Paul Richter

Peer Review in New Delhi

Abschlusspräsentation zum Peer Review (v.l.n.r.): Martin Nickels (ehemaliger stellv. Schulleiter der DSND), Paul Richter (Peer aus Hamburg) und Andreas Hilsbos (Peer aus Südkorea)
Abschlusspräsentation zum Peer Review (v.l.n.r.): Martin Nickels (ehemaliger stellv. Schulleiter der DSND), Paul Richter (Peer aus Hamburg) und Andreas Hilsbos (Peer aus Südkorea) , © Paul Richter

Paul Richter

Qualitätsentwicklung in internationalen Schulkooperationen

Schulen pflegen meist vielfältige Beziehungen zu externen Kooperationspartnern, von örtlichen Vereinen und Initiativen über städtische Einrichtungen bis hin zu lokalen, regionalen oder sogar internationalen Netzwerken. Mit Schulen in 140 verschiedenen Ländern bilden deutsche Schulen im Ausland zumindest geografisch betrachtet das umfassendste deutsche Schulnetzwerk. Auslandsschulen kooperieren in der Regel mit lokalen Partnern in ihren jeweiligen Sitzländern, mit anderen deutschen Schulen in der Region sowie mit Partnern in Deutschland und dem Rest der Welt. Da Auslandsschulen ihr Kooperationsnetzwerk über große Distanzen spannen, bedarf es besonderer Formen der Zusammenarbeit. Ein beeindruckendes Beispiel für die Kooperation von Schulen über Ländergrenzen hinweg liefert das sogenannte Peer-Review-Verfahren.
Schulqualität gemeinsam entwickeln
Unter dem Begriff Peer Review verstehen wir im schulischen Kontext ein Verfahren zur Qualitätsentwicklung, bei dem Elemente der Selbst- und der Fremdevaluation miteinander verknüpft werden. Schulen mit einem konkreten Erkenntnisinteresse laden Kolleginnen und Kollegen aus Nachbarschulen als sogenannte Peers ein, um sich von ihnen Feedback zu holen. Dazu formuliert die einladende Schule Fragen, welche die Peers im Rahmen ihres Schulbesuches untersuchen sollen. Zur Beantwortung der Untersuchungsfragen erheben die Peers eine Vielzahl schulischer Daten und sammeln Informationen. Die Ergebnisse der Untersuchung werden unmittelbar im Anschluss an den Schulbesuch in Kurzform der Schulöffentlichkeit präsentiert und danach nochmals ausführlich in einem schriftlichen Bericht dargelegt.
Der einladenden Schule ermöglicht die Rückmeldung der Peers eine Aufdeckung „blinder Flecken (vgl. Buhren 2018, S. 108; s. auch C. G. Buhren, S. 36ff. in diesem Heft). Die Peers wiederum gewinnen durch ihren „Blick über den Tellerrand Einsichten und Erkenntnisse, die sie an ihren eigenen Schulen in die Qualitätsentwicklung einbringen.
Das Ziel eines Peer Review ist es also, durch eine Schulkooperation gemeinsam die Qualitätsentwicklung voranzubringen, z.B. zur Weiterentwicklung der Schulkultur.
Zur Rolle der Peers
In einem Peer Review nehmen die Peers als „kritische Freunde gewissermaßen eine Doppelrolle ein. Peers sind in der Regel erfahrene Praktiker/-innen. Sie wissen aus eigener Erfahrung, wo die Probleme und Herausforderungen des schulischen Alltags liegen. Aufgrund ihres Erfahrungshintergrundes können Peers bei ihren Beobachtungen oftmals Sensibilität und Verständnis für die Situation der einladenden Schule aufbringen. Als „kritische Freunde begegnen sie ihren Kolleginnen und Kollegen an der einladenden Schule auf Augenhöhe. Das Verhältnis zwischen den beiden Parteien ist somit frei von Kontrolle, Beurteilung und Hierarchie (vgl. ZfA 2017). Dadurch entsteht aufseiten der Schule ein gewisses Maß an Vertrauen und Offenheit gegenüber den Peers. Auf dieser Grundlage können die Peers authentische Einblicke gewinnen und der Schulgemeinschaft fällt es leichter, die Rückmeldung der Peers anzunehmen. Es werden bewusst keine Mitglieder des eigenen Kollegiums als Peers eingesetzt. Die Strukturen, Prozesse und Ergebnisse der Schule sollen möglichst objektiv und kritisch von außen betrachtet und analysiert werden, um ein konstruktives Feedback zu ermöglichen.
An deutschen Schulen im Ausland sind regelmäßige Peer Reviews verbindlich vorgesehen (vgl. ZfA 2019, S. 4). In der Regel laden Auslandsschulen zwei bis vier Personen dazu ein. Oft handelt es sich um Kolleginnen und Kollegen, die an deutschen Schulen in verschiedenen Ländern tätig sind. Die gemeinsame Planung und Vorbereitung eines Peer Review erfordern also andere Organisationsformen und Kommunikationsmittel als Kooperationen auf lokaler Ebene. Die Besonderheiten sollen am Beispiel eines Peer Review an der Deutschen Botschaftsschule New Delhi...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 22 / 2020

KULTUR.MACHT.SCHULE – Organisationskultur

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13