Irene Appiah

Interkulturelle Elternkooperation

Irene Appiah

Eingehen auf eine wichtige Gruppe von „Externen

Elternarbeit versus Elternkooperation
Wer die Mitarbeit von Eltern in der Schule auf Ausflüge, Hilfe bei der Essensausgabe und Buffetbeiträge für Veranstaltungen reduziert, schöpft die Möglichkeiten der Elternpartizipation nicht voll aus. Es ist jedoch oft der von Schulseite erwünschte Beitrag, weil er punktuell und abschließend ist. Dennoch beklagen etliche Schulen das Fehlen von kontinuierlicher, nachhaltiger Beteiligung. Das Schulleben und -klima gemeinsam mit allen Akteuren zu gestalten, fordert jedoch Kooperationswillen von Eltern wie vom pädagogischen Personal. Nachfolgende Ausführungen haben das Ziel, Elternkooperation zu fördern und zu fordern.
Was soll Interkulturalität hier heißen?
So unterschiedlich wie „Deutsche ohne Migrationsgeschichte sind, so unterschiedlich sind „Migranten in Deutschland.1 Dabei besteht nach einem erweiterten Kulturbegriff „jede Gesellschaft aus zahlreichen Teilkulturen. [] Jeder Mensch ist somit Träger/-in vieler unterschiedlicher Kulturen.2
In der Praxis stellen sich jedoch häufig die nationalen/regionalen, ethnischen, sprachlichen und religiösen Unterschiede als wesentliche Herausforderung dar und scheinen für viele Missverständnisse und Distanzierungen der Grund zu sein. Tatsächlich zeigt sich in der schulischen Arbeit oft, dass kultursensible Kommunikation und Kompetenzen noch stärker fokussiert werden müssen. Diese Fähigkeiten sind elementar, um ein Vertrauensverhältnis mit Eltern aufzubauen.
Vorbeugende interkulturelle Elternkooperation
Als Schulleitung sollten Sie die wichtigsten Konfliktfelder kennen, die interessierte, aber zurückhaltende Eltern davon abhalten, mit Schule gemeinschaftlich zu arbeiten:
  • herkunftsbedingte Unterschiede und Besonderheiten;
  • Schullaufbahnentscheidungen;
  • Diskriminierungs- und Mobbingvorwürfe gegen Mitschülerinnen und Mitschüler;3
  • Diskriminierungsvorwürfe gegen das pädagogische Fachpersonal.
Um diesen und weiteren Herausforderungen entgegenzutreten, kann die Schulleitung für die Zusammenarbeit drei Stränge verfolgen:
1. Kooperation des schulischen Personals und schulischer Unterstützungssysteme
Wichtig ist, dass das Kollegium in die Entwicklungsarbeit involviert ist, z.B. in einem Arbeitskreis, am besten mit Eltern- und Schülerbeteiligung. Wichtige Bausteine wären dafür:
  • Kommunikationswege mit Eltern verbessern: Sprachkompetenzen helfen dabei, innerhalb der Klassengemeinschaften „Sprachkreisketten4 zu bilden.
  • Über eine Positionierung der neuen Sprachkreiskettensprecherinnen oder -sprecher machen Sie diese zu potenziellen indirekten Elternvertreter/-innen.
  • Entwicklung von einheitlichen Richtlinien und Empfehlungen für Themen, die Konfliktpotenzial haben (z.B. Ramadan in der Grundschule, Verweigerung der Teilnahme am Schwimmunterricht, Klassenreisen, Gebetsräume, Sexualerziehung, Verdacht von Kindeswohlgefährdung).5 Das pädagogische Personal sollte insbesondere bei Gesprächen, die in die Tiefe gehen und einen fließenden Übergang in die Privatsphäre haben, Kulturmittlerinnen und Kulturmittler6 einbinden. Sie übermitteln nicht nur Worte, sondern auch den Sinngehalt, erkennen potenzielle Fallen, die zu Missverständnissen führen können, und setzen ihr schulisches Fachwissen und das ethnisch-kulturelle Verständnis ein, um die Differenzen zu (er-)klären.
  • Fortbildungsangebote zur Gesprächsführung mit Eltern, Eltern-Lehrer-Fortbildungen oder Systematisches Elterncoaching7 für die Lehrkräfte wahrnehmen.
2. Kooperationen mit Migrantenvereinen
Einige Communities sind über die herkömmlichen Wege, wie z.B. über ein Elterncafé, nicht erreichbar. Dann sollten Sie veranlassen, Netzwerkarbeit mit den größeren Migrantenselbstorganisationen (MSO) in Ihrer Region zu betreiben. MSO sind migrantische Vereinigungen (einschließlich religiöser), die ein bestimmtes Interesse verfolgen und/oder bestenfalls thematisch einen Schwerpunkt auf Bildung, Sport und...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 12 / 2018

Nicht-lehrendes Personal – Ohne die nichts läuft

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13