Dirk Zorn

Lehrkräfte für den Ganztag gewinnen

Dirk Zorn

Veränderungsmanagement für Schulleitungen

Wer gute Ganztagsschulen will, benötigt dazu Akzeptanz und Engagement seitens der Lehrkräfte. Denn Lehrkräfte spielen für den Erfolg eine zentrale Rolle: Durch ihre Anwesenheit über den ganzen Tag entstehen Möglichkeiten für den systematischen und regelmäßigen Austausch im Lehrerteam und mit den anderen beteiligten Professionen sowie Vereinen etc. Das fördert neben einer gemeinsamen pädagogischen Grundhaltung auch den multiperspektivischen Blick auf Schülerinnen und Schüler, etwa auf deren Unterstützungs- und Forderungsbedarfe. Bislang steht immer noch ein Großteil der Lehrkräfte dem Ganztag skeptisch bis ablehnend gegenüber. Erschwert wird die Ausgangslage auch dadurch, dass Lehrkräfte bislang an den meisten lehrerbildenden Hochschulen für den Unterricht an einer Halbtagsschule ausgebildet werden. Wie können Schulleitungen ihre Lehrkräfte vor diesem Hintergrund dennoch dazu bewegen, sich auf das Wagnis Ganztagsschule einzulassen und die Entwicklung einer neuen Lernkultur zu unterstützen?
Auf Eigenverantwortung setzen
Menschen haben ein grundsätzliches Bedürfnis danach, ihren Wunsch nach autonomer Selbstbehauptung zu bekräftigen. Das ist einer der zentralen Befunde der Organisationsforschung. Wenn Mitarbeitern kommuniziert wird, ihr Verhalten sei Teil des Problems, wächst als unbeabsichtigte Nebenfolge das Bedürfnis dieser Mitarbeiter, ihre Autonomie zu bekräftigen. Die Folge: Das ursprüngliche Verhalten verfestigt sich weiter.
Schulleitungen sollten im Interesse einer wirksamen Organisationsentwicklung deshalb auf Beteiligung, Begegnung und Bedeutsamkeit setzen: das „3-B-Prinzip (s. Kasten ).
1. Beteiligung: Verantwortungsübernahme ermöglichen
Auf Freiwilligkeit beruhende Maßnahmen begünstigen Verhaltensänderungen. Dahinter steckt der psychologische Mechanismus der „kognitiven Dissonanz. Derjenige, der ursprünglich eine andere als die gewünschte Haltung hat, wird allein dadurch, dass er freiwillig z.B. an einer Arbeitsgruppe mitwirkt, bestrebt sein, seine Haltung wieder in Übereinstimmung mit dem verlangten Verhalten zu bringen.
2. Begegnung: Kontaktflächen mit Unbekanntem schaffen
Hinter dem Prinzip „Begegnung steckt die sog. Kontakthypothese: Abneigungen und Vorurteile sind demnach oft besonders bei denjenigen Gruppen verbreitet, die mit dem infrage stehenden Gegenstandkaum Berührung haben. Werden hingegen Möglichkeiten zum Kontakt geschaffen, wächst die Toleranz.
3. Bedeutsamkeit: Bedürfnis nach sozialer Anerkennung als Triebfeder nutzen
Erfolgreiches Veränderungsmanagement macht sich den Wunsch nach Anerkennung zunutze. Transparenz über Ziele und erreichte Zwischenschritte sind essentiell, um die Bedeutsamkeit einer Maßnahme herauszustellen und allen Beteiligten immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. Dies beinhaltet auch, dass es glaubwürdige Konsequenzen geben muss. Im besten Fall funktioniert das Prinzip der Bedeutsamkeit wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.
Ganztagsschule zur Chefsache machen
Die zentrale Erkenntnis aus Interviews mit Schulleitungen von Ganztagsschulen, denen es gelungen ist, Akzeptanz für die Idee bei ihren Kollegien zu erzeugen: Diese erfolgreichen Schulleitungen haben intuitiv das 3-B-Prinzip beherzigt. Sie setzen bei der pädagogischen Umgestaltung ihrer Schule auf Beteiligung und Begegnung. Sie stellen zudem sicher, dass ihr eigenes Handeln die Bedeutsamkeit des eingeschlagenen Weges widerspiegelt und die damit verknüpfte Zielsetzung stets wahrnehmbar bleibt. Die Mehrzahl der Maßnahmen setzt dabei nicht ausschließlich auf einen der drei Wirkmechanismen, sondern auf deren Verbindung.
1. Möglichkeiten zur Beteiligung bei der Transformation
Erfahrene Schulleitungen wissen um die Bedeutsamkeit des richtigen Timings. Es spielt eine wichtige Rolle, das gesamte Kollegium möglichst frühzeitig in die Entwicklung und Planung eines Konzepts zur Umsetzung und Ausgestaltung der...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 13 / 2018

Stadt Land Bildung – Schule am Ort

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13