Anne Sass, Susanne Oberdrevermann

Einzelcoaching für die Schulleitung

Anne Sass, Susanne Oberdrevermann

Alltag entschleunigen, Perspektiven wechseln, Lösungen sehen

Einzelcoaching ist konsequent bedarfsorientiert und integral-systemisch, um je nach Ziel die beteiligten Akteurinnen und Akteure in den Blick zu nehmen. Im vorgestellten Fall ist es die Schulleitung selbst. Es könnten aber auch Lehrerinnen und Lehrer sowie Lernende, Hausmeister bzw. -meisterin und Mitarbeitende im Schulsekretariat, Eltern und personen im schulischen Umfeld sein. Das gezeigte Einzelcoaching enthält Interventionen und Methoden, die einen Perspektivenwechsel ermöglichen und mit deren Hilfe der Coachee tragfähige Lösungen entwickeln kann, die das eigene Leitungshandeln stützen und die persönlichen Ressourcen stärken.
Schulleiter K. ein Fallbeispiel
Mal angenommen, Herr K. ist seit neun Monaten Schulleiter an einer Sekundarschule. Erste Erfahrungen in der Schulleitung hatte er schon als Konrektor an einer Realschule gesammelt.
Der Rollenwechsel vom Mathe- und Informatiklehrer zum Konrektor an derselben Schule führte zu vielen Diskussionen und Irritationen mit seinen Kolleginnen und Kollegen. Plötzlich sahen fast alle in ihm nur noch den Hüter des Stundenplans und nicht mehr den netten, freundlichen Kollegen. Er reagierte darauf, indem er sich abgrenzte und konsequente und strikte Anweisungen gab und unbequeme Entscheidungen auch gegen Widerstände des Kollegiums durchsetzte. Von der Schulleiterin bekam er Rückendeckung. Diese ließ ihm ziemlich freie Hand und war froh, dass jemand unliebsame Aufgaben ausführte.
Nach vier Jahren übernahm Herr K. die Leitung einer Schule im Nachbarort. Schon bald stellte er fest, dass sein bisheriger Leitungsstil nicht ankam. Die Schulentwicklung stagnierte und im Kollegium spürte er bei von ihm angestrebten Veränderungen Gegenwind. Als dann auch noch die Konrektorin klagte, sie habe es satt, nur nach seiner Pfeife zu tanzen, merkte er, dass er allein nicht vorankommen würde.
Eine Kollegin empfahl ihm ein Coaching. Er hielt nicht viel von solchen „Selbsterfahrungsgruppen. Doch als die Situation begann, auch seine persönliche Lebensqualität zu beeinträchtigen (schlaflose Nächte, Unausgeglichenheit, die zu Streitereien im Privatleben führten), kontaktierte er die Coaching Initiative.
Er vereinbarte einen ersten Termin und war überrascht, dass die beiden Coaches darauf bestanden, zu zweit zu kommen und zunächst den Auftrag zu klären. Er hatte doch schon am Telefon betont, dass er Tipps und Tricks brauche, um die Schule besser in den Griff zu bekommen.
Der Coachingprozess
Das erste Gespräch: die Auftragsklärung
Mal wieder so ein Tag im Leben des Schulleiters K.: Ständig Fragen über Fragen aus dem Sekretariat, von unzufriedenen Kollegen und Kolleginnen, von Schülern und Schülerinnen oder den herausfordernden Eltern. Alles muss er schnell zwischen Tür und Angel erledigen! Dringend müsste er auch noch bei der Bezirksregierung die neuen Stellen für das kommende Schuljahr beantragen!
Doch im Kalender steht: 11:00 Uhr, das erste Gespräch mit den beiden Coaches, 90 Minuten. Das passt jetzt eigentlich gar nicht und er ist skeptisch.
Das Gespräch verläuft anders, als er erwartet hat: Die Coaches stellen Fragen, wie z.B.: „Stellen Sie sich vor, Herr K., Sie haben einen erfolgreichen Beratungsprozess mit der Coaching Initiative durchlaufen, was ist dann bei Ihnen und an Ihrer Schule anders? Herr K. antwortet, über sich selbst überrascht: „Eigentlich alles! und spürt in diesem Moment den gesamten Druck der vergangenen Monate. Die Coaches beobachten ihn aufmerksam und haken nach: „Was bedeutet ‚alles? Nennen Sie uns bitte einige Beispiele. Herr K. berichtet von Alltagserlebnissen und seinen großen Plänen für die Zukunft der Schule. Es tut ihm gut, mit welcher Wertschätzung und Geduld die Coaches ihm zuhören, unterschiedliche Perspektiven einblenden, bei Unklarheiten nachfragen, um so nach und nach mit ihm zunächst zwei Ziele für die ersten sechs Beratungen zu...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 11 / 2018

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