Helmut Lungershausen

Aufgaben, Interessen, Konflikte

Helmut Lungershausen

Wie unterschiedliche Rollen zu Auseinandersetzungen führen können

In der Schule treten immer wieder Konflikte zwischen Lehrkräften und Personen in Leitungsposition auf. Das Verhältnis ist von Auseinandersetzungen geprägt, die von den Beteiligten jedoch nicht als rollenbedingte Konflikte erkannt werden. Ein durch Rollen bedingter Konflikt entsteht, wenn Interaktionspartner von ihrer sozialen Rolle her gegensätzliche Interessen durchsetzen wollen, ohne die jeweiligen Unterschiede der Rollenträger (Status, Funktion, Aufgaben) zu berücksichtigen (s. Tool zu Konfliktarten).
Beispiel aus der Schule
Die Konferenz hat beschlossen, eine schulinterne Fortbildung (SchiLF) zu veranstalten. Dafür soll ein Nachmittag und ein Vormittag angesetzt werden. Das war noch einvernehmlich. Die Schulleiterin schlägt dafür einen Freitagnachmittag und einen Samstagvormittag vor. Sie beruft sich auf die Vorschrift, dass Fortbildung in der unterrichtsfreien Zeit zu erfolgen habe. Der Vorsitzende der Personalvertretung ist sauer. Sie wisse doch, wie belastet die Kollegen seien. Und jetzt wolle die Schulleitung ihnen auch noch das Wochenende wegnehmen.
Der Konflikt ist zunächst durch die unterschiedlichen Rollen bedingt. Der Umgang mit diesem Konflikt und die weitere Entwicklung hängen jedoch sehr stark ab von der persönlichen psychischen Disposition der Beteiligten und vom Interaktionsmuster, das sich zwischen ihnen ergibt. Werden alte Rechnungen aufgemacht und neue Vorwürfe erhoben, entsteht ein heißer Konflikt. Es ist jedoch auch möglich, dass beide die Rollenkonstellation erkennen: Die Schulleiterin muss auf die Einhaltung der Vorschriften achten, vom Vorsitzenden der Personalvertretung erwartet das Kollegium eine Intervention gegen eine SchiLF in der Freizeit. Nachdem sich beide über die wechselseitigen Rollenerwartungen Klarheit verschafft haben, können sie gelassen in die Auseinandersetzung um einen Kompromiss treten.
Nicht alle Konflikte lassen sich vermeiden
Gerade in Zeiten, in denen die Schulen eigenverantwortlich gestaltet und die Schulleitungen mit mehr Befugnissen ausgestattet werden, kommen rollenbedingte Konflikte häufiger und heftiger vor. Im Kasten sind typische wechselseitige Vorwürfe zwischen Kollegien und Schulleitungen zusammengestellt.
Kasten 1: Typische wechselseitige Vorwürfe
Kasten 1: Typische wechselseitige Vorwürfe
Der Schulleiter/die Schulleiterin sagt über die Kolleginnen und Kollegen:
  • Sie mauern bei vielen Vorhaben und ziehen nicht mit.
  • Sie wollen keine Verantwortung übernehmen.
  • Sie meckern über fast alles, was von der Schulleitung kommt, erkennen Positives nicht an.
  • Sie sind unzuverlässig (vergessene Aufsicht, zu späte Unterrichtsaufnahme, nicht eingehaltene Termine).
  • Sie geben Fehler nie zu, haben immer eine Entschuldigung als Ausrede.
  • Sie lesen die Informationen und Hinweise nicht.
Die Kolleginnen und Kollegen sagen über den Schulleiter/die Schulleiterin:
  • Er/sie überfordert uns und belastet uns durch neue Vorhaben.
  • Er/sie entscheidet, ohne das Kollegium ausreichend zu beteiligen.
  • Er/sie kritisiert häufig, aber er gibt kaum Lob und vermittelt keine positive Bestätigung.
  • Er/sie hat kein Vertrauen zu uns, kontrolliert Kleinigkeiten, man kann es ihm/ihr nicht recht machen.
  • Er/sie gibt uns bei Beschwerden zu wenig Rückendeckung und Unterstützung.
  • Wir werden nicht ausreichend/umfassend informiert.
Diese Punkte sind nicht statistisch abgesichert und die Reihenfolge sagt nichts über ihre Häufigkeit aus. Aber einzelne oder mehrere dieser Vorwürfe wiederholen sich ständig, unabhängig von der Person der Schulleiterin oder des Schulleiters und dem Ruf der Schule. Die Tatsache, dass diese Vorwürfe an vielen Schulen so oder ähnlich geäußert werden, gibt Anlass zu der Annahme, dass sie aus den (unerfüllten/enttäuschten) Erwartungen der unterschiedlichen Rollenträger dort hervorgehen. Die Vorwürfe erfolgen deshalb auch häufig völlig unabhängig von den individuellen Personen,...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 10 / 2017

Mit Konflikten umgehen – Auf Krawall gebürstet

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13