Viktoria Lachenmaier

Prima Klima in der Schule

Viktoria Lachenmaier

Eine Schülerin ruft dazu auf, sich mit Mediation in Konflikte zu stürzen

Herz auf, Mund auf Mediation hilft!
Konflikte gibt es immer und überall die unterschiedlichsten Personengruppen und Methoden können dazu beitragen, diese zu lösen. Eine Möglichkeit, uns Schüler*innen1 bei Konfliktlösungen zu unterstützen, ist der Aufbau von Mediator*innengruppen. Ich schildere diese Situation gerne aus meiner Perspektive als Schülerin des Gymnasiums im oberbayerischen Gars am Inn: Seit vielen Jahren arbeitet an meiner Schule eine Gruppe von Mediator*innen, deren Mitglied ich seit sechs Jahren bin. Acht- bis Zwölftklässler*innen, stets rund 40, werden von einer professionellen Mediatorin und zwei begleitenden und sehr engagierten Lehrerinnen zu Mediator*innen ausgebildet und agieren somit als Peer-Multiplikator*innen. Neben einer zweitägigen Fahrt finden weitere fünf bis sechs Nachmittagstreffen im Schuljahr statt, bei denen wir u.a. aktuelle Fälle besprechen, neue Übungen ausprobieren und uns inhaltlich weiterbilden.
Unser Aufgabenbereich umfasst inzwischen nicht mehr nur Einzelmediationen, in denen zwischen zwei Schüler*innen vermittelt wird. Dort geben wir den Streitparteien die Möglichkeit und den Raum, über ihren Konflikt zu sprechen und selbst eine Lösung zu finden. Vielmehr führen wir seit einigen Jahren standardmäßig mit allen 5. und auf Anfrage auch mit anderen, vorrangig jüngeren Klassen Klassenmediationen durch. Der Aufbau einer solchen Klassenmediation variiert individuell. Einige Klassen brodeln vor Konflikten, die sich zwischen verschiedenen Personen abspielen, andere Klassen haben geschlechterspezifische Probleme. Wieder andere Klassen haben keine auf den ersten Blick sichtbaren Schwierigkeiten, dennoch ist es hilfreich, festzustellen, warum das Klima gut ist und die Gründe zu erkennen, wertzuschätzen und zu pflegen. Die Stimmung in der Klasse wird durch ein „Wohlfühlbarometer eingefangen, das ca. zwei Wochen vor der Mediation von der Klasse ausgefüllt wird. Anhand dessen überlegen sich unsere Lehrerinnen ein Konzept für die Mediation und sprechen es mit den durchführenden Mediator*innen durch.
Spielerisch Erkenntnisse und Vertrauen schaffen
Feste Bestandteile einer Klassenmediation sind gruppendynamische Spiele. Im Angebot haben wir da z.B. das „Stühle-kipp-Spiel, in dem die Klasse erst in zwei oder drei Gruppen und dann im gesamten Kreis hinter den Stühlen steht, diese kippt und mit einer Hand festhält. Die Aufgabe ist es, ohne Kommando von außen im Kreis zu rotieren, sodass jede Person den Stuhl der nächsten Person auffängt und dabei kein Stuhl umfällt. Wenn die Klasse einen gesamten Durchgang erfolgreich geschafft hat, ist das Ziel erreicht und der Prozess gelungen.
Ein anderes von uns oft genutztes Spiel heißt „Reise nach Jerusalem mal anders. Im Gegensatz zur bekannten Variante geht es hier nicht darum, andere auszustechen. Einzelne Personen scheiden nicht nach und nach aus, sondern es werden nach und nach Stühle weggenommen, damit die Klasse immer enger auf den übrig gebliebenen Stühlen zusammenrücken muss. Dieses Spiel ist für Fortgeschrittene, denn es hat mit Berührungen zu tun und lässt sich daher nicht mit jeder Klasse in jeder Phase spielen. Umso effizienter ist es, wenn eine Klasse diese Aufgabe erfolgreich meistert.
Neben solchen gruppendynamischen Spielen begleiten wir auch einen unglaublich interessanten Prozess: Zunächst werden durch ein „Entscheidungsspiel Meinungen zusammengetragen anhand von vorbereiteten (fiktiven und tatsächlich vorgefallenen) Szenarien. Die Schüler*innen sollen entscheiden, ob sie in der Situation einen Konflikt sehen oder nicht. Wichtig ist dabei, dass es kein Richtig und Falsch gibt, im Gegenteil: Es ist total spannend und sicherlich auch eine Erkenntnis für die Gruppe, wenn unterschiedliche Sichtweisen klar werden. Eine andere Methode hat ebenfalls teils fiktive und teils reale Szenarien als Grundlage: Dort...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 10 / 2017

Mit Konflikten umgehen – Auf Krawall gebürstet

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13