Helmut Lungershausen

„Das machen wir als Gruppe!“

Helmut Lungershausen

Vom sozialen Faulenzen und von Verantwortungsscheu, die Erfolge verhindern

Lehrerinnen und Lehrer sind in der Regel keine Einzelgänger und das ist gut so. Pädagogische Arbeit erfordert menschliche Interaktion und Kooperation, denn Erziehung und Bildung spielen sich über soziale und kommunikative Beziehungen ab. Der Mensch ist ein Wesen in der Gemeinschaft („zoon politikon wie schon Aristoteles formuliert hat). Lehrkräfte brauchen deshalb einen „Draht zu Schülerinnen und Schülern, Eltern und Kollegen. Deshalb freuen wir uns als Schulleitung, wenn der Unterricht gut läuft, innerhalb des Kollegiums die Zusammenarbeit klappt und die Stimmung störungsfrei ist.
Arbeiten in Gemeinschaft
Die soziale Orientierung in den Lehrerberufen führt aber auch dazu, dass individuelles Leistungsstreben, persönliches Erfolgsbewusstsein und Ehrgeiz bei den meisten eher verpönt sind. Wer Aufgaben allein übernimmt, kommt leicht in den Verdacht, unsozial oder „karrieregeil zu sein („Einzelkämpfer). Das Zauberwort für die Bearbeitung von Vorhaben ist „Arbeitsgruppe. Drei bis fünf nette Kolleg(inn)en erklären sich bereit, gemeinsam etwas zu erarbeiten: „Das machen wir im Team!
Dabei herrscht die (unzutreffende) Vorstellung, dass bei einer Gruppe durch die gebündelte Kompetenz immer mehr herauskommt, als wenn einzelne Menschen tätig werden. Schon 1882 hat der französische Ingenieur Maximilien Ringelmann anhand von Versuchen mit Tauziehen herausbekommen, dass die persönliche Leistung in der Gruppe geringer als beim individuellen Einsatz ist. 1974 hat der amerikanische Psychologe Ingham den Versuch zum Ringelmann-Effekt modifiziert: Er ließ Probanden mit verbundenen Augen an einem Tau ziehen, einmal wurde ihnen gesagt, sie zögen allein, ein anderes Mal wurde ihnen gesagt, sie zögen im Kollektiv. Auch hier erwies sich ein signifikanter Unterschied bei der Leistung (Leitl 2007). Damit steht fest: Menschen strengen sich weniger an, wenn sie ihre Leistung innerhalb einer Gruppe erbringen. Dieser Sachverhalt wurde auch mit dem Begriff des „sozialen Faulenzens belegt.
Das gilt übrigens nicht nur für physische Arbeit, sondern auch für geistige Leistungen. Noch immer wird „Brainstorming als erfolgreiche Methode der Ideensuche verstanden: Wenn zehn Menschen zusammensitzen und ihre Ideen in der Runde äußern, kommt mehr heraus, als wenn zehn einzelne Personen ihre Gedanken notieren. Auch diese Verklärung des kollektiven Handelns ist eindeutig durch die psychologische Forschung widerlegt worden. Es wurde sogar festgestellt, dass beim Brainstorming die Kreativität eingeschränkt wird (Stroebe & Nijstad 2004).
Was bedeutet das für die Arbeit in der Schule?
Natürlich benötigen wir Teams und Arbeitsgruppen bei unserer Arbeit: zur gemeinsamen Planung, zur Abstimmung untereinander, zum Austausch von Erfahrungen, zur Beratung und zur Entscheidungsfindung. Aber wir sollten uns von dem Gedanken verabschieden, dass bei einer Arbeitsgruppe, die ohne konkrete Vorgaben, ohne geregelte Verantwortlichkeit und ohne Verfahrensregelung arbeitet, nützliche und zeitnahe Ergebnisse herauskommen.
Schauen wir uns erfolgreiche Methoden sozialer Zusammenarbeit an, so stellen wir fest, dass alle nach einem vorgegebenen Schema mit relativ klaren Regelungen arbeiten:
Die Projektmethode setzt auf einen Vertrag mit klarer Aufgabenstellung, die Vergabe von Arbeitspaketen und die Zwischenbilanz bei Meilensteinen und den gemeinsamen Abschluss.
Die Kollegiale Beratung arbeitet mit klar verteilten Rollen unter den Teilnehmern, festen Regeln und einem Ablauf genau festgelegter Phasen.
Das Brainwriting (auch Kreativmethode 635 genannt) wird nach einem festen Schema durchgeführt, bei dem sich die Teilnehmer an Zeit und Reihenfolge halten müssen.
Auch Konferenzen kommen ohne Geschäfts- und Tagesordnung nicht aus, und Lehr-Lernformen wie Fishbowl, Plan- und Rollenspiel, Blitzlicht, Stationenlernen und viele andere arbeiten mit Regeln,...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 12 / 2018

Nicht-lehrendes Personal – Ohne die nichts läuft

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13