der oder die Einzige, der oder die einen solchen oder ähnlichen Brief erhalten hat. In vielen Fällen ist dieser nicht einmal unterschrieben, sondern wird anonym an Sie weitergegeben oder sogar an die Behörde geschickt. Frau Leiter ist am Boden zerstört. Sie bricht innerlich und äußerlich zusammen. Gerade hatte sie das Gefühl, alles im Griff zu haben. Die Einführung des Ganztages hatte sie doch als Sieg verbucht. Sie hatte sich gut gefühlt. Die Welt war in Ordnung. Sie hatte sich gerade von allen Kolleginnen und Kollegen in die Ferien verabschiedet. Jetzt das? Hat sie eben jemandem die Hand gegeben, der das hier mit unterschrieben hat? Die Wut wächst in ihr. Wie können die ihr das antun? Wie kann man so etwas schreiben? Wie kann man so etwas unterschreiben? Wer hat es unterschrieben?
Sie lässt ihren Blick über die Namen schweifen. Das wird sie niemals vergessen. Diese Situation! Das wird sie prägen. Sie fühlt sich, als würde die Kraft nicht einmal ausreichen, um nach Hause zu kommen. Langsam lehnt sie sich im Schreibtischstuhl zurück und liest den Brief nochmals durch. Den „Brief? Nein, es ist eine Anklageschrift. Es ist ein Dolch, der ihr Inneres in zwei Teile schneidet. Das direkt vor den Ferien! Wie fies! Sie liest einzelne Namen, die sie tief erschüttern. Was? Der auch? Ich dachte, der steht hinter mir.
Irgendwie hat Frau Leiter es dann doch nach Hause geschafft. Die liebe Begrüßungen durch Kinder und Mann hat ihr geholfen, mit der Situation klarzukommen. Doch einzelne Worte flammen immer wieder auf, auch Tage später noch. „Bossing? Ich bin kein Boss. Ich führe doch teamorientiert?
Welchen Führungsstil wollen Sie pflegen?
An dieser Stelle möchte ich auf den Zusammenhang schauen. Frau Leiter war froh, den Beschluss zum Ganztagsbetrieb durchgeboxt zu haben. Sie wusste von den Konflikten, die das noch mit sich bringen würde. Lassen Sie uns an dieser Stelle darüber nachdenken, welchen Führungsstil sie pflegt und welchen Sie pflegen und vor allem, welchen Stil das Kollegium gewohnt ist. Wenn Sie ein Kollegium vorfinden, das vor Ihrem Dienstantritt Laisser-faire kannte, dann haben Sie einen schweren Stand. Hatte Ihr/e Vorgänger/in einen Platz im Lehrerzimmer und war immer in den Pausen dort und war zusätzlich Fußballfan, dann halten Sie es auch so. Andernfalls machen Sie sich auf einen harten Weg gefasst!
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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 14 / 2018

Mit KnowHow und Fingerspitzengefühl – Führung

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13