Helmut Lungershausen

„Die da oben – wir hier unten!“

Illustration: Ulrich Deppe unter Verwendung von ©iStock.com / Дмитрий Ларичев © Aleksandr Kurganov / 123rf.com

Helmut Lungershausen

Wenn an der Schule polarisiert wird

Der Grundsatz der vertrauensvollen Zusammenarbeit ist die Magna Charta der Betriebs- und Personalverfassung. Sie stellt erfahrungsgemäß eine tägliche Herausforderung für alle Beteiligten dar. Ein langjähriger Personalratsvorsitzender formuliert es treffend so: „Erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Dienststellenleitung und Personalvertretung funktioniert wie eine gute Ehe. Die Eheleute sind zu gegenseitiger Achtung, Rücksichtnahme, Offenheit und Treue verpflichtet. Wenn beide harmonieren, reicht das generelle Prinzip aus. Andernfalls wird um jedes weitere Recht mag es noch so exakt gesetzlich definiert sein erbittert gestritten. Opfer des Rosenkriegs sind dann nicht selten die Mitarbeiter. Scheidung erfolgt erst bei Abwahl oder Ausscheiden der Protagonisten aus dem Amt. (Edenfeld 2012)
Rechtsnorm und Realität
Die Generalklausel, welche die vertrauensvolle Zusammenarbeit von Personalvertretung und Dienststelle vorschreibt, ist in den Personalvertretungsgesetzen des Bundes und aller Länder enthalten. „Sie dient als Auslegungsregel für alle Rechte und Pflichten. Das Gebot soll gewährleisten, dass sich Personalvertretung und Dienststellenleiter gegenseitig unterstützen. Ihre Arbeit soll dem Wohle der Beschäftigten dienen und ermöglichen, dass die Dienststelle die ihr obliegenden Aufgaben erfüllt. Das Gebot soll darüber hinaus sicherstellen, dass die Parteien nicht gegeneinander arbeiten. (https://bit.ly/33rehwr)
Was so wohlklingend als Norm für die Zusammenarbeit formuliert ist, wird in der Praxis häufig unterlaufen. An vielen Schulen ist vertrauensvolle Zusammenarbeit von Schulleitung und Personalvertretung eingeschränkt, eingestellt oder gänzlich zerstört. Im Extremfall heißt es dann, „bei uns versteht sich der Personalrat als Stachel im Fleisch der Schulleitung (Originalton einer IGS-Kollegin) oder „wir stellen die Personalratsarbeit ein, weil der Schulleiter zur Kooperation nicht fähig ist (Erklärung des Personalrats einer berufsbildenden Schule).
Motive und Gründe
Die Ursachen für das mangelnde Miteinander bis hin zu konfliktreichem Gegeneinander können vielfältig sein. Im vergangenen Jahrzehnt sind die letzten „Alt-68er aus dem Dienst ausgeschieden. Bei einigen von ihnen war das Gegeneinander Programm, weil man darauf geeicht war, Vorgesetzte zu provozieren und Autoritäten nicht zu akzeptieren. Mittlerweile treten die Erben dieser Einstellung auf. Auch sie sehen einen grundlegenden Konflikt von Schulleitung und Kollegium: Die Lehrkräfte müssen immer mehr leisten, und die Schulleitungen bekommen immer mehr Personalbefugnisse (= Macht).
Zweifellos gibt es immer wieder mal Schulleitungen, die durch autoritäres Gehabe oder mangelnde Beteiligung eine solche Einstellung fördern. Aber in allen Qualifizierungsmaßnahmen für Leitungsämter wird ein demokratisches Führungsmodell propagiert. Schulleitungen wissen, dass Schulentwicklung nur gemeinsam mit dem Kollegium und der Personalvertretung möglich ist.
Nach meinen Beobachtungen gehen Konflikte häufiger vonseiten des Kollegiums oder der Personalvertretung aus, die zahlenmäßig auch weitaus mehr sind. Von Lehrkräften werden oft persönliche Gründe (weniger gute Beurteilung, „schlechter Stundenplan etc.) zum Anlass genommen, um eine Kontrahaltung gegenüber der Schulleitung einzunehmen. Die Personalvertretungen stoßen sich an der Verdichtung der Arbeit (was berechtigt ist), aber sie übersehen, dass die Schulleitungen davon genauso betroffen sind (und nicht die Verantwortung dafür tragen).
Die Belastung und die Unzufriedenheit mit der täglichen Arbeit haben bei den Lehrkräften in den letzten Jahren zugenommen. Das belegen die Potsdamer Lehrerstudie (vgl. Schaarschmidt & Kieschke 2007), die vielen Pensionierungen vor Erreichung der offiziellen Altersgrenze und der Umfang von Burnout und psychischen Erkrankungen. In belastenden Situationen sucht man nach Schuldigen für die Misere ...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 22 / 2020

KULTUR.MACHT.SCHULE – Organisationskultur

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13