Helmut Lungershausen

Können Steuergruppen unterstützen und entlasten?

Helmut Lungershausen

Ein praktikables Modell anstelle überhöhter Ansprüche

Steuergruppen werden unter der Maßgabe, Schulentwicklungsprozesse zu koordinieren, gebildet. Sie werden dazu mit einem Auftrag versehen und für einen umrissenen Zeitraum eingerichtet. Für ihren festgelegten Bereich haben sie zudem Entscheidungsbefugnisse. Als Gruppen mit Projektcharakter sollen sie die Schulleitung bei ebendiesem Projekt unterstützen und entlasten. Aber wie kann das gelingen?
In der aktuellen Literatur findet man dazu oft lange Listen mit Gelingensbedingungen. So scheibt etwa Stephan G. Huber, Leiter des Schweizer Instituts für Bildungsmanagement und Bildungsökonomie, dass Steuergruppen für eine erfolgreiche Arbeit folgende Bedingungen erfüllen sollen (Huber 2017, S. 28): „u.a.
1. Motivation
2. Qualifizierung
3. Legitimation durch die Schulleitung und Rollenklarheit
4. einen klaren Auftrag
5. Anerkennung in unterschiedlicher Form, z.B. durch Ermöglichen von Entscheidungsfreiräumen
6. zeitliche, räumliche und sächliche bzw. materielle Ressourcen
7. ein Mandat des Kollegiums
8. interne Rollenklarheit
9. effektive und effiziente Arbeitsformen (eine gute Sitzungskultur, faire Arbeitsaufteilung etc.)
10. selbst eine Koordination
11. eine angemessene Kommunikation zu den schulischen Akteuren, insbesondere zu den Kolleginnen und Kollegen
12. Ambiguitätstoleranz und die Fähigkeit, konstruktiv mit Widersprüchlichkeit umzugehen
13. Geduld und
14. Unterstützung.
Nimmt man nun die 14 Gelingensbedingungen unter die Lupe und gleicht sie mit der Realität ab, so kann man feststellen, dass kaum eine real existierende Steuergruppe alle diese Voraussetzungen erfüllt. Die Formulierung „u. a. verweist ja darauf, dass es noch viel mehr Punkte gibt, die Voraussetzung einer gelingenden Arbeit sind oder sein können. Die Hürden für eine erfolgreiche Arbeit von Steuergruppen sind also (fast unerreichbar) hoch gesteckt.
Weshalb schraubt ein Schulentwicklungstheoretiker die Anforderungen so hoch? Da er die Probleme mit Steuergruppen kennt und thematisiert hat, kann man eigentlich nur die Absicht vermuten, dass er sich gegen Kritik aus der Praxis zu immunisieren versucht.
Klagt nämlich eine Schulleitung darüber, dass die Steuergruppe sie nicht unterstützt und entlastet, so kann Huber auf die (mindestens) 14 Voraussetzungen verweisen, die dafür erforderlich sind. Damit liegt der Schwarze Peter bei der Schulleitung, die so ungeschickt oder unvermögend bei der Gestaltung der Steuergruppenarbeit gehandelt hat, dass sich der Erfolg nicht eingestellt hat.
Damit finden wir ein gleichsinniges Muster der Schulentwicklungs-Akademiker, wie von J. Schlee (2014) beschrieben: Den Schulen wird ein Defizit vorgehalten (mangelnde Unterstützung und Entlastung der Schulleitung). Dann wird ein mögliches oder wichtiges Rezept vorgegeben (hier: Steuergruppe).
Für die Umsetzung werden sehr hohe Anforderungen gestellt (hier: 14 + x Punkte). Für die Realisierung (bzw. das vorprogrammierte Scheitern) ist dann allein die Schule verantwortlich.
Was tun?
Wie können Steuergruppen zur Entlastung der Schulleitungen beitragen ohne dass zunächst 14 + x Voraussetzungen erfüllt sein müssen? Der Schlüssel liegt m.E. in der Positionierung der Steuergruppe. Tritt sie als Unterstützungs- und Entlastungsgruppe für die Schulleitung an, sind die Reaktionen im Kollegium absehbar: Sie gerät schnell in den Verdacht von Klüngelei und Mauschelei, bei denen Entscheidungen am Kollegium vorbei getroffen werden sollen. Tritt die Steuergruppe umgekehrt als autonomes Organ auf, das sich im (vermeintlichen) Sinne des Kollegiums gegen die Schulleitung positioniert, so sind Konflikte ebenso programmiert.
Die Steuergruppe kann also nur erfolgreich arbeiten, wenn sie eine Vermittlungsfunktion zwischen der Schulleitung und dem Kollegium wahrnimmt. Anstatt sich selbst inhaltlich zu positionieren und festzulegen, sollte sie ihre Aufgabe in der Prozessbegleitung sehen. Das...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 11 / 2018

Schulleitung unterstützen – Hilfe zur Selbsthilfe

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13