Katharina Weinhold

„Macht das bloß nicht!“

Illustration: Ulrich Deppe unter Verwendung von © kornienko / 123rf.com

Katharina Weinhold

Erfahrungen einer Schulgründungsinitiative in Sachsen

Unsere Schule, die Kulturwerkschule, wurde im Sommer 2019 in Form einer Grund- und Oberschule in Betrieb genommen. Wir, die Träger der Schule, sind eine gGmbH mit vier Gesellschaftern. Diese Konstellation ist bei Gründungsinitiativen eher selten. Wir haben nun drei Jahre intensiver Arbeit an unserer Schule hinter uns und berichten hier von einigen Stolpersteinen und Anstrengungen. Die Hürden, die es auf dem Weg zu einer Schulgründung gibt, sind sowohl verwaltungstechnischer und politischer als auch emotionaler und sozialer Natur. Sie können daher nur eingeschränkt bundeslandübergreifend und auch hinsichtlich der Trägerschaft betrachtet werden.
Bloß nicht idealistisch denken: Beweggründe, eine Schule zu gründen
Neben dem sächsischen Schulgesetz und den Informationen und Handreichungen für Schulen zeigen aktuelle, aber auch ältere pädagogische Veröffentlichungen zahlreiche Möglichkeiten zur Organisation und Gestaltung von Schule auf. Als wissenschaftliche Mitarbeitende der TU Dresden und Dozentinnen, Dozenten im Rahmen der Lehramtsausbildung haben wir uns intensiv mit den Möglichkeiten auseinandergesetzt, eine Schule zu gründen. Zum einen kennen wir zahlreiche freie und öffentliche Schulen, haben dort gearbeitet oder hospitiert oder auch Praktikantinnen und Praktikanten aus den Einrichtungen betreut. Die Eindrücke aus den Schulen und die Wahrnehmungen der aktuellen Herausforderungen und gesellschaftlichen Aufgaben an Schulen zeigten immer wieder, dass es schwierig ist für Schulen und das Schulsystem in Gänze, schnell auf neue Herausforderungen zu reagieren. Zu lange dauern die Aus- und Weiterbildungsprozesse, die Anpassungen der Verwaltungsvorgaben sowie der rechtlichen Vorgaben. Sehr viel Zeit nehmen aber auch Teambildungsprozesse hinsichtlich pädagogischer Anpassungen in Anspruch. Uns erschien es daher sinnvoll, die Freiheiten einer neu zu gründenden Schule in freier Trägerschaft zu nutzen. Wir wollten uns gemeinsam auf den Weg machen, die Erfahrungen, das Wissen um Schule zu bündeln und den Herausforderungen planvoll bzw. konzeptionell zu begegnen. Es war nicht unsere Intention, ein Gegenstück zu anderen Schulen zu entwickeln, ebenso wenig wollten wir eine spezielle Schule für unsere eigenen Kinder gründen.
Bloß nicht logisch denken: Erfordernisse zur Gründung einer Schule in freier Trägerschaft
In Sachsen sind die Vorgaben für Schulgründungsinitiativen geregelt durch das Gesetz für Schulen in freier Trägerschaft (SächsFrTrSchulG) und die entsprechende Verordnung dazu (SächsFrTrSchulVO). Die Genehmigungsbehörde, das sächsische Landesamt für Schule und Bildung, berät zur Antragstellung, prüft die Anträge und gibt den zeitlichen Rahmen für die Bearbeitung der Anträge (Nachträge, aber auch Genehmigungszeitpunkt) vor. Der Antrag auf Genehmigung einer Ersatzschule (die eine öffentliche Schule ersetzt) soll Aussagen zu folgenden Punkten beinhalten:Träger (Verein, GmbH, gGmbH usw.), inhaltliche Angaben zur Schule (Konzept, Lehrplanorientierung), Schulleitung und Lehrkräfte (Verträge, Bezahlung, Ausbildung), Schülerinnen und Schüler (Anzahl, Zusammensetzung), sächliche Angaben über die Schule (Gebäude, Ausstattung ) sowie Angaben zur Finanzierung des Schulbetriebs.
Die Anforderungen für die Genehmigung einer Ersatzschule sind zunächst durchaus logisch nachzuvollziehen. Die Herausforderung entsteht für Gründungsinitiativen dadurch, dass die Beantragung zum 1. Dezember des Vorjahres der beabsichtigten Schulgründung erfolgen muss. Das bedeutet, dass die Initiativen mindestens acht Monate vor der geplanten Schuleröffnung die dann noch nicht sicher ist einen Finanzplan mit Kreditzusage, einen Miet- oder Kaufvertrag für ein passendes Objekt und Verträge mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorweisen müssen. Die Genehmigungsbehörde übernimmt keine Vorabprüfung des pädagogischen Konzeptes, um Aussagen zur Genehmigungsfähigkeit...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 21 / 2020

Herausforderungen – Der ganz normale Wahnsinn

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13