Philippe Wampfler

Führung mit Design Thinking?

Philippe Wampfler

Einem Ansatz aus der Kreativbranche folgen

Design Thinking ist ein Modebegriff: Der Anglizismus verbindet auf eine lässige Weise Bildung, Führung, wirtschaftliches Denken und Marketing und ist deswegen sehr breit einsetzbar. Weshalb erhält das Konzept so viel Aufmerksamkeit? Sie liegt u.a. an einer Bildungs- und Führungskrise: Die starre Vorgabe von relevanten Inhalten und feste Hierarchien erweisen sich als zunehmend untauglich, um komplexen gesellschaftlichen Problemen zu begegnen. Design Thinking bedeutet Nutzerzentrierung. Abläufe und Organisation werden von den Akteuren aus verstanden (s. Kasten ).
Das lässt sich am Beispiel der Schule gut zeigen: Was eine gute Schule ist, ist zunächst durch die Erwartungen verschiedener Anspruchsgruppen bestimmt Schüler und Schülerinnen, Eltern, Lehrkräfte, weiterführende Schulen, Wirtschaft, Politik. Die Vorstellungen dieser Gruppen unterscheiden sich nicht nur, sie sind auch innerhalb der Gruppen enorm heterogen. Dazu kommen weitere Faktoren. Eine gute Schule verfügt über entsprechende Ressourcen: Ein zeitgemäßes Schulhaus, technische Infrastruktur, gut ausgebildete, motivierte Lehrkräfte, Angestellte für administrative und unterstützende Arbeiten, ein ergänzendes Betreuungsangebot usw. Sie muss zudem in der Lage sein, für ihre Anliegen zu lobbyieren und die Qualität ihrer Arbeit zu kommunizieren.
Für gesellschaftliche Probleme, wie z.B. die Frage nach der guten Schule, gibt es zwei Ansätze: Einen analytischen, der auf wissenschaftlichen Befunden fußt, Konzepte kritisch diskutiert und sie nach langer Abwägung umsetzt. Seine Schwäche liegt darin, dass diese Art von Problemen keine eindeutigen Lösungen kennt. Deshalb bietet sich ein niederschwelliger Ansatz an, der unterschiedliche Perspektiven kombiniert, so neue Ideen generiert, sie umsetzt und dann aufgrund der Erfahrungen überarbeitet. Dieser Ansatz nennt sich Design Thinking.
Er folgt einem interaktivistischen Planungs- und Führungsverständnis: Dieses geht davon aus, dass Menschen grundsätzlich daran interessiert sind, Ziele zu erreichen und Ideen umzusetzen. Die zentrale Aufgabe der Führung besteht darin, ihnen die nötigen Mittel zu verschaffen und den Prozess zu fokussieren. Interaktive Führungskräfte glauben daran, die Zukunft gestalten zu können. Arbeiten sie in der Schulleitung, bauen sie die Schule der Zukunft ohne genau zu wissen, wie sie funktionieren wird. Dafür bietet Design Thinking Prinzipien und Vorgehensweisen, die aus einem schlau klingenden Managementsatz eine umsetzbare Handlungsanleitung machen. Design Thinking ist in diesem Verständnis:
ein Verfahren im Umgang mit gesellschaftlichen Problemen;
bei dem konkrete und umsetzbare Pläne (Designs) entwickelt werden;
indem verschiedene Perspektiven eingebunden werden;
die sich an der Gestaltung der Zukunft orientieren;
die Erprobung der Pläne führt zu Erfahrungen,
aus denen sich eine Evaluation des Designs ableitet.
Design Thinking verwandelt unbestimmbare und komplexe Probleme in konkrete und überschaubare Situationen.
Design-Thinking-Prinzipien für die Schulleitung
Im Umgang mit Kreativität, etwa bei Architekturprojekten, hat Design Thinking eine lange Geschichte, die bis in die 1960er Jahre zurückreicht. Seitdem haben sich einige konkrete Verfahrensweisen herausgebildet, die im Folgenden auf die Arbeit von Schulleitungen angepasst werden. Gleichwohl ist an dieser Stelle eine Warnung angebracht: Design Thinking ist kein beliebig einsetzbares Werkzeug. Es ist ein umfassender Prozess, der die Strukturen und die Führung von Institutionen verändert.
Die konkreten Eckpunkte des Verfahrens lassen sich an einem Beispiel zeigen: Nehmen wir an, die Zusammenarbeit mit den Eltern sei an einer Schule für viele Lehrkräfte unbefriedigend. Das schlägt sich im Klima nieder, führt zu Abwesenheit bei Elternveranstaltungen sowie zu offenen Konflikten. Wie begegnet man gemäß dem Design-Thinking-Ansatz diesem Problem?
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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 14 / 2018

Mit KnowHow und Fingerspitzengefühl – Führung

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