Tjark Ommen

Eigenen Unterricht einplanen?

Tjark Ommen

Über einen typischen Anfängerfehler

Tjark Ommen, Schulleiter in Schwarmstedt/Nds., befasst sich mit Schulleiter-Problemen, die vor allem, aber nicht nur, Anfänger betreffen. Eine Mini-Serie.

Wir stellen uns eine neue Schulleiterin an einer mittelgroßen Oberschule vor. Die Schulleiterin, nennen wir sie Frau Leiter, ist Anfang dreißig, hat drei Kinder und hat sich entschieden, trotz der familiären Belastung Schulleiterin zu werden. Nach einem gut laufenden Bewerbungsverfahren ist sie in Schuldorf an der Oberschule angekommen. Sie ist seit etwa zwei Wochen im Amt und möchte ein gutes Verhältnis zum Schulträger aufbauen. Ihre Schule ist nicht sehr groß, daher muss sie noch relativ viel unterrichten. Unter anderem hat sie sich selber in eine 10. Klasse mit dem Fach Deutsch eingeplant. Warum? Weil sie dem Kollegium zeigen wollte, dass sie sich selber Herausforderungen stellt. Von den vier Stunden Deutschunterricht liegen zwei Stunden mittwochs in der ersten und zweiten Stunde.
Einstieg gut geschafft?
Frau Leiter ist mit ihrem Einstieg in der Schule bisher recht zufrieden. Noch gab es keine Konflikte und sie befindet sich in der Phase des „Beschnüffelns. Die Du-oder-Sie-Frage ist geklärt. Sie möchte beim „Sie bleiben. Die ersten dummen Sprüche kamen schon. Einige Lehrkräfte wenden sich ab. Sie scheinen sie für borniert und überheblich zu halten wegen des „Sie. Frau Leiter ist aber mit gutem Mut dabei und hofft darauf, dass das Kollegium sie im Laufe der Zeit besser kennenlernen und dann verstehen wird, dass sie gar nicht überheblich und distanziert ist. Der Vorgänger, Herr Pause, machte bereits in den letzten Jahren seiner Amtszeit seinem Namen alle Ehre. Er machte viel Pause. Im Lehrerzimmer war er sehr beliebt. Er kannte sich hervorragend mit sportlichen Themen aus, war deshalb besonders bei den männlichen Kollegen sehr beliebt. Die weiblichen mochten ihn, weil er so ein nettes Lächeln hatte. Dass es in der Schule kaum Innovatives gab in den letzten Jahren, war den meisten Lehrkräften recht. „Man muss ja nicht ständig eine neue Sau durchs Dorf treiben. „Früher haben wir ja auch schon sehr gute Arbeit geleistet und unsere Schule ist ja schon über Jahrzehnte sehr bekannt für die Strenge hier.
In diesem Umfeld schlägt sich Frau Leiter ganz gut. Den Deutschunterricht hat sie in der Klasse von Frau Brumm. Diese ist 62 Jahre alt und rühmt sich, dass sie äußerst korrekt arbeitet und jahrelange Erfahrung aufweisen kann. Sie ist aber auch bekannt, für einen menschlich und kollegial „individuellen Umgang.
Frau Leiter ist sehr viel an einer guten Zusammenarbeit mit dem Schulträger gelegen. Sie möchte das natürlich grundsätzlich, aber konkret hat sie das Anliegen, dass sie gerne die alten, grünen Möbel aus dem nikotinbehafteten Büro von Herrn Pause entsorgen und ersetzen möchte. Hierzu hat sie bereits vor ihrem Dienstantritt einen Termin mit dem Bürgermeister vereinbaren wollen. Dieser hatte aber erst jetzt Zeit für sie. Der Termin liegt in der dritten Woche des Schuljahres, Mittwoch um 09.00 Uhr.
Primus inter pares?
Schnitt. Hier möchte ich mit der Analyse beginnen. Ich habe versucht, eine Alltagssituation zu beschreiben, wie sie mir oft zugetragen wurde. Zunächst einmal plant sich die neue Schulleiterin in eine Klasse mit den höchsten Anforderungen und dem höchsten Zeitaufwand bei einer der schwierigsten Kolleginnen der Schule ein. Wer von uns hat das nicht auch so getan? Natürlich möchte man den Kolleginnen und Kollegen beweisen, dass man belastbar ist, dass man sich nicht die Perlen heraussucht. Wir sind auch für den Einsatz in der „Schlammzone gemacht und wir wissen, worüber wir reden, obwohl wir noch jung oder neu sind.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, mein Tipp hierzu: Ja, es ist richtig. So etwas erwartet ein Kollegium. Aber mir ist in der Zeit als Schulleiter klargeworden, dass die Leitung nicht auch noch die beste Lehrerin oder der beste Lehrer der Schule sein muss....

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 11 / 2018

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