Christiane von Schachtmeyer

Das neue Normal?!

Illustration: Ulrich Deppe unter Verwendung von © Manatchaya Suratanachaikul / © Andrija Pajtic / 123rf.com

Christiane von Schachtmeyer

Führen in der Krise*

Corona hat uns im Frühjahr 2020 eine Krise besonderen Ausmaßes gebracht. Hier möchte ich einige Schulleitung betreffende Leeren aus der Krise beschreiben und ein wenig in die Zukunft schauen. Dabei wird es drei Themenschwerpunkte geben: Was bedeutet Führen einer Schule in der Krise? Was bedeutet das für unsere kommunikativen Aufgaben? Was lernen wir aus dem Wiedereinstieg in den Schulbetrieb?
Führen in der Krise
Als Krise bezeichnen wir eine sich zuspitzende, problematische Situation, für die es absehbar noch keine Lösung gibt. Wir fühlen alle die Ungewissheit und kennen das Gefühl, dass die typischen Phasen einer Krise sich ständig wiederholen und überlappen. Die klassischen Phasen der Reaktion auf Krisen sind zunächst „Schock und Verleugnung, dann folgen „Reaktion, „Bearbeitung und „Neuorientierung. Besonders die Globalität der jetzigen Krise führt dazu, dass wir sich wiederholende Prozesse beobachten können (so zeigt sich z.B. das Phänomen der Verleugnung in der immer wiederkehrenden Diskussion, Corona sei doch nicht schlimmer als eine Grippe.) Auf der anderen Seite können wir zum Glück auch beobachten, dass die Bewältigung in einigen Ländern besser funktioniert, weil man dort aus den Fehlern der anderen Länder lernt. Die Phasen der Krisenreaktion überlappen und wiederholen sich also und sind nicht klar voneinander abzugrenzen, daher muss man sich den Verlauf der Krise eher spiralförmig und nicht linear vorstellen.
Krisen sind nicht nur eine Bedrohung. Dieses veranschaulicht zum Beispiel das chinesische Zeichen für Krise. Es besteht aus den zwei Wörtern Gefahr und Gelegenheit. Die grundlegende Herausforderung für eine Führungskraft ist, die Balance zwischen diesen beiden Seiten zu halten: die Gefahr zu respektieren und die Gelegenheiten zu sehen. Wenn man in der Krise nicht die Gelegenheit sehen kann, wird sie angesichts der ungewissen Dauer unerträglich. Daher stärkt eine solche Sichtweise nicht zuletzt die persönliche Resilienz. In diesem Sinne wird es in diesem Artikel auch nicht um die Risiken gehen, dafür sind andere zuständig. Der Fokus richtet sich vielmehr auf die Anforderungen, Herausforderungen und Chancen.
Führung in Krisenzeiten fällt deutlich leichter, wenn man seine Ambiguitätstoleranz (Unsicherheitstoleranz) verstärkt trainiert (vgl. Lungerhausen et al. 2020). Darunter verstehen wir das Annehmen der Unsicherheit, ohne Angst zu entwickeln. Ambiguitätstolerante Menschen können widersprüchliche Informationen und Anforderungen besser akzeptieren und zielorientiert verarbeiten. Die Philosophin Natalie Knapp fordert gar auf, die Unsicherheit lieben zu lernen, und erklärt das folgendermaßen: „Die Unsicherheit ist eigentlich das Beste an der Zukunft, weil sie uns den Gestaltungsraum offenhält. Sie sei die Voraussetzung für jeden kreativen Akt. Sie sei existenziell notwendig. In Bezug auf die aktuelle Corona-Pandemie müssten wir als Gesellschaft uns klarmachen, dass wir nur dann Neues entdecken können, wenn wir auch in der Lage sind, Unsicherheit auszuhalten. „Weil wir aufgrund der anhaltenden Krisen in den nächsten Jahren einfach sehr viel Neues entdecken müssen, so Natalie Knapp (Knapp 2020).
Fünf Aufgaben der Führung in der Krise
Grundsätzlich unterscheiden wir fünf Aufgaben der Führung, die auf den Managementtheoretker Fredmund Malik zurückgehen:
1. für Orientierung sorgen
2. für Organisation sorgen
3. für Entscheidungen sorgen
4. Menschen fördern
5. für Kontrolle sorgen.
Diese Aufgaben behalten in der Krise ihre Gültigkeit, allerdings verändern sich Inhalte und Fokus. Über alle Aufgaben müssen Sie weiterhin informieren, sie erläutern und den Austausch darüber fördern.
Schauen wir uns die fünf Aufgaben im Hinblick auf die Anforderungen in Krisenzeiten genauer an.
1. Für Orientierung sorgen
Das bedeutet z.B., Aufträge und Erwartungen zu klären. Was genau müssen die Klassenlehrer im hybriden Unterricht leisten, was...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 22 / 2020

KULTUR.MACHT.SCHULE – Organisationskultur

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13