Magdalena Wolf

Unterrichtsentwicklung im Team

Illustration: Ulrich Deppe

Magdalena Wolf

Wie durch Hospitation und Reflexion Absprachen entstehen

Unterrichtsentwicklung ist Schulentwicklung, das klingt bekannt und banal. Daraus ergibt sich allerdings: Wenn die Schule sich entwickeln soll (und das muss sie fortwährend), muss sich der Unterricht entwickeln.
Doch wie kann ich die Entwicklung von Unterricht also jenes geschützten Bereiches jeder einzelnen Lehrkraft als Schulleiterin oder Schulleiter steuern? Wie kann ich die Fähigkeiten meiner Kolleginnen und Kollegen nicht nur durch theoretische, schulübergreifende Fortbildungen, sondern anknüpfend an die eigene schulische Kultur und Ausgangslage mit immer wiederkehrender Reflexion des eigenen Handelns weiterentwickeln?
Wir sind eine Hamburger Stadtteilschule mit rund 1000 Schülerinnen und Schülern und gut 100 Lehrerinnen und Lehrern. Viele davon sind Quereinsteiger, denen gemeinsam ist, dass sie unterschiedliche Voraussetzungen und Fähigkeiten mitbringen und jede und jeder mit einem eigenen Bild von gutem Unterricht in der Schule startet. Gleichzeitig ist unsere Schule aus einer Fusion von drei Schulen unterschiedlicher Schulformen als Repräsentant des neuen Schultyps „Statdtteilschule entstanden. Beides ist Grund für eine noch nicht gefestigte gemeinsame (Unterrichts-)Kultur.
Jahrgangsteams als Ausgang der Entwicklung
Regelmäßige Jahrgangsteamzeiten gab es bei uns schon. Diese hatten jedoch den (legitimen) Fokus auf Organisation und Austausch. Eine Belastungsanalyse in unserem Kollegium ergab, dass vor allem Heterogenität und Schülerverhalten als fordernd empfunden wurden. Ein wichtiger Ansatzpunkt für die Schulleitung vor allem unter der Prämisse, dass wir unsere Schülerinnen und Schüler nicht grundlegend verändern oder austauschen können, sondern uns im Umgang mit ihnen professionalisieren müssen. Eigenes Handeln wird nur durch eigene Erfahrungen und durch immer wiederkehrende Reflexion verändert und so war schnell klar, dass wir ein Fähigkeitentraining etablieren möchten, und fragten dazu Unterstützung im Hamburgern Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI) an.
Der Grundgedanke war, einen Organisationsrahmen für die gemeinsame Arbeit eines Jahrgangsteams am eigenen Unterricht zur Verfügung zu stellen, die von einer gemeinsamen Fragestellung ausgehen sollte. Angeleitet durch die Kollegen des Landesinstitutes galt es nun, in einer Auftaktsitzung die Probleme, mit denen die Kolleginnen und Kollegen innerhalb eines Jahrgangs konfrontiert waren, zu benennen und mögliche Ursachen zu identifizieren. So ergab sich ein spezifisches Arbeitsfeld für jeden der drei teilnehmenden Jahrgänge (s. als Beispiel Kasten 1).
Beispiel der Arbeit des Jahrgangs 5
Beispiel der Arbeit des Jahrgangs 5
Konkretisiertes Anliegen: Missachtung der Klassenregeln
So wird das Problem sichtbar: respektloses Verhalten, sich gegenseitig nicht zuhören, quatschen, Nebengespräche, kommentieren
Ursachen (auf die wir Einfluss haben): Mangel an Zuwendung, Sinnhaftigkeit, Überforderung (akut, emotional, Anstrengungsbereitschaft), fehlende/unklare Struktur, Inkonsequenz, Umgang mit Störungen
An diesen Stellschrauben wollen wir als Team etwas ausprobieren:
  • transparente Struktur und Rituale (!)
  • Energiespender (Entspannung/Anspannung)
  • Übernahme von Verantwortung (Selbstwirksamkeit)
  • Beziehung kooperativ gestalten
  • Ziel: bewusstes Erleben positiver Lernatmosphäre und (direktes) individuelles Feedback
Die Leitungsgruppe hatte ein Vorgespräch mit den Referenten des LI und war bei der Auftaktsitzung zur Problemkonkretisierung dabei. Sie haben die Teams im Prozess begleitet, an den Teamsitzungen teilgenommen und die Erwartungen (der Arbeit an einem konkreten Problem) sichtbar gehalten. So wollte die Leitungsgruppe insgesamt die Verbindlichkeit der gemeinsamen Unterrichtsentwicklung erhöhen. Es ging um eine Veränderung sowohl der Lernkultur als auch der Gesprächskultur: Wie offen und reflexiv können wir über Unterricht...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 22 / 2020

KULTUR.MACHT.SCHULE – Organisationskultur

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13