Christiane von Schachtmeyer

Kritik und Würdigung

Christiane von Schachtmeyer

Führungsverhalten im Konfliktfall

Nun war das Kind in den Brunnen gefallen. Schon lange schwelte der Konflikt im Team, weil die Kollegin Jensen immer wieder unpünktlich war. Ihre Unpünktlichkeit hätte heute nun fast sehr unangenehme Konsequenzen gehabt die rechtzeitige Abgabe der Unterlagen für einen renommierten Wettbewerb war dadurch fast gescheitert und im Lehrerzimmer ging es hoch her. Als die Abteilungsleitung ihr vorwarf, sie sei immer unpünktlich und das nerve schließlich alle, antworte Kollegin Jensen: „Aber gesagt habt ihr nie etwas und meine Beiträge zum Wettbewerb, die interessieren hier ja sowieso keinen!
Zurück in ihrem Büro muss die Abteilungsleitung in einer stillen Minute zugeben, dass die Kollegin Jensen nicht völlig unrecht mit ihren Vorwürfen hatte. Was wäre denn ihre Aufgabe als Führungskraft in diesem Zusammenhang gewesen? Die Äußerung von Würdigung und Kritik gehört zu den zentralen Führungsaufgaben. Ohne sie sind kein wertschätzender Umgang, keine wertschätzende Kommunikation, weniger Vertrauen vorhanden und dafür mehr Aussichten, Konflikte an die Wand zu fahren.
Würdigung und Kritik haben vier Hauptfunktionen:
Informationsaspekt: Die Lehrkraft weiß, wo sie steht, ob sie die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt.
Lernaspekt: Würdigung kann gewünschtes Verhalten stabilisieren, Kritik kann dazu führen, dass nicht erwünschtes Verhalten sich nicht stabilisiert bzw. sich verändert.
Motivationsaspekt: Würdigung kann die Motivation erhöhen, Kritik kann demotivieren, vor allem wenn sie öffentlich und/oder herabsetzend geäußert wird oder der Anlass für die Kritik gegebenenfalls in einer Überforderung liegt. Die Führungskraft muss also in der Vorbereitung gut darüber nachdenken, welche Gründe es für die Kritik gibt, um diese auch angemessen äußern zu können.
Sozialer Aspekt: Würdigung intensiviert die Bindung zwischen der Person, die die Würdigung gibt, und der, die sie empfängt. Kritik kann die gegenteilige Wirkung haben, wenn sie unangemessen geäußert wird, allerdings ist der Schaden, wenn kritikwürdige Umstände nicht angesprochen werden, noch größer.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass es im Interesse einer wertschätzenden Professionalisierung hier nicht um Lob und Tadel geht. Lob und Tadel haben eher eine dominante, väterliche oder mütterliche Attitüde. Hier geht es darum, sich in einem Würdigungsgespräch für die Leistungen und Kompetenzen der Mitarbeiter zu interessieren bzw. in einem Kritikgespräch zu zeigen, dass die Leistungen eines Mitarbeiters einem nicht gleichgültig sind und gleichzeitig Transparenz bei Anforderungen und Erwartungen an den Mitarbeiter herzustellen.
Damit wird auch deutlich, dass es sehr wichtig ist, weder die eine noch die andere Gesprächsart zu vernachlässigen. Bei beiden Gesprächstypen geht es um Wege des Gelingens: Beim Würdigungsgespräch wird in die Vergangenheit geschaut: Welche Wege des Gelingens gab es? Beim Kritikgespräch geht es um den Blick in die Zukunft: Welche Wege des Gelingens sind denkbar?
Würdigung und Kritik richtig äußern
Wie führt man also ein Würdigungsgespräch und ein Kritikgespräch? Beide müssen nicht lang sein, beide sollten aber vorbereitet und am besten unter vier Augen geführt werden. Und da es im Schulalltag erfahrungsgemäß wenig Zeit für die Vorbereitung und Durchführung solcher Gespräche gibt, folgt hier ein kleiner Leitfaden. Das Vorgehen wird erläutert am Beispiel der Kollegin Jensen:
Würdigungsgespräch
Zur Vorbereitung: Anlässe sammeln und einschätzen, welche einen sinnvollen Anlass bieten. (Also z.B. nicht immer das Offensichtliche, wie die Kunstausstellung im Foyer, würdigen, sondern den großen Lernfortschritt eines Schülers, die große Sorgfalt und Schnelligkeit bei den Korrekturen der Klassenarbeiten, die klaglose Übernahme des Vertretungsunterrichtes für den langzeiterkrankten Kollegen mit begeisterten Rückmeldungen von den Eltern )
Bei der Durchführung ist zu...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 10 / 2017

Mit Konflikten umgehen – Auf Krawall gebürstet

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13