Helmut Lungershausen

Gegen Druck und Verzetteln

Illustration: Ulrich Deppe unter Verwendung von ©iStock.com / KariHoglund; © Eleonora Vatel / 123rf.com

Helmut Lungershausen

Zeitkompetenz in der Schulleitung

Schulleitungen haben viele Aufgaben und immer viel zu tun. Daraus resultiert das Gefühl, zu wenig Zeit zu haben. Das Gefühl der mangelnden Zeit führt zu dem Wunsch, die zu erledigenden Aufgaben so schnell und effektiv abzuarbeiten, dass Zeit für weitere Aufgaben eingespart oder gewonnen wird. Die Erledigung dieser weiteren Aufgaben verdichtet die Arbeit noch mehr und führt zu Stress. Der Stress führt zu dem Wunsch, die zu erledigenden Aufgaben noch schneller und noch effektiver abzuarbeiten, sodass Zeit für weitere Aufgaben
Sie merken es: Dieses Denken dreht sich im Kreis und führt zum Gefühl der Ausweglosigkeit. Das Bild vom „Hamsterrad macht es plastisch. Natürlich möchte niemand in dieser Situation stecken, aber viele haben das Gefühl, aus dem Hamsterrad der täglichen Anforderungen und Überforderungen nicht mehr herauszukommen. Was kann in solchen Situationen helfen?
Es gibt eine Menge von verschiedenen Zeitmanagement-Methoden, die aber alle eines gemeinsam haben: Sie erfordern einen starken Willen und so viel Selbstdisziplin, dass man seinen „inneren Schweinehund ständig im Griff hat. Das können nur die Allerwenigsten und die haben auch ihr Zeitmanagement im Griff. Es gibt also keine einfach anzuwendenden Methoden, kurzfristig auf ein geregeltes Zeitmanagement umzuschalten. Dennoch gibt es Möglichkeiten, besser und bewusster mit der Zeit umzugehen, nämlich seine persönliche Zeitkompetenz entwickeln.
Das Zeitkompetenz-Modell
Bei der Entwicklung einer persönlichen Zeitkompetenz hilft ein Modell, das aus vier Bausteinen besteht, die hierarchisch angeordnet sind (s Abb.1 ).
  • Zunächst geht es darum zu überlegen, wofür Sie Zeit aufbringen wollen, weil es Ihnen wichtig ist, und in welchen Bereichen Sie Zeit sparen können (Sinngebung).
  • Damit es mit der Zeiteinteilung klappt, müssen Sie Ihre Arbeit mit Ihrem Lebens- und Arbeitsrhythmus in Einklang bringen (Rhythmisierung).
  • Eine gute Zeiteinteilung berücksichtigt die Erfordernisse zum Ausgleich von Aktivität und Passivität, von Arbeits- und Freizeit (Balance).
  • Schließlich gibt es viele kleine praktische Maßnahmen, mit denen die tägliche Arbeit entlastet und zeitsparend gestaltet werden kann (Arbeitsökonomie).
Diese Maßnahmen helfen aber nur dann, wenn die vorhergehenden Schritte erfolgt sind. Ziel der Umsetzung dieses Modells ist die Verbesserung Ihrer Zeitkompetenz: Ihnen soll bewusst werden, wofür Sie Zeit investieren wollen, wobei Sie Zeit sparen können und wie Sie Ihre Arbeit insgesamt effektiver gestalten werden.
A. Sinngebung
Was ist wichtig im Leben? Auf diese Frage muss jeder Mensch seine persönliche Antwort finden. Schulleiterinnen und Schulleiter können von einer Karriere im Ministerium träumen oder als Ziel haben, ihre Schule zur besten in Deutschland zu machen. Sie können die Pflege ihrer Partnerschaft oder familiären Beziehungen in den Vordergrund rücken, weil sie darin Rückhalt und Stabilität finden. Sie können ein erfüllendes Hobby pflegen oder sich für einen Verein engagieren. Sie können auch Zeit in ihre Gesundheit und Fitness investieren, weil das zu Ausgeglichenheit und Zufriedenheit führt. Nur alles zugleich geht nicht!
Sie müssen also reflektieren, was für Ihr Leben wichtig ist, um zu entscheiden, in welchen Bereichen Sie sich Zeit nehmen wollen und in welchen Bereichen Sie diese Zeit einsparen. Wer sich rechtzeitig dieser Frage stellt, macht sich auch die „Opfer der Entscheidung deutlich. Ein Kollege hat mir einmal gesagt: „Das Verhältnis zu meinen Kindern ist zum Opfer meiner Karriere geworden! Diese Äußerung klang nicht so, als wäre sie eine bewusste Entscheidung nach frühzeitiger Überlegung gewesen.
Nehmen Sie sich deshalb Zeit, um zu überlegen, was Ihnen wichtig ist, wofür Sie Ihre begrenzte Zeit einsetzen wollen und was Sie dafür zurückstellen können.
Eine Hilfestellung für Ihre Reflexion zur Sinngebung finden Sie als Download (s. Abb. 2 ...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 21 / 2020

Herausforderungen – Der ganz normale Wahnsinn

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13