Lars Witte

Wie ich lernte, mir nicht mehr „den Affen aufbinden“ zu lassen

Lars Witte

Effektive Techniken gegen das „Hochdeligieren

Meine ersten Wochen als neues Mitglied der Schulleitung waren sehr anspruchsvoll und abwechslungsreich. Täglich kamen zahlreiche Aufgaben und Anliegen auf mich zu, mit denen ich mich vor der Übernahme meiner ersten Funktionsstelle noch nie konfrontiert gesehen hatte. Meist musste ich die Kolleginnen und Kollegen mit der Antwort „Da bin ich mir nicht sicher, ich kläre das und melde mich dann bei dir vertrösten, weil ich tatsächlich häufig nicht die richtige Antwort wusste. Ich klebte mir einen Haftzettel an mein Whiteboard und ging schnell zu den dringendsten und wichtigsten Aufgaben über. Die Anzahl der Zettel und somit die der unerledigten Aufgaben wuchs stetig.
Vekehrte Verhältnisse
Im Laufe der Zeit und mit wachsender Erfahrung verstärkte sich bei mir der Eindruck, dass es Kolleginnen und Kollegen gab, die wiederholt mit Anliegen an mich herantraten, die aus meiner Sicht nicht in meinem, sondern in deren eigenem Verantwortungsbereich lagen. In diesem Zusammenhang war augenscheinlich, dass sie weniger Hilfe meinerseits erwarteten, sondern sie lediglich Aufgaben an mich abgeben wollten.
So kam ein Kollege in mein Büro und fragte, wer sich eigentlich um die Ausstattung der Sprachlernklassen mit Schränken kümmere. In den ersten Wochen wäre meine typische Reaktion gewesen: „Ich kläre das und melde mich bei dir. Auch wenn mir bereits zu diesem Zeitpunkt bewusst war, dass Anfragen dieser Art nicht meinen Zuständigkeitsbereich tangierten, fehlte mir dennoch die passende Strategie für solche Situationen, da es mir unangenehm war, Kolleginnen und Kollegen nicht die erwünschte Antwort geben zu können.
Meine offensivste Antwort war noch der Verweis auf meine momentane Auslastung (was durchaus der Realität entsprach), weswegen ich mich nicht darum kümmern könne. Zwar sah ich mich so in der Lage, einige Arbeit jenseits meines Verantwortungsbereichs „abzuwehren, dennoch war es nicht befriedigend, die Belastungskarte auszuspielen. Auf Dauer würde ich meiner Führungsposition so nicht gerecht werden und verbessern würde sich meine Situation auch nicht. Es schien mir auch unprofessionell und nicht aufrichtig, mit Ausreden und Ausflüchten arbeiten zu müssen.
Von Managern und Klammer-Affen
Durch Zufall stieß ich auf das Buch „Der Minutenmanager und der Klammer-Affe von Kenneth Blanchard und Kollegen (2002). Der recht merkwürdige Titel weckte mein Interesse und da Kenneth Blanchard als renommierter Autor auf dem Feld des Managements gilt, entschied ich mich, das Buch zu lesen. In dem Managementratgeber steht der Affe (monkey) für unerledigte und häufig auch unangenehme Aufgaben, die die Angestellten ihrem Chef ins Büro tragen wollen, damit er diese für sie übernimmt bis sein Büro einem „Affenzirkus gleicht. Denn unerledigter Aufgaben, also „Affen, wollen gefüttert, unterhalten und beaufsichtigt werden. Diese Affen erzeugen in einem Büro Unmut und Stress und sind auf Dauer eine spürbare Belastung, weil sie von der Erledigung der wichtigsten Aufgaben ablenken.
Das kurzweilig geschriebene Buch öffnete mir die Augen und ich war recht verdutzt, warum ich erst so spät darauf aufmerksam geworden bin: Einzelne Kolleginnen und Kollegen delegierten Arbeit von unten nach oben. Diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter suchten mich bei schwierigen Aufgaben oder Unklarheiten auf und lieferten ihren „Affen bewusst oder unbewusst bei mir ab. Zuerst dachte ich, dass ich für alle anfallenden Aufgaben und Unklarheiten aus dem Kollegium verantwortlich sei. Natürlich sah ich mich als Schulleitungsmitglied in der Verantwortung, ratsuchenden Kolleginnen und Kollegen zu helfen, aber mein Büro mit ihren „Affen zu füllen, war sicherlich nicht meine Aufgabe. Schließlich lieben „Affen es, ihre Pfleger von den eigentlich wichtigen Zuständigkeiten abzuhalten. Das wollte ich in den folgenden Wochen ändern. Dabei ging es mir nicht darum, Tätigkeiten von mir zu weisen,...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 11 / 2018

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