Berufseinstiegsphase und Personalentwicklung

Die Begleitung neuer Lehrkräfte als Führungsaufgabe annehmen

In den letzten Jahren ist der Personalwechsel unter den Lehrkräften groß. Neue Lehrkräfte in die Schule einzuführen ist angesichts der großen Arbeitsbelastung von Schulleitungen eine große Herausforderung, doch es lohnt sich, sie zur „Chef“- oder „Chefin“-Sache zu machen, wenn Sie gute Lehrkräfte an Ihre Schule binden möchten.

Eine Frau hält einen Vortrag.
Lehrer lernen von Lehrern. Foto: © Contrastwerkstatt - stock.adobe.com

Dann sollten Sie alles tun, um den Einstieg in die Berufspraxis so konstruktiv wie möglich zu gestalten.

Für die Neuen im Kollegium sind Leitungspersonen besonders dann hilfreich, wenn diese der Einstiegssituation mit Empathie und Verständnis begegnen. Und dieses Verständnis lässt sich vielleicht eher aufbringen, wenn man sich seine eigene Situation zu Beginn der beruflichen Laufbahn vergegenwärtigt. Haben auch Sie einen „Praxisschock“ erlebt? Dieser kann verschiedene Ursachen haben. Bezogen auf Leitungspersonen werden folgende Stichpunkte genannt: kaum Zeit beim Erstkontakt, mangelnde Informationen, Unzugänglichkeit der Schulleitung bei auftauchenden Problemen, Oktroyieren von Klassen und Fächern ohne Mitspracherecht sowie das Gefühl, allein gelassen zu werden.

Wenn Sie einen anderen Anspruch haben, können Sie als Schulleitung drei wesentliche Aufgaben wahrnehmen oder organisieren:

  • das Erstgespräch
  • Information und Einführung
  • Begleitung in der Einstiegsphase

Das Erstgespräch

Ich plädiere dafür, dieses Erstgespräch sehr ernst zu nehmen, und dies drückt sich darin aus, dass Sie sich darauf vorbereiten, sich Zeit dafür nehmen und zu einer Absprache mit der/m neuen Kollegin/Kollegen kommen. Dazu im Einzelnen:

  • Atmosphäre schaffen: Hier ist zum einen der äußere Rahmen wichtig. Sorgen Sie für ein ungestörtes Gespräch, stellen Sie das Telefon ab, klären Sie vorab den Zeitrahmen. Die Botschaft „Ich nehme mir Zeit für Sie“ signalisiert die Wertschätzung der neuen Lehrkraft gegenüber. Überlegen Sie, wie Sie einander gegenübersitzen wollen: Sitzen Sie hinter dem Schreibtisch auf Distanz? Oder doch besser am Besprechungstisch? Die Atmosphäre wird vor allem durch die Gesprächskultur geprägt, die Sie pflegen und in der Ihre Werte und Ihre Philosophie von Schule und Führung deutlich werden.
  • Das Gespräch strukturieren: Legen Sie sich einen Gesprächsleitfaden zurecht.

Information und Einführung

Im Anschluss an das Erstgespräch folgt oft eine Führung durch die Schule, die Sie aber auch delegieren können. Wenn diese Aufgabe Schülerinnen und Schülern anvertraut wird, können die neuen Lehrkräfte gleich die Perspektive von Lernenden kennenlernen.

Worum sich die Schulleitung vor allem kümmern sollte, ist ein Info-Paket für neue Lehrkräfte, in dem alle wesentlichen Informationen über die Schule enthalten sind. Einiges ist sicher durch den Internet-Auftritt der Schule bekannt und hier schon enthalten. Wichtig sind

  • Leitsätze und Schulprogramm der Schule
  • Schulregeln
  • Organigramm und Zuständigkeiten
  • Alarmpläne
  • Sicherheitsbestimmungen
  • Telefonnummern und Adressen
  • Übersicht über Lehr- und Lernmittel

Auch die Vorstellung der neuen Lehrkraft in die Schulgemeinde sollten Sie nicht dem Zufall überlassen. Ihre/n Stellvertreter/in, das Lehrerkollegium, die Sekretärin und den Hausmeister können Sie gleich nach dem Erstgespräch vorstellen – wenn gerade Zeit dafür ist –, ansonsten kann dies bei und nach der nächsten Gesamtkonferenz erfolgen. Es ist ein Ausdruck von Wertschätzung in der Schulgemeinde, wenn die Neuen auch in der Schülerversammlung und in der nächsten Sitzung des Schulelternbeirats vorgestellt werden.

Zeitschrift
Lernende Schule Nr. 70/2015 Berufseingangsphase

Diese Ausgabe zeigt auf, welche Möglichkeiten Schulen haben, den neuen Lehrkräften auf verschiedenen Ebenen den Einstieg zu erleichtern und sie dabei zu begleiten.

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Begleitung in der ­Einstiegsphase

Alles bisher Genannte dient der Vorbereitung. Und wie sieht es mit der Begleitung in der Einstiegsphase aus?

Diese Begleitung ist nur bedingt planbar, also weniger eine „Management-Aufgabe“ als eine, in der zum Ausdruck kommt, welche Philosophie die Leitung und Personalentwicklung prägt. Hier halte ich bezogen auf die Berufseinstiegsphase folgende Aspekte für wichtig:

  1. Willkommenskultur: Werden die „Neuen“ als Bereicherung für die Schule gesehen? Ist die Leitung daran interessiert, die Kompetenzen und Talente der „Neuen“ zu entdecken und zu fördern?
  2. Fehlerfreundlichkeit: Können die „Neuen“ über Fehler und Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen haben, offen reden und finden sie Zeit und Gelegenheit, darüber zu reflektieren und neue Anläufe zu versuchen? Sprechen die erfahrenen Lehrkräfte über eigene Fehler und Schwierigkeiten?
  3. Balance zwischen Überforderung und Unterforderung: Dass neuen Lehrkräften oft die schwierigsten pädagogischen Aufgaben übertragen werden, kommt leider immer wieder vor. Sie sollten aber auch nicht unter ihren Möglichkeiten eingesetzt werden.
  4. Unterstützung: Finden die Neulinge bei Schulleitung und im Kollegium Unterstützung? Gerade in den ersten Tagen und Wochen treten zahlreiche Fragen auf, die zum Teil einer schnellen Antwort bedürfen, zum Teil aber besser in Ruhe und mit Zeit geklärt werden sollten, vor allem, wenn mehrere neue Lehrkräfte an der Schule eingestellt wurden. Hier ist es hilfreich, wenn die Schulleitung Gesprächsbereitschaft signalisiert und für strukturierte Unterstützungsangebote sorgt.

Dazu sollen im Folgenden zwei Möglichkeiten näher beschrieben werden: Die erste Möglichkeit sind Treffen mit der Berufseinsteiger-Gruppe, die einmal oder bei Bedarf mehrmals in lockerer Abfolge angeboten werden. Dazu werden die „Neuen“ von der Schulleitung in den ersten Wochen zu einem Erfahrungsaustausch eingeladen, zu dem auch der Personalrat, Fachleitungen und andere wichtige Personen der Schule hinzugezogen werden können. Hier können Fragen vertieft beantwortet, weitere Informationen und Unterstützungsangebote gegeben und Absprachen getroffen werden. Bewährt hat sich folgender Kernplan:

  • Blitzlicht der Neuen (was läuft gut, was nicht)
  • Fragen der Neuen
  • Infos des Personalrats
  • Vorstellung der Mentoren und Teams (falls noch nicht geschehen)
  • Infos der Schulleitung
  • Vereinbarungen, z.B.
    • Themen und Rhythmus weiterer Treffen
    • Hospitationen
    • Unterstützungswünsche

Ergänzend bzw. alternativ dazu bietet sich für die Begleitung der Neuen das „TT-Modell“ an, bei dem Teams oder Tandems die Aufgabe haben, den neuen Lehrkräften mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.


Mehr zum Thema:

Zur Vollversion Lernende Schule "Berufseingangsphase", S.22  24.

Fakten zum Artikel