Christiane von Schachtmeyer

Raus aus der Vermeidungskultur!

Christiane von Schachtmeyer

Impulse durch neue Kommunikation- und Entscheidungssettings

„Das Kollegium traut sich nicht, Konflikte anzusprechen. „Alle wollen Freunde sein, keiner spricht Unangenehmes an. „Es gibt keine Feedbackkultur. „Keiner möchte Verantwortung übernehmen. Das sind häufige Klagen von Schulleitungen, die eine bestimmte Kultur an ihrer Schule beschreiben, die man wohl am ehesten als „Vermeidungskultur bezeichnen kann.
In einer solchen Kultur eine Schule innovativ und teamorientiert zu leiten und die Schülerinnen und Schüler zu verantwortungsbewussten Bürgerinnen und Bürgern zu erziehen, das ist schwer. Welche Ansätze zur Kulturveränderung, hin zu mehr Offenheit und Verantwortungsübernahme kann es geben?
Wenn man der These des Soziologen Stefan Kühl folgt, dass Kulturveränderung über die Veränderung von Strukturen geschieht, dann ist die Frage spannend, welche Strukturveränderungen einen Kulturwandel anstoßen können. In der Folge stelle ich Programmstrukturveränderungen vor (mit dem Ziel echter Verantwortungsübernahme und Partizipation) und Veränderungen in der Kommunikationsstruktur, die einen solchen Kulturwandel anstoßen können (vgl. S. Hansen, S. 39 ff. in diesem Heft, die ein offenes Konferenzsetting vorstellt).
Was kennzeichnet eine Vermeidungskultur?
Vermeidungskulturen sind durch einen bestimmten Wertekonsens geprägt: Es besteht Einigkeit, dass die Gemeinschaft und die stillschweigenden Übereinkünfte an der Schule auf keinen Fall gestört werden dürfen. Konflikte sind unerwünscht und werden nicht offen ausgetragen, Entscheidungen sollen möglichst von allen gemeinsam getroffen werden, die Entscheidung erfolgt aber nicht nach Sachkriterien, sondern nach Gruppenzugehörigkeit („Wenn du dagegen bist, bin ich es auch …“). Vorschläge der Leitung werden häufig grundsätzlich abgelehnt, es sei denn, die Leitung definiert sich als Teil des Kollegiums und solidarisiert sich mit ihm gegen alle Anfeindungen von außen einschließlich der vorgesetzten Behörde. Man spricht nicht lösungsorientiert über Probleme, sondern beklagt lieber die mangelnde Verantwortungsübernahme bei anderen (Schülerinnen und Schüler, Eltern, Politik, Schulaufsicht ...).
Natürlich gibt es verschiedene Ausprägungen der Vermeidungskultur, gemeinsam ist ihnen aber die mangelnde Bereitschaft, Probleme offen und lösungsorientiert anzusprechen, Konflikte offen auszutragen und Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen, so wie man es sich eigentlich für eine pädagogische Instruktion, in der vorbildhaftes Handeln so wichtig ist, wünscht (zur Konfliktbearbeitung s. Schule leiten 10/2017 „Auf Krawall gebürstet mit Konflikten umgehen).
In welchen Strukturen kann man also offene Kommunikation, Problemlösung und Verantwortungsübernahme trainieren und so ggf. einen Kulturwandel initiieren?
Veränderung der Kommunikationsstrukturen
Offene Denkräume schaffen mit dem „Thinking Tridem
Die Mutter dieser Methode ist Kommunikationswissenschaftlerin Nancy Kline. Sie plädiert für intensives Zuhören, um Menschen dabei zu unterstützen, kreativ, unabhängig und selbstständig zu denken und um in Teams eine wertschätzende Kommunikationsatmosphäre zu schaffen. Das funktioniert folgendermaßen: In einer Besprechung, Teamsitzung oder Konferenz bilden sich Dreiergruppen, maximal Vierergruppen: Diese haben ein gemeinsames Anliegen und eine Person formuliert dazu eine Leitfrage, wie z.B.: „Wodurch sind die sozialen Dynamiken im 8. Jahrgang gekennzeichnet? Voraussetzung für das Gelingen ist eine gute Leitfrage, sie muss offen genug sein und bei den Teilnehmenden des Tridems (Dreiergruppe) kommt es auf unterschiedliche Erfahrungshintergründe an. Oft ist es auch so, dass die Leitfrage nicht von einem Tridem-Mitglied formuliert wird, sondern dass mehrere Tridems sich über dieselbe, vorgegebene Leitfrage austauschen, wie zum Beispiel: „Was habe ich aus dem Homeschooling der letzten Wochen gelernt?
Wenn das Tridem...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 22 / 2020

KULTUR.MACHT.SCHULE – Organisationskultur

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13