Tjark Ommen

Wenn es ganz dick kommt

Tjark Ommen

Mit Widerstand muss gerechnet werden

Tjark Ommen, Schulleiter in Schwarmstedt/Nds., befasst sich mit Schulleiter-Problemen, die vor allem, aber nicht nur, Anfängerinnen und Anfänger betreffen: Fall 3 der Mini-Serie.

Wir befinden uns im Büro von Frau Leiter. Als Schulleiterin ist sie recht neu und wurde im letzten Fall in ein Gespräch mit der Personalrätin Frau Kantig verwickelt. Im Vertrauen hat diese ihr mitgeteilt, dass die Stimmung seit Frau Leiters Amtsantritt so schlecht sei. Die Frage als Hausaufgabe war: „Wie würden Sie reagieren?.
Vermutlich hätten die meisten von uns die Situation trotz aller Fortbildungen zu Management und Kommunikation auf sich bezogen. Die impulsive Antwort wäre doch wohl meist: „Was kann ich tun, damit das besser wird?, „Glauben Sie, dass das an mir liegt?. Der eine oder die andere würde gar eine Evaluation herbeiführen, wie zufrieden das Kollegium mit der Leitung der Schule ist. Wir wissen alle, dass das kein guter Weg ist, dennoch sind die wenigsten von uns so stark und ausgebildet, um in diesen Momenten anders zu reagieren.
Aber ich möchte uns, die so reagiert hätten, in Schutz nehmen. Wir sind Lehrerinnen und Lehrer, die Leitungsfunktionen übernommen haben und nun Managerinnen und Manager sind. Dennoch haben wir uns irgendwann in unserem Leben dafür entschieden, jungen Menschen auf dem Weg ins Leben zu helfen und ihnen Haltungen und Inhalte beizubringen. Warum? Weil wir soziale Wesen sind mitfühlend und emotional erreichbar. Wir sind keine knallharten Wirtschaftsbosse, denen das Schicksal der Mitarbeitenden egal ist. Das spricht sehr für uns. Hadern Sie also nicht mit sich, wenn Sie in dieser Situation „weich waren und die Aussage der Personalrätin nicht sofort perfekt analysieren und nicht perfekt und professionell kontern konnten.
Sicher wäre eine gute Antwort gewesen: „Was können Sie als Personalrätin denn unternehmen, damit die Stimmung besser wird? oder auch „Ich freue mich darauf, ein Projekt von Ihnen vorgeschlagen zu bekommen, wie wir das ändern können. Aber wer kann schon so souverän reagieren?
Aufgaben wachsen mit der Zeit
Wir springen etwas in der Zeit. Frau Leiter hat ihr erstes Jahr erfolgreich hinter sich gebracht. An dieser Stelle möchte ich einen Eindruck aus vielen Gesprächen schildern. Es scheint ein Verlaufsmuster in der Belastung neuer Schulleiterinnen und Schulleiter zu geben. Entsprechend des Musters Norming Storming Performing läuft ihr erstes Jahr relativ leicht (zumindest in der Rückschau). Man geht die low hanging fruits an, meistert die einfachen Aufgaben, tritt keinem wirklich auf die Füße, optimiert die Abläufe, ohne in den Unterricht der Lehrkräfte einzugreifen. Aber dann Nach ein bis zwei Jahren möchten Sie als Schulleiter/in wirklich etwas verändern. Sie nehmen die großen Themen vor: kollegiale Hospitation, Rhythmisierung der Stunden und des Tages, Einführung des Ganztages etc. Themen also, bei denen Sie sich nicht hinter dem Ministerium verstecken können. (Inklusion hat alle Schulen massiv betroffen, aber sie wurde auf europäischer Ebene verordnet.) Wenn Sie die großen Schulthemen angehen, dann stehen Sie als Leitung dahinter und werden auch von anderen als verantwortlich wargenommen. Und müssen mit Widerstand rechnen.
Es dauert ungefähr die ersten zwei Jahre, bis sie das ganze Kollegium kennengelernt haben. Sie erfahren, wer mitrudert, wer die Ruder hochhält und wer mit voller Kraft gegen Sie arbeitet. So ergeht es auch Frau Leiter. Sie hat die Einführung des Ganztagsbetriebs auf die Agenda gesetzt. Dafür hat sie Verbündete gesucht und verstärkt auf die Unterstützung von Eltern zurückgegriffen, weil diese dies wollten, und hat dann im Schulvorstand mithilfe der Elternstimmen eine Mehrheit herbeigeführt.
Eine Woche nach der Abstimmung im Schulvorstand ist Frau Leiter sehr zufrieden, dass die Veränderung zum Ganztag beschlossen wurde. Ab dem nächsten Schuljahr wird sie eine Ganztagsschule...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 13 / 2018

Stadt Land Bildung – Schule am Ort

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13