Christiane von Schachtmeyer

Erkenne dich selbst

Illustration von Ulrich Deppe

Christiane von Schachtmeyer

Persönlichkeitstests und ihr Nutzen

Der amerikanische Ökonom Peter F. Drucker hat folgenden, sehr wahren und weisen Satz geprägt: „Nur wenige Führungskräfte sehen ein, dass sie letztlich nur eine einzige Person führen können und auch müssen. Diese Person sind sie selbst. 1
Sich selbst zu führen ist eine echte Herausforderung. Denn um sich selbst führen zu können, muss man sich gut kennen. Für ein besseres Kennenlernen von sich selbst gibt es viele Möglichkeiten, beispielsweise den Abgleich von Selbstbild und Fremdbild ein Gespräch mit Kollegen und Vertrauten, ein 360-Grad-Feedback oder ein Coaching.
Ein weiteres beliebtes Instrument sind Persönlichkeitstestungen. Was können diese leisten? Im Folgenden werden exemplarisch zwei beliebte Testmodelle vorgestellt und erläutert.
Die Big Five
Die Big Five der Persönlichkeitsfaktoren sind bereits in den 1950er Jahren entwickelt worden und ein Ansatz zur umfassenden Beschreibung der menschlichen Persönlichkeit. „Diese fünf Faktoren sind das Resultat jahrzehntelanger Persönlichkeitsforschung und gelten als die empirisch mit am besten nachgewiesenen Persönlichkeitsmerkmale (Differentielle Psychologie).2 Folgende fünf Faktoren werden beschrieben:
Neurotizismus (Neigung zu emotionaler Labilität, Ängstlichkeit und Traurigkeit);
Extraversion (Neigung zur Geselligkeit und zum Optimismus; Gegenpol: Introversion als Neigung zur Zurückhaltung);
Offenheit für Erfahrung (Neigung zur Wissbegierde, Interesse an neuen Erfahrungen);
Verträglichkeit (Neigung zum Altruismus, zur Kooperation und Nachgiebigkeit);
Gewissenhaftigkeit (Neigung zur Disziplin, zu hoher Leistungsbereitschaft, zur Zuverlässigkeit).
Dabei gehen die Entwickler davon aus, dass sich die Gewichtung der Persönlichkeitsfaktoren im Laufe des Lebens verändern. So wurde z.B. entdeckt, dass die Punktwerte der Bereiche Neurotizismus, Extraversion und Offenheit zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr deutlich abnehmen (das heißt, wir werden immer weniger labil, sozialisierbar und neugierig) und dass die Werte Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit in derselben Periode ansteigen (das heißt, wir werden zunehmend teamorientierter und effektiver). Dieser Zusammenhang ist sehr wichtig, um Verhaltensveränderungen von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zu verstehen, die mit Mitte zwanzig ins Berufsleben eintreten.
Auf der Grundlage dieser fünf Faktoren wurden verschiedene Testverfahren entwickelt, teilweise auch online, die im Feld der Berufsberatung oder der Personalauswahl häufig genutzt werden.
Dabei wird untersucht, wie stark oder schwach dieses Persönlichkeitsmerkmal bei einer Person ausgeprägt ist (s. Tab. ).
Wenn man Anforderungsprofile verschiedener Berufe oder Funktionen mit den Ausprägungen der individuellen Ausprägungen der Big Five abgleicht, so die These, kann man Aussagen über die Eignung für einen Beruf machen. So ist es sicherlich unzweifelhaft günstig, wenn beispielsweise bei einem Sicherheitsingenieur in einem Kraftwerk der Faktor Offenheit für neue Erfahrungen eher schwach ausgeprägt ist, der Faktor Gewissenhaftigkeit dagegen sehr hoch. Nach dem Modell der Big Five eignen sich außerdem für die genannte Aufgabe in der Kontrolle eher etwas ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Die Big Five haben den großen Vorteil, ein übersichtliches Modell anzubieten, das auf dem Weg der Karriereplanung oder Personalentwicklung Orientierung bieten kann. Doch der große Vorteil ist zugleich ihr großer Nachteil: Es ist nicht ersichtlich, warum gerade diese fünf die Big Five sind, und es bleibt zudem zweifelhaft, ob sie genügend Ausdifferenzierung bieten.
Dennoch gelten die Big Five auf dem freien Markt als sehr valides und gut handhabbares Instrument.
Das Reiss-Profil
Einen anderen Ansatz verfolgen die Reiss-Motiv-Profilanalysen, die auch unter Markennamen wie LUXX oder ID37 auf dem Markt sehr verbreitet sind.
Steven Reiss, amerikanischer Motivations- und...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 20 / 2020

Selbstkompetenz – Innere Stärken entfalten

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