Helmut Lungershausen

Team-Coaching für die Schulleitung

Helmut Lungershausen

Tuning für eine erfolgreiche Zusammenarbeit

Wenn einzelne Personen durch Coaching ihre Performance verbessern, zielbewusster vorgehen und erfolgreicher arbeiten, dann muss das auch für ein Team möglich sein. Der Prozess des Team-Coachings unterscheidet sich jedoch in zwei wesentlichen Punkten von einem Einzel-Coaching.
Der Coach betreut nicht nur eine Person, sondern eine kleine Gruppe (oder ein Tandem). Dadurch werden die Beziehungen untereinander zum Gegenstand des Coachings, denn sie haben entscheidenden Einfluss auf die Arbeit des Leitungsteams. Das bedeutet mehr Kommunikation untereinander sowie eine Haltung der „Multiparteilichkeit des Coachs gegenüber den Teammitgliedern. Der Coach versucht, sich in alle Teammitglieder hineinzuversetzen, lässt sich aber nicht in die Auseinandersetzung zwischen Teammitgliedern hineinziehen.
Auf der anderen Seite erfolgt kein tiefer Einstieg in die Persönlichkeit wie im Einzel-Coaching, denn im Mittelpunkt steht die Sache, nämlich das Gelingen der Arbeit im Team. Individuelle Schwierigkeiten und Probleme können im Team-Coaching allenfalls am Rande Berücksichtigung finden. Natürlich können die psychische Disposition und das Verhalten von Teammitgliedern mögliche Lösungen erschweren, aber es ist nicht möglich, während eines Team-Coachings zugleich Einzelpersonen zu coachen.
Anlässe für ein Team-Coaching der Schulleitung
Der Grund für die Anfrage nach einem Team-Coaching kann recht unterschiedlich sein. Folgende Anlässe wurden bisher von meinen Coachees genannt:
  • Die Team-Zusammensetzung hat sich geändert.
  • Bei der Fülle von Aufgaben fehlt die „Struktur für die gemeinsame Arbeit.
  • Eine größere gemeinsame Aufgabe oder Anstrengung steht bevor.
  • Ein gemeinsames Verständnis von Führung und Leitung ist nicht entwickelt.
  • Im Team gibt es das Gefühl, ein „Tuning könnte die Arbeit verbessern.
  • Es gibt Reibungen oder Störungen im Team.
In einer exemplarischen Studie zu Teamsitzungen der Schulleitung (Jahn 2017, S. 173) wurde festgestellt, dass im Verlaufe einer analysierten Sitzung der erweiterten Schulleitung weniger sachbezogene, pädagogische Fragen abgeklärt wurden, vielmehr wurde um Einfluss, Zugehörigkeit und Vertrauen gerungen. Das ist sicherlich kein Einzelfall.
Die Anfrage für ein Team-Coaching erfolgt in der Regel über die Schulleiterin oder den Schulleiter. Dabei wird häufig eher ein „sachlicher Punkt als Anlass genannt, das Vorhandensein möglicher Beziehungsstörungen wird oft erst im Verlauf des Team-Coachings deutlich. Das ist verständlich und für den Coach kein Problem, denn bei der Teamarbeit sind Sach- und Beziehungsebene immer eng miteinander verwoben (wie aus Abb. 1 ersichtlich wird). Es ist allerdings nicht zielführend, bereits im ersten Kontakt mit dem Auftraggeber (z.B. am Telefon) tiefergehende Fragen zu stellen, weil dann nur die Sichtweise einer Person erläutert würde.
Vor dem Beginn des eigentlichen Team-Coachings findet ein Termin statt, bei dem sich der Coach vorstellt und das mögliche Vorgehen erläutert. Das Team entscheidet nach der Verabschiedung des Coachs darüber, ob es mit diesem Coach und nach seinem Programm arbeiten will. Das ist sehr wichtig, weil die Beziehung von Coach und Gecoachten als ganz wesentlicher Erfolgsfaktor angesehen wird. Diese „therapeutische Allianz gilt im Einzel-Coaching als Erfolgsfaktor Nummer 1 (Pichler 2016, S. 20), spielt aber auch im Team-Coaching eine bedeutende Rolle.
Verlauf des Team-Coaching-Prozesses
Für den Ablauf eines Coaching-Prozesses wird immer wieder auf das „GROW-Modell von Whitmore verwiesen. Allerdings handelt es sich dabei um vier idealtypische Stufen, denn in der Praxis erfolgen auch Rücksprünge oder Vorgriffe.
Dies gilt insbesondere für ein Team-Coaching, denn jedes Team ist anders zusammengesetzt und jede Situation hat ihre Besonderheiten. Hinzu kommt, dass jedes Teammitglied Vorstellungen darüber entwickelt hat, was wichtig und richtig ist....

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 11 / 2018

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