Vera Busse, Aapo Halonen

„Wohl mehr gelernt als sonst“

Vera Busse, Aapo Halonen

Ein Gespräch über Corona-Fernunterricht in Finnland

Vera Busse: Herr Halonen, Sie sind Schulleiter einer finnischen Schule in Jyväskylä. Was sollte man grundsätzlich über Ihre Schule wissen?
Aapo Halonen: Die Schule ist eine Ausbildungsschule für Lehrkräfte und arbeitet mit der Universität Jyväskylä zusammen. Junge Leute, die an der Universität auf Lehramt studieren, müssen auch praktische Erfahrung sammeln dies können sie auf unserer Schule tun. Davon abgesehen ist es eine normale öffentliche Schule; die Schülerinnen und Schüler kommen aus der näheren Umgebung der Stadt.
In Finnland ist die Schule zweigliedrig; es gibt eine Gemeinschaftsschule, die die Klassen 1 bis 9 umfasst (also die 7 bis 16 Jahre alten Kinder und Jugendlichen), sowie eine weiterführende klassenlose, gymnasiale Oberstufe für die 16- bis 19-Jährigen. Wir haben in den ersten sechs Jahrgängen etwa 400 Lernende. Ich selbst bin Direktor der Mittelschule mit Klassen 7 bis 9 und insgesamt etwa 300 Schülerinnen und Schüler. Nach der 9. Klasse müssen sie sich entscheiden, ob sie eine Ausbildung machen oder in die Oberstufe gehen. Für das Bestehen der Oberstufenkurse haben die Jugendlichen je nach Bedarf zwei bis vier Jahre Zeit.
Welche Form von Unterstützung hat Ihre Schule vom Staat bekommen, um besser für das Homeschooling gerüstet zu sein?
Die Schulen haben keine zusätzliche Unterstützung erhalten. Das lag teilweise daran, dass alles schnell passiert ist: Wir wussten erst eine Woche vor dem Shutdown, dass wir auf Homeschooling umstellen müssen. In dieser Zeit haben wir uns so gut wie möglich vorbereitet. Wir haben z.B. beschlossen, den normalen Stundenplan beizubehalten.
Ein Problem für das Homeschooling in Deutschland besteht darin, dass nicht alle Lernenden einen Computer zuhause haben. Wie ist das in Finnland?
Meine Schule hatte schon zuvor eine sehr gute Ausstattung möglicherweise eine bessere als andere Schulen in Finnland. Wir haben schon seit einigen Jahren iPads für die Lernenden. Seit einem Jahr haben wir iPads für alle, die die entsprechende Software und die Zugangsmöglichkeiten haben, um individuell genutzt zu werden. Die iPads wurden schon zuvor in den Lernprozess integriert; die Jugendlichen waren also mit den Geräten vertraut.
Welche Unterstützung haben die Lehrkräfte von den Schulleitungen bekommen, um die neuen Lehr- und Lernumstände zu bewältigen?
Es blieb keine Zeit für spezielle Fortbildungen für unsere 60 Lehrkräfte der Mittelschule. Es wurden aber Sitzungen organisiert, in denen sie ihr Wissen und ihre Strategien zum Umgang mit den digitalen Plattformen teilen konnten.
Hat die Schule spezifische Leitfäden oder Methoden für die digitale Lehre aufgestellt oder gab es allgemeine Leitfäden vom Bildungsministerium?
Es gab keine konkreten Richtlinien vom Staat. Die Schulen mussten diese selbst erstellen, und zwar schnell. Meine Schule hat sich dazu entschieden, Unterrichtsstunden nach dem gleichen Plan zu geben wie zuvor. Die Befürchtung war, dass Lehrkräfte andernfalls nur Aufgaben geben und zu wenig Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern haben würden.
Wir benutzen das Google Education System, das Google Classrooms und Google Meet beinhaltet. Diese Plattformen sind für jeden verfügbar. Die Lehrkräfte können allerdings autonom zusätzliche Plattformen oder andere digitale Medien verwenden. Wir in der Schulleitung versuchen trotzdem, ein gewisses Maß an Einheitlichkeit zu fördern.
Bereits im normalen Schulbetrieb haben die Lehrkräfte diese Tools verwendet. Dazu haben die Kinder in der unteren Sekundarschule IT- bzw. Technikstunden, in denen sie den Umgang mit digitaler Ausstattung wie iPads und Plattformen lernen. Digitales Equipment wird aber auch schon in der Grundschule verwendet.
Wie sieht denn ein typischer Tag des Homeschoolings an Ihrer Schule aus?
Unser Unterricht geht weiterhin von 8 Uhr morgens bis 15 oder 16 Uhr. Jede Stunde muss mit einer Live-Besprechung per...

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Fakten zum Artikel
aus: Lernende Schule Nr. 91 / 2020

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