Astrid Schreyögg

Konflikte?

Astrid Schreyögg

Was sie ausmacht und wie sie zu regulieren sind

Konflikte sind in jedem Sozialsystem, so auch in Schulen, allgegenwärtig. Der „Matador der deutschsprachigen Konfliktdebatte, Friedrich Glasl, versteht unter einem sozialen Konflikt (und nur davon soll hier die Rede sein, nicht von innerpsychischen Varianten) „eine Interaktion zwischen Akteuren (Individuen, Gruppen, Organisationen, Nationen), wobei wenigstens ein Aktor Unvereinbarkeiten im Denken, Vorstellen/Wahrnehmen und/oder Fühlen und/oder Wollen mit dem anderen Aktor in der Art erlebt, dass im Realisieren eine Beeinträchtigung durch einen anderen Aktor erfolge (Glasl 2009, S. 14). Das bedeutet vereinfacht gesagt, dass zwischen zwei Interaktionspartnern, etwa zwischen zwei Lehrern, kein Gleichklang besteht.
In der Literatur werden Konflikte unterschiedlich beschrieben.
  • Teils werden Konflikte als gefährlich betrachtet, die möglichst schnell zu beseitigen sind oder als Phänomene, denen man vorbeugen sollte (Glasl 2009).
  • Oder man sieht sie als selbstverständliche Erscheinung in Sozialsystemen (Dahrendorf 1961).
  • Manche Autoren begreifen sie sogar als förderlich für eine jeweilige Organisation. So weisen De Dreu & Van de Vliert (1997) darauf hin, dass man oft erst durch Konflikte im System auf Probleme aufmerksam wird, um diese dann zu bewältigen. So könnte in einer Schule der Konflikt zwischen der Schulleiterin und dem didaktischen Leiter darauf hinweisen, dass hier zu lange an traditionellen Unterrichtsformen festgehalten wurde.
Vor der Bearbeitung eines Konfliktes ist allerdings immer seine sorgfältige Analyse notwendig. Dann ist vorrangig zu ermitteln, welche soziale Reichweite er hat und auf welchem Eskalationsniveau er sich befindet.
Die soziale Reichweite von Konflikten
Konflikte können lediglich zwischen zwei Personen, etwa zwei Lehrkräften stattfinden („Mikrokonflikt). Sie können aber auch zwei Parteien (sprich: zwei Gruppen, z.B. zwischen den Philologen und den Naturwissenschaftlern einer Schule) umfassen („Mesokonflikt). Eine Partei ist meistens durch einen Hauptakteur und seine jeweiligen „Hintermannschaften (Glasl 2009) charakterisiert. Die Hintermannschaft feuert den Hauptakteur an, damit er die gegnerische Partei nach Kräften attackiert. Da es sich bei solchen Konflikten um komplexe gruppendynamische Phänomene handelt, sind sie weitaus schwerer zu bewältigen als Mikrokonflikte. Die Gruppen können sich nämlich durch die jeweils andere Partei als Außenfeind ganz wunderbar festigen, sodass sie oft keinerlei Bereitschaft zur Beilegung des Konfliktes zeigen. Noch schwieriger stellt sich die Konfliktbewältigung dar, wenn ein Konflikt über eine jeweilige Organisation „hinausschwappt und zum „Makrokonflikt wird, in den Presse, Rechtsanwälte und andere Außenstehende einbezogen sind. Das begegnet uns in Fällen, wo das Konfliktgeschehen einer Schule bis in die Kommunalpolitik hineingetragen wird. Dann agieren viele Personen mit unterschiedlichen Interessen mit, sodass schließlich weder die konfliktäre Ausgangslage, noch die Zugehörigkeit zu einer Konfliktpartei zu durchschauen sind. Im Verlauf solcher Konflikte findet meistens eine Vielzahl von gegenseitigen Schädigungen statt, sodass beide Parteien Schaden nehmen.
Der Eskalationsprozess von Konflikten
Der Konfliktprozess wird in der Regel als stufenförmiges Phänomen beschrieben, bei dem das Aggressionspotenzial über „Wendepunkte gesteigert wird: Konflikte beginnen mit irgendeinem Dissens, über den noch unverkrampft diskutiert wird. Wenn sich aber eine Partei, etwa der Klassenleiter, in Positur stellt, um etwa dem Mathematiklehrer seine Ansichten dezidiert vorzutragen, dass z.B. schlechte Noten die Schüler nur demotivieren, haben wir es mit dem ersten Wendepunkt zu tun. Dann wird sich nämlich die Gegenseite aufgefordert fühlen, eine alternative Meinung zu „verkünden. Der Dialog wird jetzt zunehmend schleppender, man hört sich aber noch zu,...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 10 / 2017

Mit Konflikten umgehen – Auf Krawall gebürstet

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13