Egon Tegge

Arbeit mit dem Personalrat

Egon Tegge

Produktiv statt konfrontativ

Im Vergleich zu den Betriebsräten in der sog. freien Wirtschaft erscheinen die Aufgaben von Personalräten in staatlichen Schulen essenziell recht wenig konfliktbehaftet zu sein. Die Lehrkräfte sind kaum bedroht von Kündigung oder gar durch die Erstellung von Sozialplänen bei Missmanagement der Unternehmensleitung. Es gibt keine Sorgen um den Absatz von Produkten, die Zeit der Zwangsteilzeitbeschäftigungen in den Neuen Bundesländern ist auch längst vorbei. Auch prekäre Arbeitsverhältnisse durch Outsourcing oder Leiharbeit sind keine Themen zwischen Dienststelle (Schulleitung) und Personalräten. Also werden hier nicht Luxusprobleme einer Schönwetterveranstaltung verhandelt?
Personalrat eine Schönwetterveranstaltung?
Die Personalräte würden das in Abrede stellen. Denn die öffentlichen Arbeitsgeber (und damit auch die Schulleitungen vor Ort) sind in Abhängigkeit vom jeweiligen politischen Auftraggeber gehalten, nicht nur die Ups and Downs der bildungspolitischen Achterbahnfahrten zu organisieren, sondern auch die in Bildungsfragen nur mäßig aufgestellten öffentlichen Haushalte mit den aktuellen Fragen kompatibel zu machen: Wo kommen auf einmal all die Kinder her? Wie sollen wir das Inklusionsthema stemmen? Wie schafft man Bedingungen für zeitgemäßen Gesundheitsschutz der Lehrkräfte, obwohl 20 Jahre lang in den Gebäudebestand nichts investiert worden ist? Solche Fragen bewegen die Beschäftigten in den Lehrerzimmern (die übrigens meist längst nicht mehr den geltenden Bestimmungen der Arbeitsstättenverordnung entsprechen) und damit auch die Personalräte.
Trennung von Politik und Betriebsorganisation
Klar, etwa die Wiedereinführung von G9 sowie im Jahrestakt erfundene neuartige Prüfungsanforderungen können schon nerven. Und dass mal eben schnell der Klassenteiler angehoben wird und Aufgaben in die Schulen gedrückt werden, für die man sich nicht hinreichend ausgebildet fühlt, führt leicht zu Verdruss bei Lehrkräften und Personalrat. Aber als Schulleiter oder Schulleiterin wäre man schlecht beraten, wenn man derartige Diskussionen zum Kerngeschäft der betrieblichen Organisation machen würde. Im Gegenteil, die Kunst ist hier, den Unmut oder die Sorgen der Beschäftigten wahrzunehmen und zu verstehen, aber immer deutlich zu machen, wo die Grenzen der eigenen Zuständigkeit sind. Denn z.B. die Heraufsetzung der Klassenfrequenzen und die damit empfundene Mehrbelastung oder irgendwelche Billigvarianten einer Ganztagsbetreuung (obwohl man „Ganztagsbeschulung seitens der Politik gehört zu haben meint), muss man politisch/inhaltlich ja nicht für sinnvoll erachten. Man kann auch als beamtete Staatsbedienstete eigene Vorstellungen einer qualitätsvollen Beschulung haben und vertreten. Das, was real umgesetzt werden muss, darf man ruhig als einer wie auch immer gearteten Not geschuldet apostrophieren nur die Adresse für die Verantwortung derartiger Missstände liegt dann nicht mehr bei der Leitung der Schule. Derartige Verhaltensweisen bedürfen aber allergrößter Klarheit, denn für die Personalräte ist man als Mitglied der Schulleitung nun einmal der verlängerte Arm der Exekutive und leider oft deren einziger Ansprechpartner. Aber die Aufforderung, sich in politischen Gremien, Gewerkschaften oder Initiativen zu bestimmten bildungspolitischen Fragen zu engagieren, stellt keine unbotmäßige Überschreitung des Grundsatzes nach politischer Zurückhaltung von Beamten dar.
Transparenz statt Verteilungskämpfe
Doch was macht man als Leiter, wenn „von oben plötzlich irgendwelche „Anrechnungsstunden gestrichen werden. Oder wenn man noch schwieriger bei einem Pool derartiger Entlastungen „eigenverantwortlich 20% eingesparen soll und der Personalrat „schärfsten Widerstand gegen die Sparmaßnahmen ankündigt sowie einen gerechten Umgang mit den Belastungen der Kolleginnen und Kollegen einfordert?
Das Zauberwort heißt Transparenz. Sie sollte stets das Handeln der...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 10 / 2017

Mit Konflikten umgehen – Auf Krawall gebürstet

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13