Edtih Schütte

Vier Zimmer der Veränderung

Edtih Schütte

Kommunikation in Veränderungsprozessen ermöglichen

Irgendwas ist immer: Inklusion, Umstellung auf Ganztagsbetrieb, Zusammenlegung mit einer anderen Schule, neue Schülergruppen. Kollegien werden häufig vor hohe Anforderungen gestellt. Das verlangt die Bereitschaft, Gewohnheiten aufzugeben und sich auf Neues einzulassen. Selten trifft dies auf ungeteilte Begeisterung. Einige unterstützen anstehende Veränderungen. Andere nehmen das Unvermeid-liche hin. Manche wehren sich aktiv: Sie sehen noch nicht, was sie gewinnen können. Schulleiterinnen und Schulleiter brauchen jetzt gute Nerven und Werkzeuge, mit deren Hilfe sie das Chaos meistern und alle ins Boot holen können. Veränderungsprozesse finden auf der Ebene der Inhalte und Verfahren, vor allem aber auf der Ebene des Verhaltens der beteiligten Personen statt. Genau hier kann man ansetzen, um alle im Kollegium für die Neuerungen zu gewinnen.
Eine Schulleitung braucht dafür Analysewerkzeuge, um die Gesamtsituation und die beteiligten Personen zu verstehen, und Werkzeuge der Überzeugung. Ein bewährtes Werkzeug für die Analyse der Gefühlslage eines Teams nennt sich „Vier Zimmer der Veränderung (Rohm 2006). Die Schulleitung kann damit auf der Basis eigener Einschätzungen die Stimmungslage im Kollegium erfassen oder diese Stimmung in einem Workshop mit dem gesamten Kollegium sichtbar werden lassen und diskutieren.
Veränderungen in Phasen sichtbar machen
Die vier Zimmer der Veränderung symbolisieren die Phasen, die Menschen in Veränderungsprozessen durchlaufen. Die Metapher macht sichtbar, wo die Beteiligten im Veränderungsprozess stehen und welcher seelische Weg noch vor ihnen liegt. Diese Analysemethode macht verschiedene Sichtweisen transparent, die nebeneinander existieren. Jede hat ihre Berechtigung. Diese Einsicht fördert das gegenseitige Verständnis und erleichtert es, gemeinsam Maßnahmen zu entwickeln. Es entlastet die Beteiligten, wenn sie wissen, dass unterschiedliche und oft gegensätzliche Emotionen zu Veränderungsprozessen gehören. Selbst Verleugnung und Verwirrung dürfen sein und sind für die emotionale Verarbeitung notwendig. Bei den Initiatoren und Befürwortern der Veränderung führt die Methode oft zu einem Aha-Erlebnis: Sie erkennen, dass Konflikte und Widerstände normaler Teil der unterschiedlichen Prozessphasen sind und vorübergehen können. Die Abfolge der Phasen ist immer gleich. Jede Phase hat ihre eigene Funktion und muss durchlaufen werden, damit die nächste erreicht werden kann. Die vier Phasen bzw. Zimmer lassen sich so beschreiben:
  • Zimmer der Zufriedenheit: Dort befinden wir uns vor Beginn des Veränderungsprozesses. Hier möchten wir bleiben und das bisher Erreichte genießen und erhalten. Hier fühlen wir uns sicher und als Herr der Dinge. Dieses Zimmer verlassen die meisten nur unter Zwang. Hier gilt das Motto: „Läuft doch alles ...
  • Zimmer der Verleugnung: Dieses betreten wir, wenn wir aus dem Zimmer der Zufriedenheit vertrieben werden. Dort tun wir so, als sei alles in Ordnung. Wir glauben, dass wir alles im Griff haben. Insgeheim jedoch ahnen wir, dass wir uns betrügen. Unbehagen, Frust oder Angst verbergen wir hinter Trotz und Widerstand. Das Motto lautet: „Das kann nicht sein! Wir verschließen Augen und Ohren, damit wir uns der Realität nicht stellen müssen. Häufig versuchen wir, von hier aus auf direktem Weg ins letzte der vier Zimmer zu gelangen: das Zimmer der Erneuerung. Das misslingt, denn uns fehlen noch notwendige Verarbeitungsprozesse.
  • Zimmer der Verwirrung: Erst wenn wir uns unseren Frust und Ärger eingestehen und zugeben, dass wir nicht mehr wissen, was wir tun können, gelingt der Schritt ins Zimmer der Verwirrung. Hier begreifen wir, dass wir im Schlamassel sitzen und dass es kein Zurück gibt. Es herrschen Konfusion und Chaos. Was gestern noch richtig war, ist jetzt falsch. Wie das Neue aussehen wird, ist noch unklar. Wir sind hilflos, ohnmächtig. Hier gilt das Motto: „Verändern...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 10 / 2017

Mit Konflikten umgehen – Auf Krawall gebürstet

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13