Überlegungen zum täglichen Auftreten

Mit oder ohne Schlips?

Der gute Ton, das hat für mich auch einen Aspekt von Umgang und Verhalten als Schulleitung. Wie handhaben Sie es? Begrüßen Sie jeden Tag alle Lehrkräfte Ihrer Schule? Geben Sie Ihrer Sekretärin die Hand? Was ziehen Sie an? Aus meiner Sicht gibt es bei all diesen Fragen Aspekte, die mit der jeweiligen Schule und deren Größe und Schulform zusammenhängen. Es gibt aber auch Grundsätze, die ich als Schulleiter für mein eigenes Verhalten als unverzichtbare Grundlage sehe.

Mann richtet sich die Krawatte
Anzug in der Schule tragen. Foto: Free-Photos/Pixabay CC0 Creative Commons

Vorbildfunktion

So habe ich beispielsweise die Entscheidung getroffen, jeden Tag im Anzug und mit Krawatte zur Schule zu gehen. Ich finde es schwierig, jungen Menschen deutlich zu machen, dass sie bitte in gehobener Kleidung zum Vorstellungsgespräch gehen, während ich selber im Rentierpulli hinter dem Schreibtisch sitze. Für mich hat die Wahl der Kleidung also einen Vorbildaspekt. Dieser gilt sowohl für die Schülerschaft als auch für das Kollegium. Wir als Schulleiterinnen und Schulleiter sind Dienstvorgesetzte. Wir sollen die Verantwortung tragen und die Schule managen. Aus meiner Sicht ist es wichtig, dies auch durch die Wahl der Kleidung darzustellen. Wenn Sie die Entscheidung getroffen haben, Ihre Schule auch als Vorgesetzte(r) zu leiten und nicht nur „primus inter pares“ zu sein, dann spricht auch nichts dagegen, dies zu zeigen. Sie sind nicht gleich, Sie sind Chefin oder Chef.

Genau hier sind wir aber eben an einem Punkt angelangt, der sehr wohl etwas mit der Größe und Schulform zu tun hat. Ich könnte mir schwer vorstellen, eine kleine Dorfschule im Anzug zu leiten. Dennoch kann man auch hier durchaus ein Hemd mit Sakko tragen.

Begrüßung im Lehrerzimmer

Ebenso hat das Ritual der Begrüßung mit der Größe der Schule zu tun. Bei sehr kleinen Schulen ist es wohl selbstverständlich, dass Sie alle Lehrkräfte morgens zumindest mit einem „Guten Morgen“ begrüßen. Sie werden vermutlich sofort wahrnehmen, wenn jemand fehlt. Bei einem sehr großen System ist das anders. Ich bekomme morgens nicht mit, wer krank ist, und um in das Lehrerzimmer zu gehen, bin ich fünf Minuten unterwegs. In einer Pause schaffe ich es kaum, alle Anwesenden zu begrüßen. Dennoch habe ich es mir auch hier zum Grundsatz gemacht, an jedem Tag mindestens einmal durch das Lehrerzimmer zu gehen und alle Lehrkräfte mit einem Handschlag zu begrüßen. Ich halte dies für wichtig. Die Distanz ist aufgrund des Amtes und der Schulgröße sowieso schon sehr groß. Durch die morgendliche Begrüßung biete ich dennoch jedem die Möglichkeit, seine aktuellen Probleme direkt kurz anzusprechen, und ich mache deutlich, dass ich offen bin für Gespräche. Für mich gehört dieses Ritual einfach zum „guten Ton“.

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Es gibt aber auch Schwierigkeiten, die mit diesem Ritual einhergehen. So ist es natürlich in besonders angespannten Situationen mit einzelnen Kollegen oder auch bei einer Gesamtentscheidung für die ganze Schule tatsächlich wie ein Spießroutenlaufen. Dann würde ich lieber in meinem Büro bleiben und mich nicht zeigen. Dennoch tue ich es genau dann ganz bewusst. Ich stelle mich der unangenehmen Lage und ich bin auch für ein Kritikgespräch offen. An diesen Tagen ziehe ich meinen bereits oben erwähnten Anzug eher als Rüstung an denn als Kleidung. Es hilft mir, die Distanz, die ich dann sehr wohl brauche, auch zu zeigen und zu leben. Wir müssen in unseren Aufgaben häufig Entscheidungen treffen, die uns einsam machen, egal, wie groß das System ist, dem wir vorstehen.

Sekretariat und Hausmeister

Gänzlich anders ist für mich die Situation mit Sekretariat und Hausmeistern. Jeden Morgen führt mich mein erster Gang ins Sekretariat. Dort werden alle Anwesenden mit Handschlag begrüßt und es wird auch eine persönliche Frage zum Befinden oder zur aktuellen Situation gestellt. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht meine engsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf diese Weise begrüße. Auch die anderen Schulleitungsmitglieder oder Koordinatoren werden mit Handschlag begrüßt. Auf diese Weise erhalte ich sofort einen Überblick über die aktuelle Situation in den jeweiligen Bereichen. Ich erkenne sehr schnell, wenn jemand angespannt oder überarbeitet ist und kann seine Reaktionen in anderen Situationen viel besser einschätzen.

Dicht am Ball bleiben

Ich möchte Ihnen also ausdrücklich empfehlen, die Zeit in die persön­liche Begrüßung zu investieren. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sie sich auszahlt, da ich sehr schnell einen Überblick habe und „dicht am Ball“ bleibe.

Wenn es zu Ihnen und zu Ihrer Auffassung Ihrer Aufgabe passt, empfehle ich auch die Auswahl einer überdurchschnittlich gehobenen Kleidung. Den einen oder anderen Spruch werden Sie zwar einstecken müssen, aber es „schützt“ Sie in schwierigen psychischen Situa­tionen, und es hilft Ihnen dabei, Ihre Rolle authentisch zu verkörpern.


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