Anja Erichsen

Bedürfnisse

Anja Erichsen

Ein Stellhebel zur Bewältigung schwieriger Führungssituationen!?

Wieder gab es ein schwieriges Gespräch mit dem Kollegen Schmidt. Sie wollten ihm nur kurz erklären, dass sein Engagement für den Wettbewerb lobenswert ist, er aber trotzdem seine geplante Exkursion mit den Klassenlehrern und den Vertretungsplanern absprechen muss. Herr Schmidt wurde daraufhin sehr ausfallend, weil er sich in seiner Arbeit nicht wertgeschätzt fühlte und Sie sahen sich dann genötigt, doch mal eine klare Ansage zu machen. Nachher fragten Sie sich: Was lief da eigentlich schief? Vielleicht hilft ein Blick auf die Hirnforschung und ein Blick auf die Bedürfnisse des Menschen.
Wie erklärt sich ausfälliges Verhalten in Konflikten?
Unser Denken, Fühlen und Handeln wird ganz wesentlich durch das Gehirn gesteuert und steht mit ihm in einer ständigen Wechselbeziehung. Bereits die Art und Weise, wie wir über bestimmte Sachverhalte, Personen und Ereignisse denken, aktiviert unterschiedliche Areale im Gehirn (Belohnungs- oder Angstzentrum) und beeinflusst unser Verhalten.
Beispiel: Mitarbeitergespräch mit Herrn Mayer zum Stundenplan
Mal angenommen, Sie erinnern sich noch an das Gespräch aus dem Vorjahr und wissen, dass die Unterhaltung zum selben Thema zwar nicht einfach, in der Sache aber recht konstruktiv war. In diesem Fall wird durch die positive Erinnerung das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert. Zudem werden Glücksbotenstoffe ausgeschüttet; ein Gefühl von Gelassenheit und Wohlbefinden ist die Folge. Dieser Gemütszustand stimmt Sie zuversichtlich und lässt Sie vermutlich mit großer (oder größerer) Offenheit das Mitarbeitergespräch führen.
Das Gegenteil ist der Fall, wenn negative Gedanken überwiegen. Innere Dialoge, wie z.B. „Jetzt kommt schon wieder Herr Mayer, der mir zum wiederholten Mal sein Leid klagen will! oder „Ich bin es langsam leid, ich habe es ihm doch schon so oft erklärt!, führen zu einer erhöhten Stresshormon-Produktion im Gehirn und zu einer Aktivierung des Angstzentrums. Reflektiertes, planvolles und rationales Denken und Handeln sind in diesem „Modus nur noch eingeschränkt möglich (Draht 2015). Dies sind dann oft die Momente, in denen wir die Kontrolle verlieren, uns „der Kragen platzt oder wir nur noch „Dienst nach Vorschrift machen.
Eine weitere Triebfeder menschlichen Handelns liegt in dem Streben nach Wohlbefinden und Schmerz-/Stressvermeidung. Auch dies lässt sich neurowissenschaftlich erklären: Sind unsere Bedürfnisse nicht erfüllt (oder zweifeln wir an deren Erfüllung), wird unser Angstzentrum alarmiert: Stress ist die Folge. Dies hat negative Auswirkungen auf unsere hirninternen Botenstoffe, die für unsere körperliche, geistige und emotionale Gesundheit verantwortlich sind. Von Natur aus sehnt sich der Mensch daher nach Wohlergehen und emotionaler Ausgeglichenheit (Draht 2015).
Achtung der Bedürfnisse ein Stellhebel
In der Achtung und Wahrnehmung der Bedürfnisse aller Beteiligten liegt daher ein wichtiger Stellhebel für die Gestaltung positiver Arbeitsbeziehungen! Für Schulleitungen und Personalverantwortliche bedeutet dies:
Betrachten Sie Verhaltensweisen wie bspw. Trotz, Widerstand und Arbeitsverweigerung als Hinweisschilder der menschlichen Psyche auf unerfüllte oder als bedroht empfundene Bedürfnisse.
Schärfen Sie Ihre Wahrnehmung für diese Hinweisschilder und die dahinterliegenden Gefühle und Anliegen. Hören Sie aufmerksam zu, fragen Sie nach, zeigen Sie aufrichtiges Interesse an Ihrem Gegenüber.
Machen Sie die Hintergründe Ihres Handelns für Andere nachvollziehbar. Begründen Sie Entscheidungen auch auf Basis Ihrer Gefühle und Bedürfnisse.
Ein bedürfnisorientiertes Führungsverhalten bedeutet nicht, dass die Bedürfnisse aller erfüllt werden. Das wäre unrealistisch. Das Hauptanliegen diees Ansatzes ist es, gegenseitiges Verständnis und ein Miteinander zu fördern, in dem die Bedürfnisse aller Beachtung finden. Können Menschen darauf vertrauen, dass ihre...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 10 / 2017

Mit Konflikten umgehen – Auf Krawall gebürstet

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13